„Wenig Liebe, wenig Herz“Kimmich und Goretzka mit Klartext zum Bayern-Beben nach DFB-Sieg

Joshua Kimmich beim Länderspiel gegen Peru.

Joshua Kimmich ging auf dem Platz gegen Peru am Samstag (25. März 2023) wie ein Kapitän voran. Nach Abpfiff gab er sich auch am Mikrofon führungsstark.

Die deutsche Nationalmannschaft hat im ersten Spiel nach der WM-Pleite von Katar einen Sieg gefeiert. Gegen Peru sorgte Niclas Füllkrug für die Glanzmomente. Spannend wurde es nur noch nach dem Abpfiff.

von Marcel Schwamborn (msw)

Bei der verkorksten Weltmeisterschaft in Katar durfte Niclas Füllkrug (30) nur in 66 von den 270 absolvierten Turnier-Minuten mitwirken. Den Mut, den Bremer Stürmer in die Startelf zu beordern, hatte Hansi Flick (58) nicht.

Am Samstag (25. März 2023) untermauerte der Werder-Knipser im Testspiel gegen Peru, dass der Bundestrainer bei der WM besser mal öfter „Mut zur Lücke“ bewiesen hätte. Füllkrug war es, der das letzte Länderspiel-Tor 2022 erzielt hatte, er schoss auch das erste in diesem Jahr.

Niclas Füllkrug mit Doppelpack beim Sieg gegen Peru in Mainz

Der 2:0-Sieg gegen den 21. der FIFA-Weltrangliste war der erhoffte Erfolg zum Neustart. Füllkrug sorgte in Mainz mit seinem Doppelpack (12., 33.) für den Jubel, Neuling Marius Wolf (27) sammelte Pluspunkte. Nach starker erster Halbzeit baute die DFB-Elf jedoch ab, verlor die Struktur und verschoss durch Kai Havertz sogar einen Elfmeter (68.).

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Der Weg, Deutschlands Fans wieder für die Nationalmannschaft zu begeistern, ist noch weit. Unter den 25.358 Fans waren die Gäste diejenigen, die für Stimmung sorgten. Das DFB-Klatschpappen-Publikum ging nur bei den Toren aus den Sitzen. Die Aufbruchstimmung ist noch nicht auf den Rängen angekommen.

Spiel eins nach dem erneuten WM-Fiasko ging der Bundestrainer mit einer komplett umgekrempelten Mannschaft an. Mit Joshua Kimmich (28) und David Raum (24) standen nur zwei Akteure in der Startelf, die auch beim letzten Auftritt in Katar gegen Costa Rica begonnen hatten.

Zudem durften gleich drei Dortmunder beginnen, die einst so starke Bayern-Fraktion wurde nur von Kapitän Kimmich vertreten. Das Motto des Abends wurde nicht nur durch ein großes Banner an der Fankurve vorgegeben: „Leidenschaft, Mut und Wille sind unsere Tugenden“, stand da. Es wirkte fast, als hätte der neue Sportdirektor Rudi Völler (62) das gemalt.

Im ersten Durchgang beherzte die Mannschaft die Vorgabe. Die neue Taktik mit Doppelspitze zahlte sich aus, über die Außenbahnen wurde viel Druck erzeugt. Nach der Pause und drei Wechseln von Flick, lief es jedoch längst nicht mehr so.

Die Gäste sorgten mit einigen hitzigen Duellen für Unruhe auf dem Platz, Schiedsrichterin Maria Sole Caputi (Italien) wirkte komplett überfordert. Auch der vom VAR angezeigte Elfmeter brachte keine Ruhe ins Spiel, weil Havertz vergab.

In der zweiten Halbzeit lief nicht mehr so viel zusammen beim DFB-Team

Nachdem die zweite Halbzeit dahin geplätschert war, wurde es erst nach dem Abpfiff wieder spannend. Kapitän Joshua Kimmich wurde zum Trainerwechsel in München gefragt und gab sich am ZDF-Mikro äußerst direkt. „Am Ende des Tages ist so das Geschäft: Wenig Liebe, wenig Herz“, kommentierte er den Nagelsmann-Rauswurf.

„Wir müssen lernen, damit umzugehen und mit der Entscheidung zu leben. Wenn es zu einem Trainerwechsel kommt, ist es immer enttäuschend, weil das bedeutet, dass wir Spieler versagt haben, wir Spieler die Leistung nicht kontinuierlich auf den Platz bekommen haben. Wir haben es nicht geschafft, gute Ergebnisse zu erzielen. Anders kommt so ein Trainerwechsel nicht zustande“.

Auch Leon Goretzka machte deutlich, dass ihn die Entscheidung der Bayern-Boss nicht glücklich gemacht hat. „Ich würde lügen, wenn ich sage, die letzten Tage hätten mich nicht betroffen gemacht. Es war extrem schwierig. Wir haben eine sehr enge Beziehung zu Julian gepflegt. Wahrscheinlich hab ich ihn häufiger gesehen als meine Familie. Erst mal ist das ein Schock“, sagte er.

Angesprochen auf die angeblichen Risse zwischen Nagelsmann und der Mannschaft sagte Goretzka: „Ich wär' ja doof, wenn ich jetzt meinem Chef widersprechen würde“, sagte er. „Ich persönlich hatte sicher keine Probleme mit Julian. Aber ich weiß nicht, wie es mit anderen war“.

Leon Goretzka: „Wär' ja doof, wenn ich meinem Chef widersprechen würde“

Angesichts dieser klaren Worte zum Bayern-Beben gingen die Analysen zum Spiel nahezu unter. „Es ging darum, einen guten Start zu haben“, sagte Füllkrug: „Ich bekomme hier meine Situationen im Strafraum. Toll, dass ich hier schon so eingebunden bin.“

„Die Leute haben sich, glaube ich, gefreut, die Nationalmannschaft wiederzusehen“, sagte Torwart Marc-André ter Stegen. „Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir ein gutes Spiel gemacht.“ Er sei „happy, dass wir gut reingekommen sind“.