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Ex-Fußballprofi Breitzke Gefangen im Hartz-IV-Alltag

Günter Breitzke (r.), hier mit Teamkollege Andreas Möller, erlebte beim BVB die beste Zeit.

Günter Breitzke (r.), hier mit Teamkollege Andreas Möller, erlebte beim BVB die beste Zeit.

Köln – „Früher war alles besser“, sagen Menschen, die vor dem Jetzt kapitulieren. „Früher war alles besser“, denkt sich Günter Breitzke fast jeden Morgen. Einst war er ein geachteter Mittelfeldspieler bei Borussia Dortmund. Er war zweikampfstark, wendig und ideenreich: einer, den die Gegenspieler fürchten. Mittlerweile fürchtet er sich vor dem Leben, weil ihm die Ideen nach der Karriere fehlten. Die Kreativität, die ihn auf dem Platz auszeichnete, brachte er im echten Leben nie auf.

Breitzke ist gewiss kein schlechter Mensch, er ist einfach phlegmatisch. Es scheint, als warte der 43-Jährige bis heute auf den einen erlösenden Anruf, der ihn aus seinem grauen Alltag befreit. Dabei klingelt sein Telefon für gewöhnlich recht selten.

„Ich habe nur Kontakt zu meinen Mitspielern“, sagt Breitzke. Sie laden ihn zu jedem Auftritt der BVB-Traditionsmannschaft ein und übernehmen die Fahrtkosten. Und Breitzke kommt. Immer. Drei Hallenturniere und rund 20 Freundschaftsspiele kommen so übers Jahr zusammen.

Das sind gute Tage für Breitzke. Schon auf den Bahnfahrten nach Dortmund ist ihm dann, als wäre er wieder wer. Denn den Fußball beherrscht er, da macht ihm niemand was vor. Wenn er an die Fans denkt, die seine Aktionen beklatschen, und die vielen Schulterklopfer, dann läuft ihm ein wohliger Schauer über den Rücken.

„Wenn es schön voll ist, ist das ein gutes Gefühl.“ Dann kommen Autogrammjäger. Was die mit seiner Unterschrift wollen, weiß Breitzke nicht genau, aber er spürt, dass es mit Respekt zu tun hat. In den Momenten hellt sich sein Gesicht auf.

Wenn er dann wieder daheim in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Köln-Stammheim ist, gibt es nichts zu lächeln. Breitzke ist arbeitslos, und das seit dem Ende der aktiven Karriere 1999. Lange Zeit lebte er bei seinen Eltern im alten Kinderzimmer, insofern hat er sich mit der aktuellen Bleibe schon verbessert. Doch an seinem grauen Alltag ändert das nichts. Breitzke sitzt den ganzen Tag vor dem Fernseher. „Was soll ich auch sonst machen?“, fragt er leise.

Noch als Amateurspieler beim SC Brück brach er eine Lehre als Maler und Lackierer ab, um sich ganz auf den Fußball konzentrieren zu können. Als es mit der Bundesliga-Karriere klappte, fuhr er teure Autos, trug teure Klamotten und hatte jede Menge Kohle. Doch das Geld verzockte er auf der Pferderennbahn.

Er weiß, dass er sich sein momentanes Leben selbst zuzuschreiben hat, und doch hadert er mit dem Schicksal. „Ich bin einmal gewechselt, und das war mein Untergang“, sagt der Kölner. Er meint den Transfer vom BVB zu Fortuna Düsseldorf 1992: „Da sind wir abgestiegen, und dann war Ende. Wenn ich in Dortmund geblieben wäre, wäre es weitergegangen. Dann hätte ich es geschafft.“

Geschafft, irgendeinen Posten bei den Schwarz-Gelben zu ergattern. Am liebsten wäre er Coach geworden, doch einen Trainerschein hat er nie gemacht. Den Traum von der Arbeitsstelle bei der Borussia hat er aber auch nach all den Jahren noch nicht aufgegeben.

„Wir arbeiten daran, dass es mit einem Job klappt.“ Breitzke wartet weiter auf den erlösenden Anruf, der ihn aus dem Klischee-Leben eines Hartz-IV-Empfängers befreit.