Beim großen Talk zum FC von EXPRESS.de und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Fleischhauer Audi-Zentrum Köln-Mitte ging es am Mittwoch unter anderem um den quasi feststehenden Klassenerhalt des 1. FC Köln.
Talk zum FCEx-Profi Clemens: „Auf einmal wirft Kessler mit Scheinen um sich“

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„E Levve lang – der Talk zum FC“ mit Christian Clemens, Michael Trippel und Martin Schlüter

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Der 1. FC Köln hat den Klassenerhalt fast schon komplett sicher, kann nur noch ganz theoretisch absteigen. Die Konkurrenz aus St. Pauli und Wolfsburg bräuchte ein großes Wunder, um den FC noch auf Rang 16 zu befördern.
Unter anderem darum ging es am Dienstag (5. Mai 2026) bei „E Levve lang – der Talk zum FC“ von EXPRESS.de und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Fleischhauer Audi-Zentrum Köln-Mitte.
Clemens wünscht sich Ache-Backup
Auf dem Podium vor rund 120 Gästen: FC-Stadionsprecher Michael Trippel (71) und Ex-FC-Profi Christian Clemens (34, 150 Pflichtspiele für den Klub). Eigentlich sollte auch Ex-El-Mala-Berater Daniel Ducoffre-Schildt mit dabei sein, aufgrund von Verhandlungen mit einem seiner Schützlinge saß er allerdings in Italien am Flughafen fest. Für Ducoffre-Schildt sprang kurzfristig Martin Schlüter (Kölner Gastronom und FC-Podcaster) ein. Durch die Veranstaltung führten Uwe Bödeker (EXPRESS.de), Christian Löer und Lars Werner (beide Kölner Stadt-Anzeiger).
An diesem Abend ging es natürlich auch um die Gesamtsituation des 1. FC Köln. Mit dem Remis am vergangenen Wochenende bei Union Berlin und den Patzern der Konkurrenz (St.-Pauli-Niederlage und Wolfsburg-Remis) kann der FC nur noch theoretisch absteigen, der Klassenerhalt steht zu 99,9 Prozent fest.
„So viel werde ich nicht erleben, dass das noch schiefgehen könnte“, sagte Trippel dazu zu Beginn kurz und knapp. Clemens glaubt ebenfalls, dass die Rettung schon fix ist: „Der Kopf bei den Spielern ist auf jeden Fall jetzt was freier als noch vor ein oder zwei Wochen. Wenn da noch was schiefgeht, das wäre wirklich Wahnsinn.“
Die Punkteausbeute des FC (32 Punkte nach 32 Spielen) ist aber natürlich alles andere als zufriedenstellend. Für Trippel ist es dennoch wichtig, dass der FC als Aufsteiger immerhin die Klasse gehalten hat: „Jetzt geht es darum, den FC in der Bundesliga zu stabilisieren. Wenn wir abgestiegen wären, hätten wir jetzt wieder bei Null anfangen müssen. Jetzt kann man auf etwas aufbauen.“
Nach dem anfänglichen Traumstart der Kölner mit 14 Punkten aus den ersten neun Spielen folgte im Anschluss die Ernüchterung mit zwischenzeitlich nur zwei Siegen aus den folgenden 19 Spielen. Auch bei Clemens: „Nach dem Saisonstart haben wir, glaube ich, alle von dem großen Wurf geträumt. Aber als Aufsteiger geht es nur um den Klassenerhalt. Das zweite Jahr ist immer schwieriger. Ich hoffe, dass der Stamm der Mannschaft gehalten werden kann.“
Dass der FC letztlich die Klasse gehalten hat, ist laut Clemens aber unter anderem auch der Verdienst von Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler: „In den Vorjahren hatte der FC anscheinend kein Geld. Auf einmal wirft der Kessler mit den Scheinen um sich. Aber er hat richtig gute Transfers gemacht, für mich vor allem mit Jakub Kaminski und Sebastian Sebulonsen.“
