Kommentar nach der Vorbereitung Baumgarts FC muss mehr sein als die Summe seiner Teile

Trainer Steffen Baumgart beim Training des 1.FC Köln vor dem Testspiel gegen Roda Kerkrade. Foto: Uwe Weiser

Hoffnungsträger: Trainer Steffen Baumgart dirigiert am 30. Juli 2021 im Training die Profis des 1. FC Köln.

Ungeschlagen geht der 1. FC Köln aus der Vorbereitung in die erste Bundesliga-Saison unter Steffen Baumgart. Und doch besteht für allzu große Euphorie kaum Anlass. Die Mannschaft hat an Qualität eingebüßt, und muss das als Team wettmachen. Ein Kommentar zum Stand nach der Vorbereitung.

Köln. Als die Familien der FC-Profis am Sonntagnachmittag (1. August) zum Grillen am Geißbockheim zusammenfanden, markierte das so etwas wie das Ende der Vorbereitung.

Mit dem 1:1 in der Generalprobe gegen den niederländischen Zweitligisten Roda Kerkrade gingen fünf Wochen intensiver Arbeit zu Ende, ab Dienstagnachmittag beginnt die Vorbereitung auf das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Carl-Zeiss Jena am kommenden Sonntag.

1. FC Köln in der Vorbereitung ungeschlagen

Die Mannschaft gibt Gas, die Stimmung ist gut, doch das Remis im Franz-Kremer-Stadion machte die Lage noch einmal deutlich. Auch wenn einige vom „Vorbereitungsmeister“ 1. FC Köln schreiben, weil die Mannschaft in sechs Partien ungeschlagen blieb (vier Siege, zwei Remis): Der FC unter dem neuen Trainer Steffen Baumgart (49) wird mehr sein müssen als die Summe seiner Teile, will er in der Bundesliga bestehen.

Vorfreude darf erlaubt sein, Spektakel wird durch die neue offensive Spielweise garantiert, aber den Erfolg, den wird sich diese Mannschaft hart erarbeiten müssen. Euphorie und überzogene Erwartungen sind fehl am Platze, nach den Fehlinvestitionen der letzten Jahre muss Baumgart bislang ohne Verstärkungen und nur mit Ergänzungen zurechtkommen. Geld für neue Stars ist keines da.

Der Trainer nimmt die Aufgabe klaglos an, warnt aber vor „Wellentälern“ und einem schwierigen Start und mahnt: „Wir müssen die Gegner schon bestrafen, für das was sie uns anbieten. Denn wir wissen, was auf uns zukommt, wenn wir so hoch stehen, dafür müssen wir Lösungen finden.“

Was er meint: In allen Mannschaftsteilen sieht man den Willen und eine Entwicklung, man sieht aber auch noch, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist.

1. FC Köln: Verteidigung ist dünn besetzt

Sorgen bereitet vor allem die Situation in der Verteidigung. Die Personaldecke ist extrem dünn, mit Sebastiaan Bornauw (22) verließ der unumstrittene Abwehrchef den FC, seine Schnelligkeit, Zweikampfstärke und auch seine Qualität bei Standards wird den Kölnern fehlen.

Ob Rafael Czichos (31) und Jorge Meré (24) die Absicherung einer hochstehenden Mannschaft gegen starke Gegner hinbekommen, muss sich erst zeigen. Auch kann Benno Schmitz (26) keine Dauerlösung als linker Verteidiger sein. Da muss noch nachgelegt werden, Noah Katterbach (20) zeigt zumindest die Ansätze und im Training den Willen, aus seiner Formkrise herauszukommen.

Im Mittelfeld hofft man, dass Salih Özcan (23) endlich zu Konstanz findet. Sollte Ellyes Skhiri (26) noch wechseln, würde er als alleiniger Sechser agieren. Dafür müssten er seine Aussetzer aus der Vergangenheit aber endlich abgestellt bekommen. Jonas Hector (31) bleibt eine Bank auf der linken Seite, Florian Kainz (28) dagegen sucht noch ein wenig nach seiner Form von vor seiner Knieverletzung – auch das darf kaum verwundern.

1. FC Köln: Duda und Uth eine starke Doppel-Besetzung

Lediglich die Position im offensiven Mittelfeld ist mit Ondrej Duda (26) und Mark Uth (29) überdurchschnittlich besetzt, Uth wird daher bereit sein müssen, als Stürmer Laufarbeit zu verrichten, wenn beide spielen sollen. Im Sturm dagegen muss man hoffen, dass Anthony Modeste (33) oder Sebastian Andersson (30) fit bleiben und sich gegen erstklassige Verteidiger durchsetzen können.

Man kann nicht erwarten, dass Steffen Baumgart aus Spielern wie Schaub, Schindler oder eben Modeste durch Handauflegen (wieder) konkurrenzfähige Bundesliga-Spieler macht, und doch muss man es irgendwie hoffen. Denn Baumgarts FC muss mehr werden als die Summe seiner Teile.

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