Abstiegskampf 1999 Legendäre Radio-Konferenz: „Wir melden uns vom Abgrund“

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Der Übersteiger, der Bundesliga-Geschichte schrieb: Jan Åge Fjørtoft im Duell mit Andreas Reinke. Das Tor besiegelte den Abstieg der Nürnberger und den Klassenerhalt der Hessen.

Frankfurt/Main – Der 29. Mai 1999 geht als der bislang dramatischste letzte Spieltag in die Bundesligageschichte ein. Fünf Teams können noch absteigen. Im Mittelpunkt steht das Fernduell Frankfurt gegen Nürnberg.

Die Konstellation: Der 1. FC Nürnberg ist scheinbar gerettet. Die „Clubberer“ liegen mit 37 Zählern und einer Tordifferenz von 39:48 auf dem zwölften Tabellenplatz.

Dahinter folgen Stuttgart (36 Punkte / 40:48 Tore), Freiburg (36 / 34:34 Tore), Rostock (35/ 46:56 Tore) und Eintracht Frankfurt (34/ 39:53).

Frankfurt muss gegen Kaiserslautern ran, Bochum gegen Rostock und Nürnberg empfängt den SC Freiburg.

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Bochum und Gladbach sicher abgestiegen

Schon ver dem Spieltag stehen der VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach als erste Absteiger fest.

Die ARD-Bundesligakonferenz im Radio steuert auf einen Höhepunkt ihrer Geschichte zu.

In den Hauptrollen: Günther Koch in Nürnberg, Manni Breuckmann in Bochum und Dirk Schmidt in Frankfurt.

„Wer hat da geschrien?“

Dirk Schmidt 17.07 Uhr: „Tor in Frankfurt.“

Günter Koch 17.07 Uhr „Wer hat da geschrien?“

Schmidt: „Toooor in Frankfurt. 4:1 für die Eintracht. Bernd Schneider macht den Treffer. Günther, und was heißt das? Das heißt, dass Frankfurt jetzt eine Tordifferenz von minus elf hat – wie der 1. FC Nürnberg. Aber die Eintracht hat mehr Tore erzielt. Nach meiner Rechnung – und ich bin kein großer Mathematiker – ist der 1. FC Nürnberg damit wieder in größte Abstiegsgefahr geraten."

Koch: „Du hast alles gesagt. Im Moment, um 17.11 Uhr, ist der Club nach 1979, nach 1984, nach 1994 auch 1999 fast abgestiegen. Alles hängt jetzt von Bochum gegen Hansa Rostock ab. Frankfurt ist besser. Der Club taumelt, der Club hängt am Abgrund.“

Manfred Breuckmann 17.11 Uhr: „Und Toor, Tor für Rostock. Majak, der eingewechselte Majak macht ein Kopfballtor. Hansa Rostock führt um 17.12 Uhr mit 3:2 und alles kann gut werden.“

„Ich halt das nicht mehr aus“

Günter Koch, 17.12 Uhr: „Tor in Nürnberg. Tor, Tor, Tor in Nürnberg. Ich pack das nicht, ich halt das nicht mehr aus, ich will das nicht mehr sehen. Aber sie haben ein Tor gemacht. Ich weiß nicht wie, Kopfball von Nikl. Ich halt das nicht mehr aus. Nein, es tut mir leid, 1:2. Es ist nicht zu fassen.“

Dirk Schmidt, 17.16 Uhr: „Die Eintracht weiß: Ein Tor könnte wieder Nürnberg in den Abgrund stoßen. Sie kommen jetzt wieder. Dann ist es Fjörtoft, der ist im Strafraum. Und dann Tooor, Tor für die Eintracht, 5:1. Herrje, welche Leistung. Und damit ist der 1. FC Nürnberg wieder in der zweiten Liga.“

Am Ende hält die Eintracht die Klasse. Eine Minute vor Schluss liefert Jan-Aage Fjörtoft per Übersteiger das noch fehlende Tor zum 5:1 gegen Kaiserslautern - bis zur 70. Minute hatte es noch 1:1 gestanden.

Der „Club“ verliert 1:2 gegen Freiburg und steigt ab. Das Schlusswort hat Radioreporter Günther Koch: „Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund.“

(mja/sid)

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