„Bin krachend abgestürzt“Bundesliga-Keeper Karius packt über schwere Vergangenheit aus

Loris Karius hält beim Spiel den Ball in der Hand.

Copyright: Hendrik Schmidt/dpa

Loris Karius beim Spiel von Schalke 04 gegen den 1. FC Magdeburg. 

Mit Schalke freut sich Loris Karius auf die Bundesliga. Vor der Saison spricht der Torwart ungewöhnlich offen über mentale Probleme. Auch über ein frühes Karriereende dachte er nach.

Loris Karius hat bemerkenswert offen über dunkle Gedanken und schwere Jahre gesprochen.

„Ich habe mich zum Teil gequält, zur Arbeit zu gehen und habe nur versucht, den Tag einigermaßen normal zu Ende zu bringen“, sagte der Torwart des FC Schalke 04 den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ zu einer Phase zwischen 2018 und 2020, als er für Besiktas Istanbul spielte.

Karius: „Mir ging es einfach dreckig und ich hatte gefühlt niemanden“

„Auch heute weiß ich nicht, was ich hätte anders machen sollen. Ich fühlte mich einfach leer, habe sogar über ein Karriereende nachgedacht, aber ich war ja erst 25 Jahre alt und konnte nicht einfach zu Hause bleiben“, ergänzte Karius: „In dieser Phase hatte ich das Gefühl, niemand würde mich verstehen.“

Der heute 33-Jährige hatte zuvor eine erfolgreiche Karriere erlebt und war im Sommer 2016 zum FC Liverpool gewechselt. Im Champions-League-Finale 2018, das die Engländer mit 1:3 gegen Real Madrid verloren, unterliefen ihm jedoch folgenschwere Fehler.

„Bis zu diesem Zeitpunkt ging es in meiner Karriere nur steil bergauf, dann bin ich plötzlich krachend abgestürzt – bis ganz nach unten“, sagte Karius. „Es war extrem hart, auch weil ich mit damals Mitte 20 als Persönlichkeit noch nicht so gefestigt war wie heute. Und ganz ehrlich: In dieser Phase habe ich den Spaß am Fußball verloren. Ich hatte keine Lust mehr zu trainieren, hatte keine Lust mehr zu spielen.“

Wenn er über seine Probleme gesprochen habe, sei ihm gesagt worden, er spiele doch für einen tollen Verein, habe eine super Wohnung und verdiene gutes Geld, berichtete Karius. „Aber das war mir alles komplett egal. Mir ging es einfach dreckig und ich hatte gefühlt niemanden, der mir aus diesem Loch hinaushelfen konnte. Es waren schwierige Jahre.“

Er habe sich damals einem Mentaltrainer anvertraut, auch das habe aber nicht geholfen. „Ich konnte den Schalter trotzdem nicht umlegen. Mit den Jahren habe ich es irgendwie geschafft, mich allein aus diesem Tief rauszukämpfen“, sagte Karius.

Nach weiteren Stationen beim 1. FC Union Berlin und in Newcastle war der gebürtige Baden-Württemberger zunächst vereinslos, bis er im Januar 2025 auf Schalke eine neue sportliche Heimat fand.

Die Momente in der Kabine und der sportliche Wettbewerb fehlten ihm, dazu der Adrenalinkick. „Wer kann schon von sich behaupten, jede zweite Woche vor 60.000 Fans zu spielen? Das schaffen ansonsten nur absolute Superstars aus der Musikbranche – das muss man sich immer wieder vor Augen führen“, sagte Karius. Beim Revierclub wurde er Stammspieler und hatte mit starken Leistungen großen Anteil am Bundesliga-Aufstieg. (dpa)

Jesper Lindström klatscht den Fans zu.
Floppte nach 30-Millionen-Deal
Schalke baggert an gefallenem Bundesliga-Star