Fortuna-Boss im Interview Allofs trotz Wackel-Start sicher: „Preußer ist der richtige Trainer“

Fortuna Düsseldorfs Vorstand Klaus Allofs (r.) und Trainer Christian Preußer im Gespräch auf dem Trainingsplatz.

Sind auf einer Wellenlänge: Fortuna-Vorstand Klaus Allofs (r.) und Trainer Christian Preußer – hier beim Training am 1. August 2021.

Klaus Allofs ist seit einem Jahr Vorstand bei Fortuna Düsseldorf. Der 64-Jährige erklärt im ersten Teil des großen EXPRESS.de-Interviews am 10. Oktober 2021, warum er von Trainer Christian Preußer (37) überzeugt ist.

Düsseldorf. Neun Spiele, elf Punkte, Platz zwölf. Das Zahlenwerk nach gut einem Viertel der Zweitliga-Saison fällt bei Fortuna Düsseldorf höchst durchschnittlich aus. Unter Trainer Christian Preußer (37) gab es vielversprechende Ansätze, aber auch bittere Rückschläge.

Im Interview mit EXPRESS.de blickt Vorstand Klaus Allofs (64) auf die bisherige Spielzeit und die Arbeit des neuen Trainers. Der frühere Bremer Erfolgs-Manager verrät außerdem, warum er weiterhin an den Düsseldorfer Weg glaubt und was zum Sprung nach oben noch fehlt – auf dem Rasen und den Rängen.

Klaus Allofs über Umbruch bei Fortuna Düsseldorf

Herr Allofs, wie haben Sie die Niederlage vor der Länderspielpause (2:3 gegen Paderborn) verdaut?

Klaus Allofs: Wir haben den Zuschauern ein interessantes Spiel geboten, allerdings zu viele Gegentore bekommen, das Resultat stimmte nicht. Auf die Dauer ist das unbefriedigend. Wir befinden uns in einer Entwicklung und müssen in einigen Bereichen besser werden: Wir müssen cleverer werden, uns geschickter in Zweikämpfen verhalten und dürfen Tore generell nicht so einfach hergeben.

Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison lag Fortuna ebenfalls nach neun Spielen auf Platz zwölf mit elf Punkten. Wo bleibt der Fortschritt?  

Wenn wir den Verlauf der Spiele in dieser Saison durchgehen, hätten wir eigentlich ein paar Punkte mehr holen müssen. Von daher würde ich den momentanen Tabellenstand nicht als Standortbestimmung sehen und sagen, da gehören wir auch hin. Aber auch diese Liga verzeiht keine Fehler. Wir müssen uns weiterentwickeln, um berechtigterweise vom Kampf um die oberen Plätze zu reden. Was die Kaderqualität betrifft, sind wir ordentlich aufgestellt.

Woran liegt es dann?

Die Mannschaft muss sich festigen, mit dem Trainer zusammenwachsen. Nach dem Umbruch im vergangenen Jahr war das auch so. Wir hatten damals keine gefestigte Gruppe, mussten immer wieder auf Ausfälle reagieren. Und das wiederholt sich jetzt.

Aber im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich der Zustand ja verbessert. Es gab keinen großen Umbruch, man konnte auf einem Gerüst aufbauen …  

Zahlenmäßig hat es nicht so viele Veränderungen gegeben, aber inhaltlich schon. In Kevin Danso hat uns ein Spieler verlassen, der eine feste Größe war. Dann ist Dawid Kownacki wieder verletzt, Andre Hoffmann war lange nicht dabei, ist jetzt schon wieder raus und Marcel Sobottka fiel länger aus. Im Mittelfeld kam Ao Tanaka spät zu uns, Robert Bozenik kam noch später. Da war viel Bewegung drin. Idealerweise kann man das mit anderen Spielern aus dem Kader kompensieren. Aber die brauchen eben noch Erfahrung. Ein festes Gerüst konnten wir so noch nicht aufbauen.

Wenn Sie das so sagen, ist das Saisonziel „oben mitspielen“ dann nicht zu hoch gegriffen?

Wir haben es ja schon moderater formuliert. In der vergangenen Saison hatten wir das Ziel Aufstieg ausgegeben. Dafür habe ich auch gekämpft. Wir müssen ambitioniert sein und bleiben. Doch da gibt es Einschränkungen. Nehmen wir mal einen Spieler als Beispiel: Christoph Klarer ist der kommende Innenverteidiger. Aber natürlich wird er Spiele haben, in denen er gegen Topstürmer der Liga wie Terodde oder Michel auch mal Lehrgeld bezahlt. Das muss aber nicht dazu führen, dass wir sagen: Jetzt sind wir eine Mittelfeld-Mannschaft und haben keine Ambitionen. Das sehen die Spieler auch so, sie wollen auch nach oben. Wir brauchen positiven Druck, müssen aber nicht alles verteufeln, wenn es mal nicht nach Wunsch läuft – weil es eben Erklärungen dafür gibt. Wir funktionieren noch nicht so, wie wir das möchten, das Potenzial sehen wir aber schon.

