„Lage ist dramatisch“ Situation bei Edeka spitzt sich zu, erste Kundschaft muss sich umstellen

Die Corona-Pandemie setzt die Supermärkte weiterhin unter Druck, vielerorts herrscht Personalnot. Unser Foto zeigt die Mitarbeiterin eines Edekas im Frühjahr 2020 an einer Kasse in Duderstadt (Niedersachsen).

Die Corona-Pandemie setzt die Supermärkte weiterhin unter Druck, vielerorts herrscht Personalnot. Unser Foto zeigt die Mitarbeiterin eines Edekas im Frühjahr 2020 an einer Kasse in Duderstadt (Niedersachsen).

Die Personalsituation bei vielen Supermärkten spitzt sich derzeit immer weiter zu, auch Edeka-Kaufleute im Norden Deutschlands haben arge Probleme. Nun strukturiert eine Filiale auf Sylt als erster Markt seinen Kassenbereich komplett um. Muss sich die Kundschaft bald auch andernorts auf derlei radikale Änderungen einstellen?

Seit Monaten herrscht Personalnot in vielen Supermärkten. Es gibt kaum eine größere Filiale, die nicht händeringend auf der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. 

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Arbeitsbedingungen, der Schichtdienst schreckt viele ab. Es gibt oft schlicht zu wenig Nachwuchs, vor allem beim Fachverkaufspersonal wie in Bäckereien oder Fleischereien. Hinzu kommen saisonbedingte Probleme wie Urlaub oder Krankheit, auch die Corona-Pandemie spielt hier weiterhin eine Rolle. 

Edeka: Personalsituation spitzt sich zu, Filiale krempelt alles komplett um

Die Folge: Einige Filialen mussten bereits reagieren, schließen etwa ihre Bedientheken früher oder haben gar ihre Ladenöffnungszeiten angepasst. Bereits im Sommer mussten etliche Edeka-Filialen in Baden-Württemberg täglich schon um 13 Uhr schließen – der Kaufmann entschied sich für diesen Schritt, um seine verbleibenden Angestellten zu entlasten. Nicht nur Edeka, auch Rewe, Lidl und Aldi berichteten von Personalproblemen. 

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Auf Sylt geht nun eine Filiale einen besonders radikalen Weg, der eine massive Anpassung der Kundschaft vor Ort bedeutet. Könnten bald weitere Filialen nachziehen? 

Wie das „Abendblatt“ berichtet, ist auch im Norden Deutschlands die Not groß. Die Edeka-Kaufleute Jörg Meyer und Nicki Jablunka finden keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr für ihren Markt in List auf Sylt. Deshalb ändern die Chefs den Kassenbereich radikal – und krempeln auch für die Kundschaft alles um.

Seit dieser Woche wird kein Mensch mehr an vier von fünf Kassen sitzen und abkassieren – stattdessen müssen Kundinnen und Kunden ihre Waren an einer von zehn Selbstbedienungskassen selbst scannen und bezahlen. „Wir sind der erste Supermarkt in Deutschland, der weitestgehend auf eine klassische Kassenzone verzichtet“, sagt der Hamburger Meyer. Nur noch eine Kasse mit Kassiererin oder Kassierer wurde stehengelassen. 

„Wir finden einfach keine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf Sylt“, sagt Jablunka. Daher sei die Frischetheke schon länger dicht, mittlerweile wirke sich die Personalnot aber auch auf den Kassenbereich aus. „Die Lage ist dramatisch“, sagt sein Hamburger Partner, der mit seinem Familienbetrieb insgesamt zehn Supermärkte im Norden betreibt. Und versichert gleichzeitig: „Es wird garantiert niemand wegen der neuen Kassen entlassen.“

Edeka: Filiale investiert in Hightech-Ausrüstung – radikale Umstellung für Kundschaft

Selfscanner-Kassen gibt es schon länger im Lebensmittelhandel, oft in Kombination mit den klassischen Kassen. Einige Supermärkte in Deutschland versuchen auch mit Test-Filialen herauszufinden, wie gut die Kundschaft Supermärkte ganz ohne Kassenpersonal annimmt. Auch auf Sylt wurde so ein Test im Sommer gefahren. „Das wurde sofort gut angenommen“, sagt Jablunka. Vor allem von den Urlauberinnen und Urlaubern. 

Neben den neuen Selfscanner-Kassen haben die Inhaber zudem in sogenannte „Smartshopper“ investiert: ein Hightech-Einkaufswagen mit Monitor und Scanner, der die Waren direkt registriert und auf dem Display anzeigt. Damit soll der Check-out an der Kasse dann noch schneller gehen. 

Alles in allem eine gewaltige Umstellung für die Kundschaft, die allerdings laut Bericht noch kaum zu den neuen Einkaufswagen greift. Die Chefs hoffen nun darauf, dass sich die Menschen an die Neuerungen gewöhnen. Ob sich die Personalsituation einmal verbessert? Diese Hoffnungen hätten sie aufgegeben, sagen sie. „Wir hoffen, dass wir es mit der Digitalisierung schaffen, den Supermarkt weiter betreiben zu können.“ Sieht so die Zukunft der Supermärkte in Deutschland aus?

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