Früherer Skandal-Präsident von Olympique Marseille Ex-Skandal-Präsident Bernhard Tapie (†78) ist tot

Bernard Tapie (l.), früherer Adidas-Eigner sowie Minister, Schauspieler und Fußballmanager, kommt in Begleitung einer Polizistin an einem Pariser Gericht an.

Ex-Marseille-Präsident Bernard Tapie bei seinem Prozess am 19. März 2019. Der Ex-Adidas-Besitzer starb im Alter von 78 Jahren. 

Der ehemalige Präsident von Olympique Marseille und frühere Adidas-Besitzer, Bernard Tapie, ist in Frankreich im Alter von 78 Jahren verstorben.

Marseille. Bernard Tapie war erfolgreich und skandalumwittert, führte Olympique Marseille an die Spitze des europäischen Fußballs und in den finanziellen Ruin. Nun ist der schillernde Ex-Boss am Sonntagmorgen (3. Oktober 2021) im Alter von 78 Jahren gestorben, wie seine Familie bestätigte.

Tapie, der seit vielen Jahren an Magen- und Speiseröhrenkrebs litt, war lange Jahre Präsident des Traditionsklubs im Süden Frankreichs. 1986 übernahm er Olympique Marseille. Mit den Franzosen holte er fünf Meistertitel, als Trainer gewann er 1990  den frischgebackenen Weltmeister Franz Beckenbauer (76), und mit Rudi Völler (61) holte OM 1993 in München die Champions League.

Bernard Tapie: Aufstieg im Radsport mit Bernard Hinault

Tapies Aufstieg im Sport begann allerdings im Motor- und Radsport. Sein Team La Vie Claire gewann mit den Rad-Superstart Bernard Hinault (66) und Greg LeMond (60) viermal die Tour de France.

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Rudi Völler (re.) und Präsident Bernard Tapie (beide Olympique Marseille) - Champions League Sieger 1993.

Rudi Völler (r.) und Marseille-Präsident Bernard Tapie  beim Champions-League-Sieg in München am 26. Mai 1993.

Der Geschäftsmann war ein schillernder und in Frankreich höchst umstrittener Manager, in Deutschland war er vor allem als ehemaliger Adidas-Besitzer bekannt. 1990 erwarb Tapie die Aktienmehrheit am Sportartikel-Riesen aus Herzogenaurach. 

Bernard Tapie: Vom Adidas-Besitzer in den Konkurs

1994 dann aber der Absturz: Tapie trat seine Anteile an Adidas an die Bank Credit Lyonnais ab, er selbst musste 1996 Konkurs anmelden. Auch mit Olympique Marseille ging es bergab. Tapie wurde Bestechung vorgeworfen, der Meistertitel 1994 wurde abererkannt und OM mit einem Zwangsabstieg in die Zweite Liga bestraft.

Seine Politiker-Karriere - Tapie wurde unter Francois Mitterand Minister und hatte mit einer linksorientierten Liste Wahlerfolge errungen und saß im Europaparlament - war damit auch zu Ende.

Bernard Tapie wurde zum Entertainer

Der so schillernde Macher war in der Sackgasse gelandet: Im Fußball war Tapie lebenslang gesperrt, ein politisches Amt durfte er wegen seiner Konkurse und Korruptionsvorwürfen nicht mehr annehmen, auch Unternehmensgründungen waren ihm ab 1996 verboten. Also wurde Tapie als Schriftsteller, Moderator, Schauspieler und Sänger tätig. 

Die Umstände des Adidas-Verkaufs aber beschäftigten die französische Justiz noch bis zuletzt in verschiedenen Verfahren. Tapie war Schadenersatz zugesprochen worden, allerdings gab es einen Betrugsverdacht. Erst im September 2019 wurde Tapie freigesprochen.

Adidas-Verkauf beschäftigt Justiz über Jahrzehnte

Seit 2012 war Bernard Tapie als Verleger aktiv, hatte eine Gruppe Zeitungen übernommen. Doch seit Jahren musste er seinem Krebsleiden immer mehr Tribut zollen. Jetzt ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten Frankreichs verstorben. (ach)

 

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