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Boris Becker Tennis-Star nach Urteil in Handschellen abgeführt – so geht es jetzt für ihn weiter

Es ist ein weitreichendes Urteil für Tennis-Star Boris Becker. Zweieinhalb Jahre muss er in Haft. Noch im Gerichtssaal wurde er in Handschellen abgeführt. Wie es jetzt für Becker weitergeht.

Sein Denkmal als Tennislegende hatte durch seine privaten Skandale schon viele Kratzer abbekommen - jetzt aber ist es schwer beschädigt. Boris Becker muss wegen Insolvenzverschleppung ins Gefängnis. Die Londoner Richterin Deborah Taylor verurteilte ihn am Freitag zu zweieinhalb Jahren Haft - eine Schmach für einen Mann, dessen Gesicht auf der ganzen Welt bekannt ist.

Der 54-Jährige nahm das Urteil ohne äußere Regung entgegen. Er griff sich seine Tasche - und wurde dann aus dem Gerichtssaal in Richtung Gefängnis abgeführt. In Handschellen.

Zwar ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, Beckers Anwaltsteam kann dagegen Berufung einlegen. Doch dies hat nach britischem Recht keine Aussetzung der Haft zur Folge.

Haftstrafe ist Boris Beckers größte Niederlage – größter Erfolg mit 17 Jahren

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Dabei hätte es noch schlimmer für Becker kommen können. Möglich gewesen wäre eine Haftstrafe von sieben Jahren. Richterin Deborah Taylor blieb deutlich darunter. Zudem muss Becker laut ihrem Urteil de facto nur die Hälfte der zweieinhalb Jahre absitzen.

Becker wird gleichwohl im Gefängnis mehr als genug Zeit haben, über sein Leben nachzudenken. Die große Erfolgsgeschichte begann im Sommer 1985, dem Sommer des Boris Becker. Mit nur 17 Jahren gewann er das Rasenturnier in Wimbledon, sein Heimatland lag ihm zu Füßen. Tennis erlebte einen bis heute einmaligen Boom in Deutschland, Becker wurde mit Sponsorenverträgen zugeschüttet.

Insgesamt 25 Millionen US-Dollar gewann der am 22. November 1967 geborene Becker in seiner Karriere an Preisgeldern. Dazu kamen hohe Millioneneinnahmen aus unzähligen Werbeverträgen. In London stand er allerdings als Folge einer Pleite vor Gericht: Weil er in seinem in Großbritannien eröffneten Insolvenzverfahren falsche Angaben gemacht hatte, sprachen ihn die Geschworenen des Southwark Crown Court kürzlich in vier von 24 Anklagepunkten schuldig.

Boris Becker bereits 2002 beinahe im Knast

Schon 2002 war er bei einem Prozess wegen Steuerhinterziehung in München nur knapp einer Haftstrafe entkommen. Verurteilt wurde er damals zu zwei Jahren auf Bewährung und 500.000 Euro Geldstrafe. Das Münchner Gericht versuchte Becker klarzumachen, dass er nur ganz knapp dem Gefängnis entgangen war - doch die Botschaft kam offenbar nicht an.

Denn im jetzt zu Ende gegangenen Prozess musste Becker einräumen, dass er bis heute weder seine Rechnungen selbst bezahlt noch Verträge selbst liest. Selbst über die Zahl seiner Konten will er nichts gewusst haben. Ob das ein Eingeständnis erstaunlicher Unbedarftheit war oder der Versuch, die Verantwortung auf seine Berater abzuwälzen: Bei Gericht verfing diese Argumentation nicht.

Boris Becker und sein höchst unglückliches Handeln im Insolvenzverfahren

Becker hatte schon in dem seit 2017 eröffneten Insolvenzverfahren - gelinde gesagt - unglücklich agiert. Höhepunkt war der gescheiterte Versuch, als angeblicher Diplomat der Zentralafrikanischen Republik Immunität zu genießen.

Das Gerangel um den angeblichen Diplomatenstatus geriet zur Posse und reihte sich damit ein in wiederholte Fälle von Beckers privatem Scheitern. Seine Ehe mit Barbara zerbrach ebenso wie die mit Lilly. Schlagzeilen machte auch eine Affäre mit Angela Ermakova samt der unehelichen Tochter Anna.

In Deutschland wurden die Skandale besonders breit getreten, was Beckers Verhältnis zu seinen Landsleuten abkühlen ließ. Er werde nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, sagte Becker schon vor einigen Jahren, sein Zuhause sei London.

Dort landete der sechsmalige Grand-Slam-Champion aber ebenfalls vor Gericht. Er sei „schockiert“ gewesen, als er im Juni 2017 für bankrott erklärt wurde, sagte Becker in dem im März begonnenen Prozess. „Ich habe mich geschämt, weil ich pleite war.“ Allerdings fühlte er auch seine „Marke Becker“ durch Berichterstattung über den Bankrott beschädigt.

Thomas Gottschalk nennt Boris Becker „deutsches Heiligtum“

Die Frage ist nun, ob Becker seine Marke nicht selbst beschädigt hat - oder ob bis heute mildernde Umstände für ihn gelten müssen, weil er schon in so jungen Jahren den Superhelden-Status erlangte. Beispielhaft dafür ein Interview mit Thomas Gottschalk aus dem Beginn seiner Karriere.

„Du bist, machen wir uns nichts vor, ein richtiges deutsches Heiligtum geworden“, sagte der Moderator damals zu dem schüchtern wirkenden Tennisspieler. Immerhin seine sportlichen Erfolge bleiben Becker erhalten - auch wenn er viele seiner Trophäen versteigern lassen musste. (afp/jv)

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