Köln-Talente spielen Königsklasse Ruthenbeck über „Sahnetag“ in der Youth League und Wirtz' „FC-Gen“

Stefan Ruthenbeck trainiert die U19 des 1. FC Köln.

Kölns U19-Trainer Stefan Ruthenbeck (hier am 8. August 2021 am Geißbockheim) freut sich auf die Youth League.

Stefan Ruthenbeck, U19-Trainer des 1. FC Köln, spricht im EXPRESS.de-Interview über den Start der Youth League, die FC-Talente, Florian Wirtz und seine Saison bei den Profis.

Köln. Ein Festtag für den 1. FC Köln! Die Geißböcke kehren auf die internationale Bühne zurück – am Mittwoch (29. September 2021, 18 Uhr) tritt die U19 erstmals in der Youth League, der Königsklasse der Nachwuchsteams, an. EXPRESS.de sprach vor dem Erstrunden-Hinspiel gegen den belgischen Klub KRC Genk mit Trainer Stefan Ruthenbeck (49).

Stefan Ruthenbeck: „Ein Beweis für die gute Arbeit, die hier geleistet wird“

Stefan Ruthenbeck, wie groß ist Ihre Vorfreude auf die Youth League?

Ruthenbeck: Riesengroß! Gerade, weil wir am Wochenende gewonnen und Selbstvertrauen getankt haben. Das Stadion ist voll, 4000 Fans kommen, das wird ein ganz besonderes Ambiente für die Jungs. Wir wissen aber auch, dass wir auf die beste belgische Jugendabteilung treffen. Wir wollen den Fight annehmen, ebenbürtig sein – und natürlich eine Runde weiterkommen.

Der Gegner ist der KRC Genk. Gibt’s einen Favoriten?

Ruthenbeck: Wenn Genk mit dem besten Aufgebot kommt, sind wir nicht in der Favoritenrolle. Das liegt nicht am Talent, sondern daran, dass viele ihrer spielberechtigten Jungs schon Erfahrungen im Herrenbereich gesammelt haben. In Genk werden die Talente nach der U18 direkt in die U21 hochgezogen, es gibt keine U19. Zudem sind die U18 und U21 jeweils Tabellenführer, da erwartet uns ein Top-Niveau. Wir brauchen einen Sahnetag, um zu bestehen.

Was bedeutet die Youth-League-Teilnahme für den 1. FC Köln?

Ruthenbeck: Das ist ein Beweis für die gute Arbeit, die hier geleistet wird – von allen Jugendtrainern und Betreuern. Ohne sie alle wäre das nicht möglich gewesen. Ich bin da als U19-Trainer der Letzte in der Kette. Zum Teil sind unsere Spieler, wie Jonas Urbig, von der U10 an hier ihren Weg gegangen. Die Youth League ist einfach eine tolle Belohnung für das komplette NLZ. Ich persönlich freue mich, dass ich unsere vielen Trainer repräsentieren darf.

2017 waren Sie auch bei den Profis der bislang letzte Europapokal-Trainer…

Ruthenbeck: Das war mein erstes Spiel bei den Profis, wir haben 0:1 in Belgrad verloren. Aber so ein Erlebnis, das bleibt natürlich. Ich bin sehr dankbar, dass ich Jungs wie Jonas Hector trainieren durfte, Claudio Pizarro erleben durfte. Vorher hatte ich in der 2. Liga gearbeitet, die Erfahrungen in der Bundesliga waren noch mal etwas ganz anderes – und helfen mir jetzt definitiv in der Ausbildung der Talente. Die Zeit hat mir aufgezeigt, was die Jungs brauchen, um ganz oben anzukommen.

Stefan Ruthenbeck trainiert den 1. FC Köln gegen Roter Stern Belgrad.

Am 7. Dezember 2017 trat Stefan Ruthenbeck mit dem 1. FC Köln in der Europa League bei Roter Stern Belgrad an.

Macht es Ihnen derzeit auch so viel Spaß wie vielen Fans, das Profi-Team von Steffen Baumgart spielen zu sehen?

Ruthenbeck: Ich war gegen Leipzig im Stadion, das hat richtig Spaß gemacht. Ich war vor allem von dieser Intensität begeistert – was da für ein Feuer drin war. Ich habe mich daran erinnert, wie wir 2018 mit den Profis 2:1 in Leipzig gewonnen haben. Damals hatte ich das Gefühl, dass sie uns unterschätzt haben. Das war jetzt komplett anders. Der Punktgewinn war gegen eine sehr, sehr starke Leipziger Mannschaft.

