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Schiedsrichterin privat Steinhaus spricht über ihre Liebe und den bittersten Moment

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Im November 2015 zeigte Bibiana Steinhaus Düsseldorfs Kerem Demirbay die Ampelkarte. Es folgte ein heftiger Disput.

Hannover – Sie ist eine echte Pionierin. Bibiana Steinhaus (41) ist die erste und bis heute einzige Schiedsrichterin im deutschen Profi-Fußball der Männer. In der neuen Sky-Dokumentation „Her Story“ gibt sie Einblicke in ihr Leben und ihre Karriere, garniert auch mit einigen EXPRESS-Berichten. Steinhaus erzählt aber auch, wo in ihrem Job Grenzen überschritten wurden.

  • Bibiana Steinhaus erzählt über ihre Schiedsrichter-Karriere
  • In der Sky-Doku „Her Story“ zeigt sie sich auch privat mit Howard Webb
  • Ein Bundesliga-Spieler überschritt bei ihr eine Grenze

Inzwischen ist „nur noch“ der Kölner Keller ihr Arbeitsplatz. Steinhaus wird auf eigenen Wunsch lediglich als Videoschiedsrichterin eingesetzt. Von 2007 bis 2020 war sie mitten im Geschehen. Erst in der Zweiten Liga, am Ende auch in 23 Bundesliga-Spielen. Dabei polarisierte sie, alleine nur, weil sie groß, blond und weiblich ist - in einer männerdominierten Branche.

Bibiana Steinhaus: Als Fußballerin war sie selbst nicht gut genug

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In der Dokumentation zeigt Steinhaus, wo sie die Grundsteine ihrer Karriere legte: Schon ihr Vater war in ihrer Heimat Bad Lauterberg im Harz Schiedsrichter. Bibiana probierte sich im Volleyball, Basketball und Schwimmen. Auch Fußball spielte sie - als Libero. „Irgendwo hat sie erkannt, dass sie technisch doch nicht so gut ist“, gesteht ihr Vater. „Fußballerisch schätze ich mich eher als talentfrei ein“, stimmt Bibiana zu. „Ich konnte viel laufen, schnell laufen, aber mit dem Ball hat es gehapert“. Mit 16 ging es daher schon in der zweiten Kreisklasse als Schiedsrichterin los.

Ihre Schiri-Premiere in der Bundesliga war am 10. September 2017 das Spiel Hertha BSC gegen Werder Bremen. Mit Tränen in den Augen und stockender Stimme erzählt die 41-Jährige von diesem Moment. Mit Uli Hoeneß (69) hat sie immerhin einen echten Fußball-Macho überzeugt: „Sie hat sich nie, was der ein oder andere Schiedsrichter gerne macht, in den Vordergrund gespielt. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, das aus dem Ruder gelaufen ist. Das ist eine ganz wichtige Sache, wenn man die Leistung von Frau Steinhaus beurteilen will“, sagt Bayerns Ehrenpräsident.

Bibiana Steinhaus: „Ich wollte nie eine Extrawurst“

„Ich wollte nie eine Sonderrolle, ich wollte nie eine Extrawurst“, sagt Steinhaus. „Ich glaube, das war auch Teil dessen, dass es für mich einfacher war, nicht aufzufallen - mit meiner Körperlänge, den kurzen Haaren. Ich habe auch immer die gleiche Kleidung getragen wie meine männlichen Kollegen. Es hat ein paar Jahre gebraucht zu akzeptieren, dass ich in dieser Gruppe von 25 Männern immer auffalle. Ich laufe wie eine Frau. Das mag daran liegen, dass ich eine Frau bin.“

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Bibiana Steinhaus im November 2020 bei Dreharbeiten zu ihrer Doku in der HDI-Arena in Hannover.

