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Der Neue bei den „Mitternachtsspitzen“ Christoph Sieber: „Freude an der Provokation!“

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Christoph Sieber hat das Rheinland ins Herz geschlossen. Aus Nippes ist er nicht mehr wegzukriegen.

Köln – Da muss man schon ein gesundes Selbstbewusstsein haben! Christoph Sieber (51), Kabarettist aus einer tiefschwarzen Ecke Baden-Württembergs mit Herzensheimat Köln-Nippes, hat kommenden Samstag (6. Februar, 21.45 Uhr, WDR) TV-Premiere als neuer Chef des Kabarett-Kults „Mitternachtsspitzen“ und ist damit Nachfolger rheinischer Kabarett-Heroen (erst Richard Rogler, 71, dann 28 Jahre lang Jürgen Becker, 61, und Wilfried Schmickler, 65). Was erwartet uns?

  • Christoph Sieber ist der neue Mann bei den „Mitternachtsspitzen“
  • Er spricht mit uns über sein Elternhaus, das Rheinland & Muffensausen   
  • Sein Motto: „Immer Munition im Mund“    
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Selfie mit Corona-Abstand: Christoph Sieber und Reporter Horst Stellmacher.

Die „Mitternachtsspitzen“ wurden fast 30 Jahre von Jürgen Becker und Wilfried Schmickler geprägt. Jetzt übernehmen Sie das Ruder. Wie ist das für Sie?
Christoph Sieber:
Ich empfinde es fast als Majestätsbeleidigung, denn dass die „Mitternachtsspitzen“ zu den Flaggschiffen der Kabarett-Unterhaltung gehören, ist vor allem den beiden zu verdanken. Obwohl es nicht meine Entscheidung war, dass sie aufhören, habe ich sie – ehe es zu einer Unterschrift kam – angerufen und um ihren Segen gebeten. Hätte ich gespürt, dass sie es nicht wollen, hätte ich es nicht gemacht.

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Samstag sehen wir erstmals im WDR-Fernsehen, was Sie draus gemacht haben. Schiss?
Christoph Sieber: Natürlich habe ich Muffe – aber die ist vor jedem Auftritt da, die brauche ich sogar. Ich habe schon bei der Vorbereitung viel Spaß daran, in mir den entsprechenden Druck aufzubauen und den dann auf der Bühne abzulassen. Die Reaktion der Leute ist mir wichtig.

Auf Live-Reaktionen müssen wir verzichten, weil der Wartesaal menschenleer sein wird...
Christoph Sieber: … was nahe an der Grenze zur Frustration ist. Aber besser so, als gar nicht.

Die Sendung hatte viele liebgewonnene Rubriken und Figuren. Sehen wir die wieder?
Christoph Sieber: Nein. Ich würde mich unwohl fühlen, in die Rolle derer zu schlüpfen, die sie erfunden und groß gemacht haben. Aber Susanne Pätzold und Philip Simon aus dem alten Team und auch Dietmar Jakobs, einer der besten Kabarettautoren Deutschlands, sind an Bord geblieben.

Sie sind in Baden-Württemberg aufgewachsen, die „Mitternachtsspitzen“ waren da fast nur ein Ereignis im Westen. Wann haben Sie die wahrgenommen?
Christoph Sieber: Das kam relativ spät, als ich in Essen studierte. Da bin ich auch fürs Kabarett erwacht, vorher hatte das keine große Rolle in meinem Leben gespielt.

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Im Dezember trat Christoph Sieber bereits mit Jürgen Becker in den Mitternachtsspitzen auf. 

Wie kamen Sie zum Kabarett?
Christoph Sieber: Der Weg dahin war voller Zufälle. Ich wusste nach dem Abi nicht, was ich machen sollte. Mathe interessierte mich nicht sehr, Physik erst recht nicht, die Banklehre, die meine Eltern mir empfahlen, sowieso nicht. Erst als ich in einer TV-Zeitschrift was über Pantomimen las, änderte sich das. Ich habe mich fürs Pantomimen-Studium beworben, eine dreitägige Aufnahmeprüfung bestanden, und besitze jetzt eine Urkunde, die mir bescheinigt, dass ich staatlich geprüfter Pantomime bin. Die hat allerdings noch niemand sehen wollen.

