Beckenbauer, Müller & Co. Unsere Weltmeister von 1974 – das machen sie heute

Beckenbauer, WM-Pokal 2

"Kaiser Franz" (m.) stemmt den WM-Pokal in die Höhe.

München – 7. Juli 1974: Die deutsche Elf steht bei der Heim-WM in München im Finale. Sie trifft auf den großen Favoriten und Nachbarn, die Niederlande, rund um Kapitän und Genie Johan Cruyff.

Deutschland ist Weltmeister

Am Ende aber kann die deutsche Mannschaft jubeln!

Zwar gerät das Team bereits nach einer Minute nach einem umstrittenen Foulelfmeter in Rückstand, beweist aber Nervenstärke und dreht das Spiel.  

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Die Torschützen: Paul Breitner durch Foulelfmeter und der „Bomber der Nation“, Gerd Müller. 

Unsere Weltmeister heute

Mehr als 43 Jahre ist der Triumph nun her. Was machen die Helden von damals eigentlich heute ?

Wolfgang Kleff 

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Torhüter Wolfgang Kleff im Dress von Borussia Mönchengladbach. 

Bei der Weltmeisterschaft 1974 kam Wolfgang Kleff zu keinem Einsatz. Insgesamt stand er nur sechs Spiele zwischen den deutschen Pfosten, wurde aber trotzdem Welt- und Europameister.

Bekannt war er vor allem für seine verrückte Art und den Spitznamen „Otto Waalkes“. Unvergessen bleibt sein Abschied bei Fortuna Düsseldorf.

Unvorstellbar: Nach seiner Auswechslung zeigte er der vollbesetzten Tribüne seinen blanken Hintern.

Nach seiner Karriere ging es für ihn steil bergab. 2009 erlitt der nun 70-Jährige einen Schlaganfall, mittlerweile trägt er einen Herzschrittmacher. Auch finanziell sieht es nicht rosig aus. Leider hatte er nach Karriereende weder eine Krankenversicherung, noch Arbeitslosengeld beantragt.

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So sieht Wolfgang Kleff heute aus. 

Norbert Nigbur

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Torhüter Nigbur im Dress der Nationalmannschaft.

Auch der Schalker Jahrhundert-Torwart musste sich mit der Auswechselbank begnügen. Insgesamt hütete er sechs Mal das deutsche Tor.

Heute widmet sich Nigbur seinen Hobbys Golf und Trabrennen und lebt zurückgezogen in Gelsenkirchen.

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Weltmeister Norbert Nigbur heute.

Sepp Maier

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Weltmeister-Torhüter Sepp Maier nach dem Sieg gegen die Niederlande.

Sepp Maier war die unangefochtene Nummer Eins im deutschen Kader – nicht nur bei der Weltmeisterschaft 1974, sondern auch beim Europameistertitel 1972. Hier mehr zur EM 1972 lesen. Insgesamt kam er auf 95 Einsätze in der Deutschen Elf.

Und auch auf Vereinsebene erlebte Maier eine Bilderbuchkarriere. Mit dem FC Bayern gewann er insgesamt 13 Titel. Ein Autounfall beendete seine Karriere im Alter von 35 schlagartig.

Bis 2008 betreute er die Torhüter des FC Bayern, bis 2006 auch die der Nationalmannschaft. Heute lebt der Bayer eher zurückgezogen nahe München und besitzt eine Eigentumswohnung in Tirol. Öffentlich tritt er nur noch selten in Erscheinung. 

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Sepp Maier bei einer Buchvorstellung. 

Franz Beckenbauer

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„Kaiser Franz“, der unumstrittene Anführer.  

Der „Kaiser“ führte die deutsche Elf zum WM-Titel 1974. Spätestens nach der Niederlage gegen die DDR übernahm der Welt- und Europameister das Zepter von Bundestrainer Helmut Schön. Ab da an hatte er das Sagen, diktierte Taktik und Vorgehensweise. Das Blatt wendete sich für die deutsche Elf unter der Regie Beckenbauers und sogar das Finale gegen die übermächtige Niederlande konnte gewonnen werden.