Hertha-Profi Peter Niemeyer (37) fasste ihr einst statt an die Schulter versehentlich an die Brust, auch das regelte sie sehr souverän mit einem Lächeln. „Mit ihrer Art hat sie sofort allen Wind aus den Segeln genommen. Sie war Meisterin darin, die Dinge nicht besonders zu machen“, sagt Niemeyer. „Ich hab in dem Moment nur gedacht: Huch, wer kommt denn da in meinen Tanzbereich? Wir haben uns angeschaut und herzhaft gelacht“, sagt Steinhaus heute. Niemeyer ergänzt: „Ich hoffe, dass es eines Tages mal eine Bibiana 2.0 gibt“.

Steinhaus' Vater hätte bei Ribéry gerne die Rote Karte gesehen

In Erinnerung ist vielen Fußball-Fans noch die Szene, als Bayerns Franck Ribéry (37) ihr in Chemnitz zum Scherz im Spiel die Schnürsenkel öffnete. Ihr Vater Horst-Dieter sagt dazu: „Für mich war das eine Todsünde, Ribéry muss rot bekommen, das geht gar nicht anders. Aber sie hat‘s nicht gemacht - und alle Welt hat gesagt: genau, weise Entscheidung, typisch Frau natürlich.“

Doch bei Kerem Demirbay (27) war Schluss mit lustig, als er der Schiedsrichterin 2015 beim Spiel beim FSV Frankfurt einen frauenfeindlichen Spruch an den Kopf warf. Der Düsseldorfer war nach seiner Gelb-Roten Karte bereits auf dem Weg in die Katakomben, als er noch einmal umdrehte und zu Steinhaus zurückkehrte. „Er tat seine Meinung kund, dass Frauen auf dem Fußballfeld in seiner Wahrnehmung nichts verloren haben. Da war für mich eine Grenze überschritten. Das war einer der wenigen Momente in meinen 26 Jahren Schiedsrichter, wo ich auch wirklich Position bezogen habe und gesagt habe: Und das höre ich mir nicht an!“ Das Zitat kam in den Spielberichtsbogen – die Sperre für den heutigen Leverkusener wurde um drei Spiele verlängert.

Bibiana Steinhaus über ihre Liebe zu Howard Webb

Im Film sieht man Steinhaus auch mit ihrem Lebensgefährten Howard Webb (49) beim Kochen in der Hannoveraner Wohnung und beim Spazierengehen. „Als Howard in mein Leben getreten ist, hat er mich wirklich zu einem besseren Menschen gemacht. Er hat mein Leben bereichert“, erzählt sie.

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem UEFA-Schiedsrichter-Lehrgang in Rom. „Hallo Bibi, ich heiße Howard Webb“, sagte er bei einem Treffen in der Lobby. „Ich weiß, wer du bist“, antwortete sie verlegen. „Ich war so schwer beeindruckt, dass ich wahrscheinlich nicht so ganz viele Worte herausgebracht habe“.

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Bibiana Steinhaus beim Spaziergang mit ihrem Partner Howard Webb.

Sie blieben in Kontakt und als sich beide in Frankfurt befanden - Steinhaus, weil sie dort pfiff und Webb, weil er in ein Flugzeug nach Saudi-Arabien umsteigen musste - verabredete man sich zum ersten Abendessen. „Nach dem Essen spürte ich, dass ich ganz schön starke Gefühle für Bibi hatte. Ich mochte sie wirklich, es war mehr als nur mögen“.

Momentan lebt Webb noch häufig in New York. „Wir sind ganz offen, was unsere Zukunft angeht und wo sie stattfindet“, sagt Steinhaus. „Egal wo, sie wird auf jeden Fall gemeinsam stattfinden. Howard ist mein größter Kritiker, aber auch mein größter Unterstützer.“

Ihre aktive Karriere auf dem Platz ist dennoch vorbei. „Ich werde ganz viel vermissen, was auf dem Feld stattgefunden hat. Ich werde die Begegnungen mit den Spielern vermissen, meine Kollegen, den Geruch des Rasens. Ich bleibe aber Teil des Teams. Das Gefühl als VAR ist ein anderes, aber auch da gibt's ganz viel Adrenalin. Der Fußball ist offen, bunt und für alle da. Der Profi-Fußball ist bereit für gute Frauen. Ich hoffe, dass die nächste Generation Schiedsrichter die Grenzen noch weiter verschieben wird.“

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