Wo geht es hin mit dem 1. FC Köln? Vor genau 30 Jahren war der FC in einer ähnlichen Situation. Damals bewahrte Peter Neururer (70) den Klub vor dem ersten Abstieg. EXPRESS.de sprach mit dem Kölner Ex-Trainer.
FC-Retter vor 30 JahrenWas Neururer fehlt: „Das ist jetzt brandgefährlich“

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Der ehemalige Kölner Coach Peter Neururer 1997 engagiert am Spielfeldrand.

Genau vor 30 Jahren war der 1. FC Köln in einer ähnlichen Situation, wie heute. Am 1. April 1996 wurde Peter Neururer (heute 70) als Feuerwehrmann geholt. Neun Spieltage vor dem Saisonende hatte er die Mannschaft von Stephan Engels (65) übernommen.
Toni Polster (62) erinnerte sich im Gespräch mit EXPRESS.de an die Saison 1995/1996. Damals stand der FC nach 25 Spieltagen mit 24 Punkten auf Abstiegsrang. „Gleich das erste Spiel unter Neururer haben wir mit 2:1 bei Bayer Leverkusen gewonnen. Ich habe das Siegtor erzielt“, so die österreichische Stürmerlegende. Polster traf damals in der 87. Minute.
FC-Rettung: Neururer fehlt aktuell Input von außen und Erfahrung
„Der Sieg in Leverkusen zählte für uns natürlich doppelt, war extrem wichtig für die Stimmung“, so Polster. Am Ende wurde Köln Zwölfter mit 40 Punkten – auch dank Sieg im kleinen Derby und Retter Neururer.
30 Jahre später hat der FC 26 Punkte gesammelt, steht auf Tabellenplatz 15 und hat noch sieben Spiele vor der Brust: Frankfurt (A), Bremen (H), St. Pauli (A), Leverkusen (H), Union Berlin (A), Heidenheim (H), FC Bayern München (A).
Vor dem Auswärtsspiel bei der Eintracht am Ostersonntag (5. April 2026, 17.30 Uhr, Dazn und Liveticker auf EXPRESS.de) sagt Neururer gegenüber EXPRESS.de: „Ich habe damals eine Mannschaft übernommen, die dank Engels in einem Top-Zustand und super trainiert war. Zudem gab es reichlich Qualität im Kader. Ich hatte Bodo Illgner im Tor, Ralf Hauptmann in der Abwehr oder Toni Polster im Sturm. Polster war gerade in extremen Situationen besonders wichtig für die Mannschaft.“
Neururer weiter: „Dazu kam dann mit mir der Input von außen. Das war extrem wichtig.“ Genau da sieht der ehemalige FC-Retter in der aktuellen Situation eine Gefahr: „Ich will die Qualitäten von René Wagner nicht abwerten, aber er war vorher schon da. Das ist ein Problem. Bei einer Niederlage in Frankfurt entsteht eine extreme Situation. Das ist schon sehr gefährlich.“
Neururer behauptet: „Man benötigt in solchen Phasen den Input von außen. Ich fürchte, dass es beim FC nicht gut geht. Was gut ist: Der FC hat mit Lukas Sinkiewiecz zumindest einen Co-Trainer dazugeholt, der den Standort kennt.“
Sollte aus den kommenden Spielen in Frankfurt und gegen Bremen nur ein Pünktchen herausspringen, ist Neururer sicher: „Sie haben die Telefonnummer von Friedhelm Funkel.“ Der 72-Jährige würde dann wohl erneut als Retter geholt.
Neururer warnt: „Im unteren Bereich der Tabelle wird es ein Nervenspiel. Bei einem Verein wie dem FC ist der Druck auf dem Kessel nochmals größer. Die Gefahr ist einfach, dass derjenige, der es jetzt richten soll, sich mit der Situation gar nicht auskennt. Das ist wirklich brandgefährlich. Denn im Abstiegskampf zählen nicht unbedingt die Trainingsinhalte, sondern die Erfahrung, die man als Trainer gesammelt hat.“
Generell hofft Neururer, dass Köln die Klasse hält: „Ich hoffe, dass sie gewinnen, denn der Kader ist gut genug für den Klassenerhalt. Und der FC gehört in die 1. Liga. Heidenheim ist wohl nicht mehr zu retten. Ich wünsche dem FC, dass es ihn nicht erwischt.“
Für die Bundesliga sei ein Standort wie Köln ein Segen. Spiele wie Elversberg gegen Hoffenheim locken nicht viele Fans vor die TV-Bildschirme. „Aber bei Köln gegen den Hamburger SV brennt die Luft. Der FC darf einfach nicht absteigen“, so Neururer.