Heute steht Beckenbauer vor allem für seine Verwicklung um die WM-Vergabe 2006 in der Kritik. Der Chef des Organisationskomitees soll nicht nur – anders als behauptet – 5,5 Millionen Euro für seine Arbeit erhalten haben, er soll auch über Umwege FIFA-Stimmen gekauft haben.

Seitdem meidet der frühere Sky-Experte weitestgehend die Öffentlichkeit. Möglicherweise drohen ihm strafrechtliche Konsequenzen. 

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Franz Beckenbauer in der Allianz-Arena.

Rainer Bonhof

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Rainer Bonhof im Finale 74 gegen die Niederlande. 

Der jüngste Weltmeister von 1974 fiel vor allem durch sein Tor in der Zwischenrunde gegen Schweden und seiner  Vorlage zum Siegtreffer im Finale auf.

Nachdem er lange als Trainer, sowie als Scout des FC Chelsea tätig war, ist er seit 2009 als Vizepräsident von Borussia Mönchengladbach tätig.

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Rainer Bonhof, Vizepräsident von Borussia Mönchengladbach, im Borussia-Park.

Bernd Cullmann

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Die Flanke wird vor Bernd Cullmann (r.) abgefangen. 

Die Kölner Legende Cullmann durfte im Finale nicht auf dem Platz stehen. Jedoch machte er bei dem Turnier drei Spiele, schoss sogar ein Tor.

Dem Fußball ist er bis heute treu geblieben. Nachdem er als Manager in Köln und Duisburg beschäftigt war, ist er bis heute als Spielerberater für die Firma Insoccer tätig. 

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FC-Idol Bernd Cullmann

Horst Dieter Höttges

Höttges 1973

Die Werder-Legende Horst-Dieter Höttges, hier in Aktion für die Nationalmannschaft.

Der Welt- und Europameister, auch „Eisenfuß“ genannt bestritt nur ein Spiel bei der Weltmeisterschaft 1974. Bitter: Ausgerechnet bei der 0:1 Niederlage gegen die DDR stand der Werderaner auf dem Platz.

Höttges blieb Bremen zunächst in verschiedenen Funktionen im Jugendfußball erhalten. Seine Verdienste rund um Werder Bremen würdigte der Verein mit der Ehrenmitgliedschaft. 

Helmut Kremers

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Helmut Kremers spielte neun Jahre für Schalke 04. 

Kremers kam während der Weltmeisterschaft 1974 zu keinem Einsatz.

Heute führt er eine Firma im Bereich Projektentwicklung, gemeinsam mit seinem Sohn. 

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Helmut Kremers heute.

Georg Schwarzenbeck

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Georg Schwarzenbeck als aktiver Spieler.

Der „Putzer des Kaisers“ gewann sowohl die Europameisterschaft 1972, als auch die Weltmeisterschaft mit dem deutschen Team. Auch auf Vereinsebene gewann er alle nationalen und internationalen Titel.

Seinen Spitznamen verdankte er seinem schnörkellosen Stil – der genaue Gegensatz zu „Kaiser Franz“.

Nach seiner aktiven Karriere betrieb er einen Schreibwarenladen und belieferte vor allem den FC Bayern München. Diesen musste er jedoch aufgeben.  Seitdem genießt er seinen Ruhestand, fernab vom Rampenlicht.

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Georg Schwarzenbeck im Dress seines ehemaligen Arbeitgebers.

Berti Vogts

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Bertie Vogts nach dem Triumph im Finale gegen die Niederlande.

Der „Terrier“ war maßgeblich für den Endspielsieg verantwortlich. Er legte den überragenden niederländischen Spielmacher Cruyff an die Kette.

Nach seiner aktiven Zeit stieg er ins Trainergeschäft ein. Mit Erfolg – Deutschland führte er zum EM-Titel 1996. Unter anderem trainierte er später Schottland und Aserbaidschan. Zuletzt war er beratend bei Jürgen Klinsmann und der amerikanischen Nationalmannschaft tätig. Mit der Entlassung Klinsmanns im November 2016 endete auch seine Tätigkeit, seitdem ist er ohne Anstellung.

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Bertie Vogts im Dress der amerikanischen Nationalmannschaft. 

Paul Breitner

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Paul Breitner (l.) jubelt mit seinem DFB-Kollegen.

Er glich im Endspiel gegen die Niederlande per Foulelfmeter aus und führte Deutschland damit auf die Siegerstraße. Und das obwohl er nicht als Elfmeterschütze vorgesehen war!

