Kommentar zur DAZN-Preiserhöhung Gefährliches Spiel: So wenden sich die Fans bald vom Fußball ab

Steffen Baumgart, Cheftrainer des 1. FC Köln, steht am Spielfeldrand.

Kölns Trainer Steffen Baumgart beim DAZN-Interview am 19. Dezember 2021.

TV-Sportrechte sind vor allem im Fußball extrem teuer. Um sie zu refinanzieren, hat jetzt Internetanbieter DAZN den Preis für Neukunden drastisch erhöht. Ein Kommentar zur Entwicklung.

Diese Nachricht hat die Fußball-Fans aufgewühlt: Die Ankündigung des Sport-Streaming-Dienstes DAZN, die Preise drastisch anzuheben, ist das Gesprächsthema Nummer eins. Auf den sozialen Kanälen des Senders schrieben sich mehr als 10.000 Userinnen und User ihren Frust von der Seele. Ein Kommentar zum Dilemma.

Mit dem Slogan „Der beste Zehner aller Zeiten“ warb das „Netflix für Sportfans“ 2016 für sein Programm. Von anfangs 9,99 Euro stieg das DAZN-Abo gemächlich auf 11,99 Euro monatlich, dann weiter auf 14,99 Euro. Doch nun platzte die Bombe: hundert Prozent Preissteigerung auf 29,99 Euro ab dem 1. Februar 2022.

Mitten in der Phase, in der die meisten Fans nicht ins Stadion dürfen, um ihr Team live zu erleben, dreht der Sender mächtig an der Preisschraube. Alles wird derzeit teurer: Strom, Gas, Benzin, Lebensmittel. Aber eine Verdoppelung bei einem Fußball-Abo: Ist dieses Signal der Kommerzialisierung das schlimmste Eigentor der Saison?

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Bundesliga bietet viel Mittelmaß und keinen echten Meisterkampf

Die Bundesliga plätschert Woche für Woche mit zahlreichen mittelmäßigen Spielen dahin. Einen echten Meisterschaftskampf – wie beispielsweise in England – gibt es nicht zu sehen. Und Partien wie Bielefeld gegen Fürth oder Augsburg gegen Wolfsburg sind dann doch eher nur etwas für die Hardcore-Anhänger der Klubs.

Hinter dem DAZN-Preis-Schock steckt klares Kalkül. Im Sommer 2020 hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die nationalen Bundesliga-Rechte bis zur Saison 2024/25 an Sky und DAZN verkauft. „Es war unser Plan, mit einem sehr niedrigen Preis in die Saison zu gehen, um Fans die Möglichkeit zu geben, DAZN kennenzulernen“, gibt man nun zu.

DFL hat Bundesliga-Rechte bis 2025 an Sky und DAZN verkauft

Den Verantwortlichen war also von vorneherein klar, dass die hohen TV-Gebühren – 1,1 Milliarden Euro nehmen die Profiklubs der Bundesligen derzeit pro Saison ein – nicht mit den anfangs verlangten Abo-Preisen eingespielt werden können. Nun müssen sich die Fans die Frage stellen: Ist ihnen der Live-Fußball die Preissteigerung wert? Oder genügt vielleicht die Radio-Übertragung, der Liveticker oder die kurze Spiel-Zusammenfassung? Weichen Anhängerinnen und Anhänger eventuell sogar lieber zum lokalen Fußballplatz aus?

Das Kartellamt hat 2020 seinerzeit festgelegt, dass die DFL nicht sämtliche Übertragungsrechte an einen einzelnen Anbieter vergeben darf. Doch stattdessen wurde ein Monopol in mehrere einzelne Monopole aufgespalten. Der Fan hat nicht die echte Wahl zwischen verschiedenen Sendern. Er muss, wenn er alle Begegnungen seines Vereins sehen will, alle Abos buchen.

Wer alle Spiele sehen will, braucht Sky, DAZN, Amazon Prime und RTL+

Wer in dieser Saison beispielsweise alle Dortmund- oder Leverkusen-Spiele sehen will, braucht Sky (Bundesliga und Pokal) für rund 40 Euro, DAZN (30 €), Amazon Prime (8 €) und RTL+ (5 €). 83 Euro pro Monat für Live-Fußball, ein entsprechender Internet-Zugang wird natürlich auch benötigt. Und die GEZ-Gebühr ist ebenfalls fällig.

Schon die Tatsache, dass viele Vereine im vergangenen Sommer/Herbst Probleme hatten, ihre verfügbaren Ticket-Kontingente unter das Volk zu bringen, diente als Warnsignal. Die Spirale ist überdreht: steigende Kosten, überbezahlte Stars, Turniere in autoritären Regimen, gnadenlose Vermarktung.

Die Macherinnen und Macher müssen aufpassen, dass sich nicht immer mehr Menschen vom Sport abwenden und die Entfremdung immer größer wird. Denn die gebotenen Leistungen passen nur noch selten zu den geforderten Preisen.

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