„Von ihm ist jeder überrascht“ Fazit nach FC-Camp: Gewinner, Verlierer und wichtige Erkenntnisse

Der 1. FC Köln trainiert in Donaueschingen.

Neun Tage lang hat der 1. FC Köln in Donaueschingen trainiert, wie hier am 23. Juli 2021.

Das Trainingslager des 1. FC Köln ist beendet, zwei Drittel der Saisonvorbereitung sind rum – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Donaueschingen/Köln. So ein hartes Trainingslager hat der 1. FC Köln schon lange nicht mehr erlebt! Neun Tage lang ließ Coach Steffen Baumgart (49) seine Jungs in Donaueschingen schuften, oft mit Doppelschichten und zusätzlichen Schleifer-Einheiten im Kraft-Zelt. Die FC-Profis zogen voll mit, fuhren nebenbei auch noch drei Testspiel-Siege ein. Wer waren die Gewinner? Für wen wird es schwer? Das EXPRESS-Fazit zum Köln-Camp!

Wer überzeugte?

30 Spieler waren im Trainingslager dabei, da fällt es gar so einfach, den Überblick zu bewahren. Einige FC-Profis stachen trotzdem heraus:

Mark Uth (29) zeigte nicht nur mit seinem Doppelpack gegen die Bayern (3:2), dass er die Kölner Offensive auf ein anderes Niveau hieven kann – wobei Baumgart von ihm noch mehr Laufarbeit fordert. Youngster Jan Thielmann (19) ist auf dem besten Weg, den nächsten Schritt zu machen. Ein Anlaufmonster war er schon immer, jetzt spielt Thielmann auch richtig gut mit und ist Stammplatz-Kandidat.

Mark Uth spielt mit dem 1. FC Köln gegen die SV Elversberg.

Mark Uth, hier beim Testspiel gegen die SV Elversberg am 24. Juli 2021, scheint beim 1. FC Köln gesetzt zu sein.

Innenverteidiger Jorge Meré (24) überzeugte besonders in den Testspielen, gegen Elversberg (2:1) verhinderte er mit einer Mega-Rettungstat den Ausgleich, gegen Schaffhausen (2:0) trug er sogar die Kapitänsbinde. Der Spanier tritt mit einer ganzen anderen Körpersprache auf, will seine Chance nach dem Abgang von Sebastiaan Bornauw (21) nutzen. Auch Salih Özcan (23) ist das neue Selbstvertrauen, durch den U21-EM-Titel und Baumgarts Bemühungen um ihn, anzumerken.

Tomas Ostrak (21) macht ebenfalls auf sich aufmerksam. Der Tscheche (letzte Saison verliehen an MFK Karvina) verdient sich gerade seine Bundesliga-Chance. Steffen Baumgart hat noch einen weiteren Leih-Rückkehrer auf der Liste: Kingsley Schindler (28). „King spielt eine gute Vorbereitung“, lobt der FC-Coach, der Schindler als Rechtsverteidiger einsetzt. Der eigentliche Rechtsaußen (zuletzt verliehen nach Hannover) überzeugt mit seiner Dynamik.

Steffen Baumgart und Anthony Modeste im Trainingslager des 1. FC Köln.

Steffen Baumgart sieht Anthony Modeste (hier am 24. Juli 2021) auf einem guten Weg.

Und auch Anthony Modeste (33), der alles für einen Neustart tut, und Sebastian Andersson (30) bereiten Baumgart Freude: „Von Tony ist im Moment jeder positiv überrascht. Dass Seb überhaupt auf dem Platz steht und nur zwei Trainingseinheiten verpasst hat, ist auch gut.“ Beide Stürmer nahmen jeweils ein Testspiel-Tor mit nach Hause.

Wer enttäuschte?

Die beiden größten Verlierer des Camps standen bereits vor der Abfahrt fest: Vincent Koziello (25) und Niklas Hauptmann (25) durften gar nicht erst mit in den Schwarzwald reisen, spielen in Baumgarts Überlegungen keine Rolle.