In die selbe Kerbe schlug auch Trippel: „Thomas Kessler hat da ein gutes Händchen. Es wird einfach mal Zeit, dass es jetzt anfängt, besser zu bleiben und dass der 1. FC Köln über Jahre in der Bundesliga spielt.“
Clemens warnte aber auch, dass der FC auf dem Transfermarkt nicht übermütig werden sollte: „Man sollte es aber nicht übertreiben und da mit Demut rangehen. Beispiel Rav van den Berg: Der hat zehn Millionen gekostet und sitzt nur auf der Bank. Den kann man jetzt auch nicht für mehr verkaufen. Aber ich habe Vertrauen in Thomas Kessler. Bei ihm war damals in der Kabine eigentlich schon klar, dass er so eine Karriere machen wird.“
Und was würde Clemens auf dem Transfermarkt im kommenden Sommer tun, wenn er Kesslers Position innehätte? „Es kommt drauf an, wer geht. Ein zweiter Stürmer neben Ragnar Ache wäre gut. Ich hoffe, wir machen auf der linken Verteidigungsposition noch etwas. Und je nachdem, ob Eric Martel geht, dann noch auf der Sechs.“
In der Runde wurde dann auch über FC-Trainer René Wagner (37) diskutiert, der nach der Entlassung von Lukas Kwasniok (44) die Chance von Kessler bekommen hat, sich das erste Mal in seiner Karriere als Cheftrainer zu beweisen. In einer EXPRESS.de-Umfrage, ob der FC mit Wagner in die neue Saison gehen sollte, sprachen sich von über 20.000 Teilnehmern ganze 78 Prozent gegen den Trainer aus.
Für Schlüter durchaus überraschend: „Ich finde, es gibt keine Trainerdiskussion aktuell. Die Punkteausbeute ist gut. Ich würde ihm die Chance geben, bin aber auch überrascht, wie wenig Kredit er unter den Fans hat. Was diesem Verein am meisten fehlt seit Jahren ist Kontinuität auf den führenden Positionen. Aber: Lass den FC mal schlecht in die Saison starten, dann fangen die Diskussionen natürlich auch wieder an.“
Trippel: „Es gibt ja nur ganz wenige Vereine, wo die Trainer wirklich lange bleiben. Kontinuität muss mehr aus dem Verein kommen, was der Verein leisten kann. Aber wenn es halt nicht funktioniert, funktioniert es nicht. Man hat es in Augsburg gesehen, die haben Sandro Wagner geholt und der musste dann wieder weg. Dann haben sie den Manuel Baum geholt und es war wieder gut.“
Um das Thema Said El Mala kam die Runde natürlich auch nicht drumherum. Für Clemens sei es unverständlich, dass El Mala nach einem schlechten Spiel oftmals kritisiert wird: „Der Junge ist 19, hat 12 Tore und 5 Assists beim 1. FC Köln. Aber so ist das heutzutage leider, dass nach einem schlechten Spiel direkt kritisiert wird.“
Und was passiert im Sommer mit El Mala? Seit Monaten ranken sich die Gerüchte um einen Abschied, der FC erhofft sich weit mehr als 40 Millionen Euro von einem Verkauf seines Juwels. Clemens priorisiert eine Variante ganz klar: „Die Idee, ihn zu verkaufen und zurückzuleihen, ist ganz charmant. Die Chance, jetzt 40 oder 50 Millionen einzunehmen, bekommst du nicht so oft. Das wäre für den FC der richtige Schritt. Was passiert denn, wenn er sich nächste Saison verletzt und ihn will keiner mehr haben? Dann hast du 50 Millionen in den Sand gesetzt.“
Auch Schlüter sieht den 19-Jährigen in seiner Entwicklung noch nicht so weit, in der kommenden Saison schon bei einem europäischen Topklub zum absoluten Stammpersonal zu gehören: „Ich würde mir wünschen, dass er auf jeden Fall noch ein Jahr bleibt. Er wäre hier Stammspieler, würde bestimmt auch 15 Tore und mehr schießen. Nächstes Jahr ist er nochmal ein Jahr älter und weiter. Für die großen Topklubs ist er, glaube ich, noch nicht weit genug.“


