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Hilfreiche Statistik oder Blödsinn? Was hat es mit dem „xGoals-Wert“ auf sich?

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Der von Amazon Web Services errechnete „xGoals-Wert“ revolutioniert die Spielanalyse – das möchte sich nun die DFL zu Nutze machen.

Köln – Einige Bundesliga-Stürmer ließen es in der noch jungen Saison schon so richtig krachen. Allen voran: Der Hoffenheimer Andrej Kramaric (29), der in zwei Spielen bereits fünf Tore für die TSG erzielen konnte und damit derzeit das Maß aller Dinge in punkto Treffsicherheit ist.

Eigentlich hätte es aber statistisch gesehen für den 29-jährigen Kroaten nur für 3,88 Treffer reichen können. Wie kommt man zu dieser Annahme?

Seit dem 28. Spieltag der vergangenen Saison blendet Sky bei allen Bundesliga-Spielen den „xGoals-Wert“ ein, der veranschaulicht darstellen soll, wie viele Treffer statistisch gesehen hätten erzielt werden können.

Wie genau die in Echtzeit berechnete Statistik der Amazon-Tochter Amazon Web Services funktioniert, erklärt EXPRESS.

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xGoals-Wert: Wie funktioniert die AWS-Statistik?

Nach jedem Torabschluss sehen die Zuschauer den sogenannten „xG“-Wert (lang: Expected Goals, zu erwartende Tore), der mithilfe einer Dezimalzahl zum Ausdruck bringen soll, wie aussichtsreich der Versuch des Spielers war, einen Treffer zu erzielen.

Doch woher nimmt AWS seine Informationen zur Bewertung? Ganz einfach: Ein Algorithmus, der mit der Auswertung von 40.000 Abschlüssen gefüttert wurde, kann ganz genau berechnen, wie aussichtsreich eine Chance war – oder eben nicht war!

Für die Berechnung sind mehrere Faktoren essenziell:

  • Wie weit ist der Schütze vom Tor entfernt?
  • In welchem Winkel befindet sich der Ball zum Tor?
  • Kann der Spieler sich frei bewegen oder wird er durch Verteidiger unter Druck gesetzt?
  • Mit welcher Geschwindigkeit ist der Spieler unterwegs?
  • Handelt es sich um einen Schuss oder einen Kopfball?

So sieht der errechnete Wert aus

Unter Berücksichtigung der Faktoren, die eine tragende Rolle bei der Bewertung der Chance spielen, errechnet der Algorithmus einen Wert, der immer zwischen 0 und 1 liegt.

Ein Wert von „xG 0,90“ bedeutet also, dass es sich um eine glasklare Chance handelt, die in 90 von 100 Fällen in einem Torerfolg resultiert.

Nur beim Elfmeter bleiben die Voraussetzungen immer gleich – und damit auch die Wahrscheinlichkeit ein Tor zu erzielen: Der Abstand vom Ball bis hin zum Tor beträgt stets elf Meter. Außerdem befindet sich ausnahmslos nur genau ein Spieler vor dem Schützen – der Torwart.

Diese unveränderbaren Parameter resultieren in einem Wert von „xG 0,76“, es haben also 76 Prozent der Torhüter bei einem Elfmeter das Nachsehen.

Am Ende des Spiels werden alle „xG-Werte“, also die Wahrscheinlichkeiten, die der Algorithmus nach jedem Torabschluss errechnet hat, addiert und zum sogenannten „xGoals-Wert“ zusammengefasst, der schlussendlich darstellen soll, wie viele Treffer statistisch gesehen hätten erzielt werden können, beziehungsweise zu erwarten gewesen wären.

xGoals-Wert: Arminia Bielefeld gegen den 1. FC Köln

Im zweiten Bundesliga-Spiel unterlag der 1. FC Köln der Arminia aus Bielefeld mit 0:1. Unter genauerer Betrachtung der „xGoals-Werte“ beider Klubs wird relativ schnell klar, dass dieses Spiel kein Abschluss-orientierter Leckerbissen war.

Die größte Torchance der Kölner vergab Innenverteidiger Rafael Czichos (30), der aus nur wenigen Metern Entfernung vor dem Bielefelder Kasten scheiterte (xG 0,74 = 74 Prozent). Damit bringt es die Mannschaft von Markus Gisdol (51) auf einen errechneten Gesamtwert von 1,37 Toren, die zu schießen möglich gewesen wären.

Die Arminia war mit einem Gesamtwert von 0,16 im Grunde genommen gar nicht präsent vor dem gegnerischen Tor.

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Joan Simun Edmundsson (hier im Bild am 26. September) erzielte aus scheinbar unmöglicher Position das 1:0 für Bielefeld.

Allerdings entschied man das Spiel dennoch für sich, weil Joan Simun Edmundsson (29) aus scheinbar unmöglicher Ausgangslage (xG 0,04 =4 Prozent) den alles entscheidenden Siegtreffer erzielen konnte.

Statistische Bewertung hat mehrere Haken

Die grundsätzliche Idee, die Chancen-Ausbeute durch eine Dezimalzahl zu verdeutlichen, bringt allerdings auch einige Problematiken mit sich. Ein hoher „xGoals-Wert“ spiegelt zum Bespiel nicht immer eine hervorragende spielerische Leistung wider.

So kann zum Bespiel das Heimteam, das eher passiv agiert und kaum positiv auffällt, 20 Mal aus nicht so vielversprechenden Positionen (xG 0.1) abschließen und somit einen Wert von 2,0 erreichen, der statistisch gesehen für genau zwei Torerfolge sprechen würde.

Auf der anderen Seite stünde das Auswärtsteam, das spielbestimmend ist, allerdings nicht so übereifrig Abschlüsse sucht und nur dreimal aus aussichtsreicheren Positionen (xG 0,5) das Tor des Gegners befeuert. So käme der Gast trotz eindeutiger Spielkontrolle und den besseren Abschlüssen auf einen „xGoals-Wert“ von nur 1,5.

Für die Berechnung der Torwahrscheinlichkeit bleiben zudem individuelle Fähigkeiten der Spieler irrelevant. Marco Höger (31) würde den gleichen xG-Wert für einen Abschluss wie Cristiano Ronaldo (35) erhalten, vorausgesetzt die Entfernung, der Winkel, der Gegnerdruck und die Geschwindigkeit der Spieler vor dem Abschluss wäre identisch.

Allerdings bleibt völlig außen vor, dass einer der beiden Spieler auf einer eher offensiv-orientierteren Position beheimatet ist und zudem über größere individuelle Fähigkeiten verfügt – Ronaldo tut sich also im Normalfall weniger schwer daran die Kiste zu machen, als FC-Profi Marco Höger.

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