Zuletzt war Breitner in verschiedenen Rollen beim FC Bayern aktiv. Erst als Berater, dann als Chefscout und Markenbotschafter. Mittlerweile hat er diese Tätigkeit aufgegeben um sich einem Studium zu widmen.

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Paul Breitner am Mikrofon.

Heinz Flohe

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Die FC-Legende Heinz Flohe im Dress seines Vereins.

Der Kölner Heinz Flohe stand nur bei der Niederlage gegen die DDR in der Startelf. Gegen Jugoslawien und Schweden wurde er zumindest eingewechselt.

Später litt Flohe an Herzproblemen. Nach einem Schwächeanfall 2010 lag er drei Jahre lang im Wachkoma. Im Juni 2013 verstarb der ehemalige Spieler des 1.FC Köln im Alter von 65 Jahren.

Uli Hoeneß

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Uli Hoeneß siegt im Zweikampf für die deutsche Mannschaft. 

Unvorstellbar! Das Endspiel bestritt Uli Hoeneß mit Fieber. Am Vorabend musste er sich noch heimlich Medikamente geben lassen,  um seinen Startelfeinsatz nicht zu gefährden. Nach 60 Sekunden foulte er Cruyff, die Folge: Elfmeter. Auch den fälligen Strafstoß zum 1:1 überließ er Paul Breitner, obwohl er als Schütze vorgesehen war.

Nach seiner aktiven Karriere, die er im Alter von 27 aufgrund einer schweren Verletzung beenden musste, war er zunächst Manager und anschließend Präsident des FC Bayern München.

2014 wurde Hoeneß wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und sechs Monaten schuldig gesprochen, nachdem er sich selber angezeigt hatte.

Mittlerweile wurde er aus der Haft entlassen und bekleidet wieder das Amt des Präsidenten des FC Bayern München.

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Der Präsident des FC Bayern- Uli Hoeneß.

Bernd Hölzenbein

Die Frankfurt-Legende holte im Finale den zweifelhaften Strafstoß zum 1:1 heraus. Es wird wohl immer der Verdacht bleiben, dass es sich dabei um eine Schwalbe handelte.  Öffentlich zugegeben hat Hölzenbein dies jedoch bisher nicht.

Bis zuletzt ist Hölzenbein dem Fußball treu geblieben. Seine Tätigkeit als Scout und Berater des Vorstands bei Eintracht Frankfurt endete am 30. Juni 2017.

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Bernd Hölzenbein im feinen Zwirn.

Günter Netzer

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Günter Netzer (l.) und Bobby Charlton (r.)

Der Spielmacher stand lediglich 22 Minuten auf dem Platz. Später sagte er sogar ihn einen Weltmeister zu nennen sei beleidigend, da er so wenig gespielt habe. 

Öffentlich trat Netzer zuletzt vor allem als ARD-Experte an der Seite von Gerhard Delling in Erscheinung. Das Duo erhielt 2010 den Grimme-Preis, 2008 den Medien-Preis für Sprachkultur. 2010 beendete Netzer allerdings seine Expertentätigkeit. Seitdem machte er vor allem als Werbeträger für die Firma Otelo auf sich aufmerksam.

Im Mai 2016 musste sich Netzer einer Not-OP am Herzen unterziehen. Der Grund: Ein Herzanfall. Diese hat er jedoch glücklicherweise überstanden. Seitdem tritt er öffentlich jedoch nur selten in Erscheinung.

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Nach der Op am Herzen, ist Günter Netzer wieder auf dem Weg der Besserung.

Wolfgang Overath

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Wolfgang Overath 1974 im Trikot der Nationalmannschaft. 

Als Spielmacher war der Kölner Overath unverzichtbar für die Mannschaft. Er verdrängte sogar Günter Netzer auf die Bank. Nach dem Finale beendete er seine Nationalmannschaftskarriere. Der Grund: Der große Druck den er sich selber vor dem Turnier machte war zu groß. Das wolle er sich nicht mehr antun. 

Von 2004 bis 2011 war Overath Präsident des 1.FC Köln. Seinen Posten räumte er im Streit mit dem neuen Präsidenten Werner Spinner. Dieser ist mittlerweile ausgeräumt, Overath besuchte seinen FC sogar wieder im Stadion.