Schwer hat es auch Noah Katterbach (20). Nach dem Abgang von Ismail Jakobs (21) und der Verletzung von Jannes Horn (24) ist er der einzig verbliebene gelernte Linksverteidiger – doch momentan scheint der eigentliche Rechtsverteidiger Benno Schmitz (26) die Nase vorn zu haben. Zudem fahndet der FC nach einer Verstärkung für hinten links, die Position hat oberste Priorität bei der Suche nach Neuzugängen. Ein Hoffnungsschimmer war Katterbachs Joker-Einsatz gegen Elversberg, als er zwar erst in der Schlussphase randurfte, aber sofort ein Aktivposten war.

Dimitrios Limnios trainiert mit dem 1. FC Köln in Donaueschingen.

Dimitrios Limnios (hier am 22. Juli 2021) steht beim 1. FC Köln unter Beobachtung. Links sitzen Präsident Werner Wolf und Lizenzspieler-Leiter Thomas Kessler.

90 Minuten lang zuschauen musste Dimitrios Limnios (23). Der griechische Nationalspieler lässt Beobachter weiterhin rätseln, warum der FC vor einem Jahr drei Millionen Euro für ihn bezahlt hat. Limnios zählt zu den ersten Streichkandidaten, wenn der Kader verkleinert wird.

„Es geht jetzt darum, mit dem einen oder anderen Spieler über seine Perspektive zu reden“, kündigt Baumgart Zukunftsgespräche an und ergänzt: „Dann muss man gucken, ob der Weg bei uns weitergeht, oder ob man eine Entscheidung trifft und sagt: Wenn du Spielpraxis haben willst, wäre es gut, einen neuen Weg zu gehen. Wir werden uns im Trainerteam in Ruhe hinsetzen und gucken, wen wir in der Mannschaft sehen.“ Einige Profis müssen auf Klub-Suche gehen, Talente zurück in den U-Bereich!

Was war sonst noch wichtig?

System klar: Baumgart ließ fast immer mit Viererkette, einem Sechser und Doppelspitze spielen (4-1-3-2 bzw. 4-1-2-1-2). Er setzt vor allem auf schnelle Balleroberungen, dann soll es mit voller Attacke aufs Tor gehen.

Fitter FC: Nach den Verletzungen der ersten Vorbereitungswoche sind keine weiteren Ausfälle dazugekommen – trotz des knüppelharten Programms! Baumgart happy: „Die Jungs sind in einem sehr, sehr guten Zustand.“

Standards als Waffe: Das FC-Pressing verspricht reihenweise Standards. Zu sehen gegen Elversberg: Köln war nach hohen Ballgewinnen oft nur per Foul oder durch Klärungstaten zum Eckball zu stoppen. Mit Mark Uth, Ondrej Duda (26), Louis Schaub (26) und Florian Kainz (28) hat der FC gleich vier Standard-Experten im Kader. „So, wie wir spielen wollen, werden wir uns die eine oder andere Standardsituation automatisch erarbeiten. Das ist auch Sinn und Zweck der Sache. Deswegen müssen wir da erfolgreich werden“, fordert Baumgart, der gegen Elversberg zwei Kopfballtreffer (Ehizibue und Modeste) nach Kainz-Ecken sah.

Wie fällt Steffen Baumgarts Gesamt-Fazit aus?

Positiv! „Ich bin insgesamt zufrieden mit dem Trainingslager. Die Mannschaft hat viel von dem gemacht, was sie machen sollte“, sagt der FC Coach und lobt: „Ich finde die Gesamtentwicklung gut.“ Baumgart spürt, dass das Team ihm folgt: „Die Jungs versuchen, das, was ich fordere, auch umzusetzen. Unabhängig davon, das ob das immer gelingt.“

Steffen Baumgart beim Testspiel 1. FC Köln gegen SV Elversberg.

FC-Coach Steffen Baumgart beim Testspiel gegen Elversberg am 24. Juli 2021

Die Kölner verinnerlichen die Spielidee ihres neuen Chefcoachs von Tag zu Tag besser, wenngleich es natürlich weiter Luft nach oben gibt. „Dass das eine oder andere noch fehlt, halte ich für normal“, sagt Baumgart und blickt optimistisch Richtung Saisonstart: „Wir können ganz gut und ruhig in die letzten 14 Tage vor dem Jena-Spiel gehen und uns die letzte Frische und Klarheit holen.“

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