Trotz Rekord-Start als Bundestrainer Warum schaut Hansi Flick immer noch so grimmig bei den Siegen?

Hansi Flick freute sich beim Schützenfest gegen Liechtenstein über viele Tore und seinen eigenen Startrekord. Doch sein Blick richtete sich schnell auf den Jahresabschluss in Armenien.

Wolfsburg. Die WM-Qualifikation steuert auf ihren Showdown zu. Viele Nationen bangen noch, einige klammern sich an den Strohhalm Relegation. Deutschland hat das Ticket für Katar längst sicher. Hansi Flick (56) hat seit Amtsübernahme im September schnell für klare Verhältnisse gesorgt. Sechs Siege in sechs Spielen bei 27:1 Toren sind Bestmarke.

Nur noch mal zur Erinnerung: Joachim Löw (61) hatte seinem Nachfolger eine Nationalmannschaft übergeben, die nach drei Qualifikationsspielen im März 2021 nur auf Platz drei der Gruppe J gestanden hatte, hinter Tabellenführer Armenien und Nordmazedonien. Doch innerhalb von drei Monaten wurden die Verhältnisse gerade gerückt. Wichtiger als die positiven Ergebnisse ist noch die Erkenntnis, dass ein Stimmungswandel bei der Nationalmannschaft stattgefunden hat.

Die Besucher von Länderspielen sind sicher nicht mit treuen Bundesliga-Fans vergleichbar. Bei den DFB-Events herrscht oft eine eigenwillige Atmosphäre. Doch in den vergangenen Wochen hat sich auch da etwas entwickelt. „Die Stimmung im Stadion war einfach fantastisch. Das dritte Heimspiel, das wir hatten – die Mannschaft und die Fans sind eine gute Kombination. Wenn man so viele Tore schießt und so angefeuert wird, ist das natürlich prima“, freute sich Flick.

Hansi Flick: Die Stimmung bei den Spielen war fantastisch

Allerdings sah es über weite Strecken beim deutlichen 9:0 gegen dezimierte und überforderte Liechtensteiner am Donnerstag (11. November 2021) nicht so aus, als habe der Bundestrainer Spaß an seinem Job. Flick stand meist mit ernstem Blick an der Seitenlinie, schaute mitunter mürrisch aufs Feld. EXPRESS.de fragte den Bundestrainer, ob vielleicht die turbulenten Tage in Wolfsburg mit fünffacher Corona-Quarantäne und zahlreichen Verletzungs-Absagen ihm die Lust genommen hätten.

Ridle Baku wird von seinen Mitspielern für sein Tor gefeiert.

Immerhin die Spieler hatten Spaß. Thomas Müller lässt Ridle Baku nach dessen Traumtor hochleben.

„Nein, nullkommanull“, entgegnete Flick. „Wir haben etwas Hektik gehabt am Montag und Dienstagmorgen, bis wir wussten, wie schaut es aus. Danach war für uns klar: zurück zur Normalität. Wir wollten ein gutes Spiel abliefern. Das ist uns gelungen. Jetzt geht es mit absoluter Vorfreude Richtung Armenien, Richtung letztem Spiel in diesem Jahr. Da wollen wir einen guten Abschluss haben. Das ist unser Ziel.“

6,49 Millionen Zuschauer sahen Liechtenstein-Spiel bei RTL

Schon beim übertragenden Sender RTL (6,49 Millionen schauten das Spiel) war der Coach auf seinen Gesichtsausdruck auf der Bank angesprochen worden. „Ich bin immer sehr konzentriert, deshalb ist meine Mimik nicht so einfach“, entgegnete er. Flick weiß aber auch, dass die Spiele – so erfolgreich sie auch waren – kein Grund sind, um nun in völlige Euphorie zu verfallen. „Wir haben gesagt, dass Liechtenstein ein Spiel ist auf unserem Weg. Wir wollen uns jedes Spiel weiterentwickeln“, sagte er.

Ähnlich sachlich ordnen die Spieler die jüngsten Siege ein. „Es war einfach schön. Aber wie nah wir an der Weltspitze sind, kann man jetzt nicht sagen, die Gegner waren nicht auf dem Niveau, auf dem wir gefordert sein werden“, merkte Marco Reus (32) richtig an. Und Thomas Müller (32) bremste die übertriebenen Glückwünsche auch: „Man muss immer ein bisschen relativieren, dass wir keine extrem schwierigen Gegner in der Gruppe hatten.“

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Im kommenden Jahr warten anspruchsvolle Test- und Nations-League-Spiele auf die DFB-Elf und ab dem 21. November die WM. Da ist das Team gefordert, nach zwei frustrierenden Turnieren wieder die Fans mitzureißen. In Katar gibt es keine Teams der Marke Liechtenstein oder Armenien. Das weiß auch Flick. Aber wenn seine Bilanz weiter so positiv bleibt, wird er dann sicher auch mehr lächeln.

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