Nachdem Overath schon neben seiner Spielertätigkeit in das Immobiliengeschäft einstieg, leitet er heute seine eigene Firma in der Branche.

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Wolfgang Overath noch im Amt als Präsident des 1.FC Köln. 

Jürgen Grabowski

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Jürgen Grabowski im Spiel gegen Schweden.

Grabowsky konnte am 7. Juli 1974 sowohl den Weltmeistertitel, als auch seinen 30. Geburtstag feiern. Der Rechtsaußen war maßgeblich an der Vorbereitung des Siegtores durch Gerd Müller beteiligt.

Nach seiner Karriere strebte Grabowski keinen Werdegang als Manager, wie viele seiner Kollegen, an. Er widmete sich seiner neuen Leidenschaft, dem Golf. Außerdem leitete er eine Versicherungsagentur. Am 10. März 2022 verstarb er in einem Krankenhaus in Wiesbaden.

Dieter Herzog 

Herzog rutschte erst unmittelbar vor der Weltmeisterschaft in den A-Kader der Nationalmannschaft. Er lief gegen Jugoslawien und Schweden für die deutsche Mannschaft auf.

Nach seiner aktiven Karriere blieb er zunächst bei Bayer 04 Leverkusen um in den Abteilungen Marketing und Scouting zu arbeiten. Anschließend machte er sich selbstständig. Mittlerweile genießt er seinen Ruhestand und kümmert sich um seinen Hund und seine Familie.

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Dieter Herzog (r.) gemeinsam mit Günter Netzer.

Jupp Heynckes

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Jupp Heynckes im Dress der Nationalmannschaft 1974.

Heynckes startete als Stammspieler ins Turnier, wurde jedoch durch Bernd Hölzenbein verdrängt. Er stand also nur bei den Siegen gegen Chile und Australien in der Startelf.

Nicht nur als Spieler legte er eine eindrucksvolle Karriere hin. Auch als Trainer kann er auf große Erfolge zurückblicken. Der Höhepunkt: Das Triple mit dem FC Bayern München. Nach diesem wurde er von Starcoach Pep Guardiola abgelöst, 2017 wurde er aber als Nachfolger des entlassenen Carlo Ancelotti erneut Trainer der Bayern.

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Jupp Heynckes heute.

Hans Josef "Jupp" Kapellmann

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„Jupp“ Kapellmann (l.) im Zweikampf gegen Hermann Gerland.

Kapellmann kam auf keinen Einsatz. Auf seiner Position war an Bertie Vogts kein Vorbeikommen. 

Bewundernswert: Nach seiner fußballerischen Karriere promovierte er 1988 an der Universität München. Seit 2010 arbeitet er als leitender Orthopäde in Saudi-Arabien, besucht aber mehrmals im Jahr seine Heimatstadt Rosenheim in der seine Frau und seine Kinder leben.

Gerd Müller

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Gerd Müller (m.) im Spiel gegen die DDR bei der WM 1974.

In der 43. Spielminute schoss der „Bomber der Nation“ das Siegtor im Münchner Olympiastadion. Bereits 1972 hatte er die deutsche Elf zum EM-Titel geschossen. Für die deutsche Nationalmannschaft erzielte er insgesamt 68 Treffer – obwohl er schon mit 28 Jahren zurücktrat.

Tragisch: 2015 wurde bekannt, dass der ehemalige Torjäger an Alzheimer leidet. Er wird professionell betreut und lebt in einem Pflegeheim.

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Gerd Müller als es ihm noch besser ging.

Herbert Wimmer

In der Vorrunde durfte „Hacki“ Wimmer lediglich 22 Minuten spielen. Nach der Niederlage gegen die DDR rutschte er jedoch wieder in die Startelf, verletzte sich jedoch prompt. Das Finale sah er von der Tribüne.

Nach seiner Karriere stieg er in das Geschäft seines Vaters ein, der einen Lotto-Laden betrieb. Öffentlich tritt der Weltmeister so gut wie gar nicht in Erscheinung. Das Rampenlicht überließ er schon immer gerne anderen.

(jk)

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Herbert Wimmer - der „Wasserschlepper Netzers“

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