Pantomime ist eine Kunstform ohne Worte. Als Kabarettist muss man viel sprechen. Wie kam’s zu diesem Sprung?
Christoph Sieber: Ich merkte, dass Pantomime eine sehr poetische Kunst ist, wollte aber politischer und direkter werden. Ich bin schon während des Studiums auf kleinen Bühnen aufgetreten, bekam Kontakt zum Mainzer „Unterhaus“, konnte auftreten – da waren die Würfel gefallen.

Sie kommen aus einer tiefschwarzen Gegend, Ihr Vater war zeitweise der am längsten tätige Bürgermeister Deutschlands. Hat Sie das beeinflusst?
Christoph Sieber: Viele Kabarettisten kommen aus diesen süddeutschen, bürgerlichen Mischungen. Sie haben entdeckt, dass die Provokation, das Sticheln in der bürgerlichen Mitte, eine Reaktion hervorruft, und dass das Freude macht. Ein gezielter Satz konnte meinen Vater zur Weißglut treiben. Fand ich gut – diese Freude an der Provokation ist bis heute geblieben.

Ein aufsässiger Sohn, wie kam der Vater damit klar?
Christoph Sieber: Nicht sehr gut. Dann wurde es für ihn noch schlimmer, als ich für die Grünen auftrat. Dann kam der Erfolg, der besänftigte des Vaters Seele. Die CDU in Baden-Württemberg hat so viel einstecken müssen – u.a. einen grünen Ministerpräsidenten – da macht ein linker Kabarettist den Kohl auch nicht mehr fett.

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Für „Mann, Sieber!“ (ZDF, zusammen mit Kabarettist Tobias Mann) bekam er den Deutschen Comedy Preis als „Beste Satire-Show“.

Ihr Lebensmittelpunkt ist jetzt das Rheinland. Was hat Sie daran gereizt?
Christoph Sieber:  Nach dem Studium und dem Bruch einer Beziehung bin ich auf meiner neuen Heimatsuche in Köln-Nippes gelandet – und da nicht mehr rausgekommen. Heute liegt mir das Rheinland näher als das Schwabenland. Ich komme mit dem Menschenschlag, diesem Einnehmenden und Herzlichen, sehr gut klar.

Wird im Rheinland anders gelacht als anderswo?
Christoph Sieber: Nein. Eine gute Pointe ist eine gute Pointe. Viele sagen: Der rheinische Frohsinn sei für einen Schwaben schwer nachvollziehbar, weil Schwaben ja zum Lachen in den Keller gehen. Da rate ich jedem Rheinländer mal einen Besuch im schwäbischen Keller. Da kann der Gürzenich aber einpacken!

Eine besondere Eigenart der Rheinländer ist die Liebe zum Karneval. Verstehen Sie das?
Christoph Sieber: Aber ja. Meine Frau ist aus dem Bergischen und karnevalsverrückt. Ich weiß, was Karneval in einem Menschen auslösen kann. Ich selbst mache zwar mit, aber bei dem Gemenge von Alkohol und Musik fremdel ich noch. Vor allem, wenn ich in einem Einhorn-Kostüm stecke.

Die letzte Frage geht ganz tief: Für welchen Bundesliga-Verein schlägt Ihr Herz?
Christoph Sieber: Für den FC. Ich bin ein Freund der Melancholie, der Tristesse, da liefert der FC viel. Jedes Mal, wenn ich denke, es geht aufwärts, kommt der Tag, an dem man sich Sorgen machen muss. Aus unerfindlichen Gründen steht die Mannschaft dann wieder auf dem Platz, manchmal sogar vorm Tor, und macht gar nichts – und man weiß: Das große Zittern geht wieder los.

Christoph Sieber und sein Motto: „Munition im Mund“

  • Christoph Sieber (geboren am 19. Januar 1970 in Balingen) machte sein Abitur in Villingen.
  • Danach folgte ein Studium der Pantomime an der Folkwang-Schule in Essen.
  • 1996 erste Auftritte im Mainzer „Unterhaus“.
  • Von 2010 bis 2013 war er Gastgeber der monatlichen Satiresendung „Spätschicht – Die Comedy-Bühne“ im SWR.
  • 2015 gab es für ihn den Deutschen Kleinkunstpreis.
  • Von 2015 bis 2020 machte er die ZDF-Sendung „Mann, Sieber!“ (mit Tobias Mann, 44).
  • Er ist verheiratet und lebt in Köln-Nippes.
  • Siebers Bühnenmotto: „Silber im Blick, Munition im Mund und Gummi in den Beinen!“

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