Am falschen Fuß operiert Arzt-Patzer kostete Jugendnationalspieler die große Karriere

Jan Engels trägt das Trikot der TuS Koblenz und schaut zu Seite.

Jan Engels im Trikot der TuS Koblenz am 8. Juli 2017.

Jan Engels hatte den Traum von einer ganz großen Fußballkarriere, doch bei einer Operation an seinem  Knöchel leistete sich der Chirurg einen folgenschweren Fehler.

Andernach. Einst spielte Jan Engels (23) für die U17-Nationalmannschft, ihm stand eine große Karriere bevor, doch der Traum von der Profi-Karriere scheiterte, weil ein Arzt einen groben Fehler beging. Jetzt spielt er in den USA.

Jan Engels wurde von Dortmund und Leverkusen umworben

Jan Engels war nicht mehr weit von der Bundesliga entfernt. Er spielte erst für die TuS Koblenz, dann für die B-Junioren des Karlsruher SC und sogar in der U17-Auwahl des DFB. Engels hatte Angebote von Topklubs wie Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund. Doch sein Traum platzte.

Beim Derby gegen die Jugend des VfB Stuttgart verletzte sich Engels am Knöchel, spielte aber weiter. Voll mit Adrenalin, voll im Derbyfieber. Doch es stellte sich heraus, dass sich Engels einen Syndesmoseriss im rechten Fuß zugezogen hatte. Eine bittere Diagnose, allerdings wurde es für den jungen Mann noch schlimmer.

Im Krankenhaus ließ sich Engels operieren. ,,Ich bin nach meiner OP mit Tränen in den Augen zu mir gekommen, hatte unfassbar starke Schmerzen und das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmen kann‘‘, erzählte der mittlerweile 23-Jährige in einem Interview mit ,,Goal‘‘. Seine Mutter, eine Krankenschwester mit Fachwissen, gab ihrem Sohn zu verstehen, dass Schmerzen nach einem solchen Eingriff nicht unnormal seien.

Der Arzt leistete sich einen groben Schnitzer

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Engels bat seine Mutter, sich das Bein mal anzuschauen. Und da flog der Patzer des Arztes auf: Der Chirurg hatte sich dem falschen Fuß gewidmet! Der eigentlich verletzte Fuß lag unberührt auf dem Krankenbett. ,,Mein linkes Bein war verbunden, Schrauben und Platten steckten in meinem linken Fuß. In diesem Moment habe ich alles an mir vorbeifliegen sehen‘‘, beschrieb Engels im Interview.

Jan Engels setzt zum Schuss an und hat dabei die Arme vom Körper abgespreizt.

Jan Engels setzt im Testspiel gegen Rot-Weiss Koblenz am 8. Juni 2017 zum Schuss an.

Zunächst habe der zuständige Arzt alles abgestritten, dann aber sei er an Jan Engels Bett getreten und habe geweint. „Irgendwann habe ich ihm gesagt: ‘Sie haben doch super operiert, es war halt leider das falsche Bein.‘ In dem Moment konnte ich nicht mal weinen, ich war einfach hilflos und habe ihn nur gebeten, die Schrauben aus meinem zuvor gesunden Fuß zu holen.“ Statt den Arzt zu verklagen, entschied sich Engels dazu, sich erneut im selben Krankenhaus operieren zu lassen. Und von wem? Von demselben Arzt, der zuvor diesen kapitalen Fehler begangen hatte.

Jan Engels: Jeder macht mal einen Fehler

,,Wir sind alle nur Menschen und machen Fehler. Ich war damals jung, würde heute aber genauso vorgehen“, sagte Engels über die schiefgelaufene Operation. Außerdem war es wohl nicht das alleinige Versagen des Arztes, im Vorhinein mussten noch andere Beteiligte verpasst haben, den richtigen Fuß für die Operation kenntlich zu machen.

Die Verletzung belastete den jungen Außenstürmer sehr. Nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch. Die Familie riet ihm, ein wenig Abstand vom Sport zu gewinnen. Freunde empfahlen ihm die USA, dort könne er Fußball und Studium besser unter einen Hut bringen. Engels ging in die USA, studierte dort Business Administration im Bachelor. 60 Prozent seiner Zeit kümmerte er sich um den Studiengang, 40 Prozent investierte er in den Fußball.

Die USA als Sprungbrett für Jan Engels?

Engels spielte in den USA unter anderem für die Texas-Rio Grande Valley Vaqueros in den USA. Die Mannschaft war Teil einer College-Liga. Ein Sprung von dort in die MLS ist nicht ungewöhnlich. Einst ging auch Fabian Herbers (28) diesen Weg. Herbers spielte für Chicago Fire unter anderem an der Seite von Bastian Schweinsteiger (37). Doch Engels zog es zurück nach Deutschland. Mittlerweile kickt er bei der SG 99 Andernach in der Rheinlandliga.

,,Und selbst wenn es nichts mehr mit einer Profikarriere wird, bin ich trotzdem glücklich‘‘, führte Engels im Gespräch aus und resümierte: ,,Dann hat mir der Fußball eben die Tür zu einem Master-Abschluss, fünf Jahren Auslandserfahrung, perfekten Englischkenntnissen und einem globalen Netzwerk eröffnet.‘‘ (jm)

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