Der nächste Gegner heißt Greuther Fürth – der Klub, den sie trainiert haben, bevor Sie in den Nachwuchsbereich des FC gewechselt sind.

Ruthenbeck: So lange bin ich noch gar nicht weg, aber abgesehen vom Torhüter ist keiner mehr da von damals. Es gab zwischenzeitlich eine enorme Fluktuation, der Klub hat unter Rachid Azzouzi viele gute Schlüsse gezogen und eine starke Mannschaft für den Aufstieg aufgebaut. Die Entwicklung war schön anzuschauen.

Zurück zur U19: Spüren Sie nach der erfolgreichen Jugendarbeit der vergangenen Jahre – mit Titeln und vielen zu den Profis beförderten Jungs – auch im Nachwuchs eine gestiegene Erwartungshaltung?

Ruthenbeck: Definitiv, und da müssen wir aufpassen. Die aktuelle Mannschaft hat nichts mit denen der vergangenen Jahre zu tun. Es gibt hier jedes Jahr einen Umbruch. Und wir können nicht immer solche Jahrgänge wie die 2001er (Katterbach), 2002er (Thielmann) oder 2003er (Wirtz, Anm. d. Red.) haben. Dieselben Erfolge vorauszusetzen, wäre nicht fair. Wir wollen trotzdem eine gute Rolle spielen. Das muss sich die Mannschaft erarbeiten.

Stefan Ruthenbeck: 1. FC Köln kann noch immer stolz auf Florian Wirtz sein

Ein Spieler, dem viele Beobachter eine große Karriere zutrauen, ist Justin Diehl. Er war in der Vorbereitung bereits bei den Profis eingeplant, am Wochenende hat er beim 6:1 gegen Düsseldorf dreifach getroffen. Wie weit ist Justin?

Ruthenbeck: Lasst uns da geduldig sein und mit dem Jungen arbeiten. Wir müssen Justin ganz in Ruhe entwickeln. Er ist 16, das darf man nicht vergessen. Justin ist ein großes Talent, wird seinen Weg sicher gehen. In verschiedenen Bereichen wie Robustheit und Handlungsschnelligkeit wird er sich Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Die vergangene Saison fiel aufgrund der Corona-Pandemie nahezu komplett aus. Ist schon auszumachen, was das für die Entwicklung der Talente bedeutet?

Ruthenbeck: Uns ist ein Jahr abhandengekommen. Die Entwicklungskurve der talentierteren Spieler ist dadurch nicht so steil, wie sie sein sollte. Wir erkennen gerade, dass viele der kleineren Mannschaften näher dran sind als bisher. Auch die Spanne zu den Profis, die ständig trainiert haben, ist größer als sonst. Da müssen wir aufholen.

Wie lässt sich das schaffen?

Ruthenbeck: Vor allem müssen alle die Ruhe bewahren. Wir müssen die Zeit bekommen, mit der Mannschaft zu arbeiten. Es bringt nichts, die Jungs jetzt auf Teufel komm raus nach oben durchzudrücken. Sie können noch gar nicht auf das vorbereitet sein, was im Herrenfußball auf sie zukommt. Und die Jungs müssen schnell realisieren, dass es aktuell nicht nur darum geht, das Talent zu haben – sondern viel zu trainieren und die Art und Weise, die im Herrenfußball gefordert wird, anzunehmen. Da geht es um Intensität. Man muss ständig abliefern, Woche für Woche.

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Das macht derzeit Florian Wirtz, der Lukas Podolski als jüngsten Bundesliga-Spieler mit zehn Toren abgelöst hat. Ist sein Verlust, gerade wenn so ein Rekord fällt, intern noch ein Thema?

Ruthenbeck: Florian ist ja trotz allem beim 1. FC Köln ausgebildet worden. Das kann dem Klub keiner nehmen, er hat definitiv das FC-Gen in sich. An seiner Entwicklung waren ganz viele unserer Trainer beteiligt, da besteht auch nach wie vor Kontakt. Auf Florians Leistungen darf man auch beim 1. FC Köln stolz sein. So einen Spieler findet man nicht alle Jahre.

Aus dem Profi-Kader sollen am Mittwochabend gegen Genk Jonas Urbig, Marvin Obuz und Jens Castrop zum Einsatz kommen. Das Rückspiel in Genk findet am 19. Oktober (18 Uhr) statt. 

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