Kommen wir zum Chef der Truppe: Trainer Christian Preußer. Als er im Sommer kam, war viel Euphorie da. Die ist nun etwas gewichen aufgrund der Ergebnisse. Wie bewerten Sie seine Arbeit?  

Euphorie ist toll, die wollen wir auch nicht bremsen. Aber sie führt zu sehr hohen Erwartungen. Das kennen wir ja. Die Geduld ist einfach nicht da, und dann flacht die Euphorie ab. Das ist überall so, aber in Düsseldorf etwas ausgeprägter. Da heißt es schnell: alles toll oder alles Mist. Es ist unsere Aufgabe, da den Mittelweg zu finden, ohne lockerzulassen. In dem Geschäft hat man eigentlich keine Zeit, aber wir wollen und können nicht von unserem Weg abgehen.

Welche Wege gibt es denn?

Der andere Weg wäre, fertige Spieler für viel Geld zu holen. Einen wie Kevin Danso zum Beispiel. Da müssen wir mal klar sagen: Das können wir nicht! Keine Chance! So offen müssen wir sein. Unser Weg lautet: mit bescheidenen Mitteln viel erreichen! Andere Klubs haben andere finanzielle Möglichkeiten – und trotzdem wollen wir den Kampf gegen sie aufnehmen.

Sie haben gerade gegen Lukas Kwasniok verloren, in Köln sorgt Steffen Baumgart für volle Euphorie. Zwei Trainer, die auf dem Markt waren im Sommer. Zweifeln Sie manchmal an Ihrer Entscheidung?

Wir haben den richtigen Trainer, davon bin ich fest überzeugt! Wir haben im Sommer viele Gespräche mit mehr als zehn Trainern geführt. Wir haben uns dann für Christian entschieden. Er passt gut zu Fortuna, weil wir unseren Weg mit den jungen Spielern haben. Dafür steht er. Er ist selbst ein junger Trainer.

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Wo muss er noch dazulernen?  

Wir hatten jetzt nicht die Erwartung, dass er direkt alles richtig machen wird und so handeln wird, wie jemand, der schon 20 Jahre im Geschäft ist. Wir haben absolutes Vertrauen in ihn und gehen gemeinsam diesen Weg. Das Wichtigste für mich ist: Er ist total offen und holt sich von vielen Seiten eine Rückmeldung. Er wird von Tag zu Tag besser.

Sie haben das besondere Umfeld in Düsseldorf angesprochen. Was stört Sie?  

Wir müssen uns hier realistisch einordnen: Schauen wir mal nach Köln, auch wenn das erste Liga ist. Da ist zuletzt kein Platz im Stadion frei geblieben. Bei uns sind die Ultras noch nicht wieder da. Ihre Unterstützung ist aber gerade für unsere junge Mannschaft von Bedeutung. In dieser Liga ist alles eng beisammen, da kann das Publikum ein wichtiger Beitrag zum Erfolg sein. Das ist an anderen Standorten schon wieder intensiver. Düsseldorf ist nicht Köln, wollen wir auch nicht sein, aber auch wenn unsere Ergebnisse zu Hause nicht überragend waren, würde es uns sehr helfen, wenn wir noch mehr Unterstützung von den Fans hätten.

Was erwarten Sie von der Mannschaft bis Weihnachten?

In dieser ausgeglichenen Liga ist es ja so: Mit ein paar Erfolgen bist du oben mit dabei, wenn es nicht so läuft, geht es schnell in den unteren Bereich. Ich erhoffe mir jetzt positive Resultate, und dass wir nach und nach die Unzulänglichkeiten abstellen. Ich habe die Erwartung, dass wir das hinkriegen.

Sie sagen, der Kader hat die Qualität, um oben mitzuspielen. Es gibt dennoch teils harsche Fan-Kritik am Personal. Nachvollziehbar oder Quatsch?

Eine Bewertung jetzt macht wenig Sinn. Das kann man fundierter nach Ende der Hinserie und dann am Ende der Saison machen. Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten gehandelt und für Leihgebühren und Ablösen nur einen Betrag von deutlich unter einer halben Million Euro ausgegeben. Das ist schon beachtlich wenig. Einige Spieler, mit denen wir gesprochen haben, haben sich dann anders entschieden. Das zeigt, dass wir uns in einem engen Rahmen bewegen. Das ist einfach so. Dennoch sind wir von unseren Zugängen voll überzeugt. Ao Tanaka zum Beispiel ist ein sehr interessanter Spieler. Auch bedingt durch seine Olympia-Teilnahme haben wir den richtigen Tanaka aber noch gar nicht gesehen, er konnte sein Potenzial bisher nur andeuten.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil des EXPRESS.de-Interviews: Was Klaus Allofs zu Thomas Röttgermann und dem Verhältnis zur Stadt Düsseldorf sagt.

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