Der 1. FC Köln steht vor einem komplizierten Transfersommer. Ohne Einnahmen wird es schwer, gestandene Spieler zu verpflichten. Finanzboss Philipp Türoff spricht über die Situation.
Transferminus & Kwasniok-MillionenFC-Boss erklärt, wie es jetzt weitergeht

Der 1. FC Köln will auch in der neuen Saison unbedingt die Klasse halten. Dafür möchte man den Kader erneut im größeren Stil umwälzen. Doch die Planungen sind nicht einfach, denn es gibt zahlreiche große Fragezeichen im WM-Sommer.
Eines davon ist die wirtschaftliche Situation. Philipp Türoff sagte schon vor ein paar Tagen gegenüber EXPRESS.de, dass aktuell keine Geldgeber gesucht werden, um auf dem Transfermarkt tätig zu werden: „Nein, der 1. FC Köln sucht keine externen Kreditgeber für aktuelle Transferaktivitäten. Neue Partnerschaften und Sponsoren sind im normalen Tagesgeschäft natürlich immer willkommen. Vorstand und Geschäftsführung sind sich in der strategischen Ausrichtung jedoch einig: Wir entwickeln den Verein klar im Rahmen unserer finanziellen Handlungsspielräume weiter.“
Lukas Kwasniok: Vertrag in Köln noch nicht aufgelöst
Türoff untermauert am Freitag (12. Juni 2026) nochmals: „Wir haben keine Not, dass wir Spieler verkaufen müssen.“ Doch wie will der FC ohne frühe Verkäufe von Kaminski oder El Mala den großen Kaderumbruch finanzieren? Gesucht werden Innenverteidiger, Linksverteidiger, Mittelfeldspieler und Stürmer. In der vergangenen Saison wurde die Transferperiode im Sommer mit einem Minus von zwölf Millionen Euro abgeschlossen.
Die Abgänge von Damion Downs (für acht Millionen Euro nach Southampton) und Max Finkgräfe (für vier Millionen nach Leipzig) spülten im Sommer 2025 Geld in die Kassen. Sportchef Thomas Kessler kaufte danach Rav van den Berg (acht Millionen), Isak Johannesson (5,5 Millionen), Ragnar Ache (4,5 Millionen), Sebastian Sebulonsen (2,5 Millionen), Alessio Castro-Montes (zwei Millionen) oder Marius Bülter (eine Million).
Vor der Rückkehr in die Bundesliga steckte Köln also gut 23,5 Millionen Euro in den Kader. Da wunderte sich zuletzt auch Ex-Köln-Profi Christian Clemens beim EXPRESS.de-Talk: „In den Vorjahren hatte der FC anscheinend kein Geld. Auf einmal wirft der Kessler mit den Scheinen um sich.“ Zusätzlich fädelte Sportchef Kessler zahlreiche Leihgeschäfte ein, bei denen einige jetzt in fixe Transfers mündeten. Für Tom Krauß (3,5 Millionen Euro), Jakub Kaminski (5,5 Millionen Euro) und Jahmai Simpson-Pusey (fünf Millionen Euro) wurden in den vergangenen Wochen rund 14 Millionen Euro fällig.
23,5 Millionen Euro für Transfers im vergangenen Sommer, zudem wurde Trainer Lukas Kwasniok für eine Million Euro verpflichtet und mit einem Dreijahresvertrag (jährliches Gehalt rund 1,2 Millionen Euro) ausgestattet. Nach Informationen von EXPRESS.de ist der Vertrag noch nicht aufgelöst, Kwasniok wird weiter bezahlt, bekommt aber nach der Freistellung vertraglich geregelt deutlich weniger Gehalt. Mit Nachfolger René Wagner (37) wurde eine günstige Folgelösung gefunden.
In diesem Sommer sind jetzt schon 14 Millionen Euro nur für Leihspieler weg. Acht Profis haben den Verein bereits verlassen, aber noch kein neuer Akteur wurde verpflichtet. EXPRESS.de hakte bei Finanzboss Türoff nach: Wieviel Geld ist jetzt noch in der Kasse, um den Kader zu verbessern?
Eine konkrete Summe, wie viel Kessler zur Verfügung steht, will Türoff nicht nennen: „Das wäre nicht klug, wenn ich das mache. Da liest ja jeder mit, mit dem wir morgen wieder in Verhandlungen stehen. Aber wir haben eine Planung, die es völlig unabhängig von möglichen Transfererlösen zulässt, den Kader zu entwickeln und unser Ziel zu erreichen. Das ist auch in der neuen Saison, die Klasse zu halten.“
Clevere Leihgeschäfte bleiben für Köln elementar wichtig
Der FC-Boss erklärt dann, dass auch in diesem Sommer Leihgeschäfte wieder ein wesentlicher Bestandteil der Transferpolitik sein werden: „Leihspieler waren in der Vergangenheit ein wichtiges Element für uns. Die werden das auch jetzt sein. Das ist von vornherein in allen Planungen angelegt. Das hat einmal die wirtschaftliche Dimension, aber auch die Dimension, die Mannschaftsentwicklung voranzutreiben. Man gibt sich Flexibilität.“
Der Geschäftsführer erklärt, wie gut Leihgeschäfte sind: „Wenn ein Spieler dann schon hier spielt und man ihn als Teil des Mannschaftsgefüges kennt, dann ist eine spätere Kaufoption mit einer anderen Sicherheit begleitet, als wenn man direkt kauft. Das müssen wir auch in diesem Jahr zum Einsatz bringen und das werden wir auch.“
Ein Verkauf von El Mala ist erst einmal auf Eis gelegt. Die Familie soll nach Informationen von EXPRESS.de irritiert sein, dass der FC Said unbedingt verkaufen will und derart aufs Gaspedal drückt. Kaderplaner Tim Steidten soll extra geholt worden sein, um El Mala in der Premier League unterzubringen. Einen Wechsel zum FC Brentford lehnte Mutter Sabrina dann ab. Aber auch ein Verkauf von Kaminski bahnt sich jetzt an. Das könnte rund 20 Millionen Euro Einnahmen bedeuten. Türoff sagt: „Wenn auf dem Transfermarkt etwas passiert, dann haben wir die entsprechenden Szenarien, wie wir damit arbeiten.“
Und weiter: „Ob und wann so ein Spitzentransfer wie Said El Mala zustande kommt, spielt für uns natürlich eine Rolle. Aber bis er eingetreten ist, haben wir einen klaren Plan. Und wir haben einen klaren Plan, was passiert, wenn er nicht eintritt.“
Türoff stellt klar, dass der Transfermarkt kein Wunschkonzert ist: „Wir können da nicht den Markt und die Regeln machen. Unsere Akteure, die da aktiv sind, brauchen von uns Rahmenbedingungen, in denen sie sich verhalten können. Das versuchen wir ihnen in völlig seriöser Art und Weise zur Verfügung zu stellen.“ Eins dürfte aber allen klar sein: Viel Geld für Transfers dürfte ohne Abgänge nicht in der Köln-Kasse sein.

