Im Krieg gegen den Iran ist Russland ein Gewinner. Putin darf sich aus fünf Gründen freuen. Für Europa ist die Lage indes alles andere als vorteilhaft.
Dank Trump und seinem KriegWarum sich Putin jetzt gleich fünffach freuen darf

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Russlands Präsident Wladimir Putin ist nach Ansicht vieler Experten ein Profiteur des Kriegs im Iran (Archivbild).
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Hohe Ölpreise? Check. Weniger US-Waffen für Kyjiw? Check. Washington ist vom Krieg in der Ukraine abgelenkt? Check. Europa ist besorgt über die massiv gestiegenen Energiekosten? Check. Spannungen innerhalb des Westens? Check.
Putin darf sich freuen – dank Donald Trump, der zusammen mit Israel Krieg gegen Israel führt. Laut Meinung vieler Experten ist Russland ein Profiteur von der Eskalation im Nahen Osten.
„Der Krieg lenkt Trump von der Ukraine ab“
Knapp drei Wochen nach Beginn der heftigen Luftangriffe der USA und Israels gerät die Regierung in Teheran – Russlands engster Partner im Nahen Osten – unter Druck und Moskau muss weitgehend hilflos von der Seitenlinie zusehen.
Der US-Präsident hatte gehofft, dass das Regime schnell kapitulieren würde. Ein Irrtum. Stattdessen ist es Trump selbst, der immer mehr in Bedrängnis gerät. Und auch für Europa hat sein Krieg Konsequenzen. Und über diese Gemengelage dürfte der Kreml einigermaßen zufrieden sein.
„Ich glaube, dass dies die Sicherheits- und Wirtschaftslage in Europa verkompliziert. Und es lenkt Trump von der Ukraine ab, und all das wird Moskau viel zusätzlichen Spielraum verschaffen“, erklärt Sam Greene, langjähriger Russlandexperte und Professor für russische Politik am King’s College London laut „RFE/RL“.
Europäische Politiker könnten seiner Meinung nach anfangen, ihre Bereitschaft zur Unterstützung der Ukraine und ihre Haltung gegenüber Russland zu überdenken. „Genau solche Dinge spielen Putin in die Hände.“
Hohe Energiepreise: eine „Rettungsleine“ für Putin?
Die massiv gestiegenen Ölpreise spielen eine entscheidende Rolle dabei. Es sind vor allem Öl- und Gasexporte, die Russlands Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Westliche Sanktionen haben diese Einnahmen jedoch geschmälert. Der Iran-Krieg hat die Ölpreise in die Höhe getrieben, was Moskau zusätzliche Einnahmen beschert. Für Putin eine willkommene Entwicklung, da die russische Wirtschaft zuletzt schwächelte und im Begriff war, in eine Rezession abzurutschen.
Die hohen Energiepreise könnten nun „eine Rettungsleine“ für Putin sein, sagt Katja Bego, Senior Research Fellow im Europa-Programm von Chatham House. Nicht nur für die russische Wirtschaft. Die hohen Preise könnten auch dafür sorgen, dass einige europäische Länder ihre Ukraine-Haltung überdenken, weil der Druck zu hoch ist.
„Moskaus ideales Szenario für einen Krieg im Nahen Osten ist nicht ein schneller Sieg oder eine katastrophale Eskalation, sondern ein Konflikt von moderater Dauer und Intensität, der die Ölpreise hochhält, ohne die Weltwirtschaft wesentlich zu beeinträchtigen“, erklärte Aleksandra Prokopenko, eine ehemalige Beraterin der russischen Zentralbank, in einem Beitrag auf X.
„Europa ist für Putin das letzte, aber wichtigste Spielfeld“
„Der Nutznießer dieses Kriegs ist Putin, der seine Kassen mit Ölgeldern füllt, und die Unterstützung für die Ukraine wird gekürzt“, sagte Richard Shirreff, ehemaliger britischer General und Ex-stellvertretender NATO-Oberbefehlshaber, kürzlich gegenüber CNN. Europa und Kanada müssten ihre Unterstützung für die Ukraine „unbedingt verdoppeln“, meint er.
Mit dem Iran ist nach Syrien und Venezuela ein weiterer Verbündeter für Putin weggefallen – der könne sich nun voll auf Europa und die Ukraine konzentrieren, „das letzte, aber gleichzeitig wichtigste Spielfeld“, so beschrieb es Militärexperte Carlo Masala im Podcast von Paul Ronzheimer.
Hinzu kommt: Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Ukraine sich gegen die zahlenmäßig überlegene russische Armee verteidigen konnte, sind die westlichen Waffensysteme. Im Nahen Osten wurde von den USA innerhalb kürzester Zeit eine ganze Jahresproduktion an Luftverteidigung verschossen, sogenannte Interzeptoren. Die wiederum könne nicht so schnell nachproduziert werden. „Und das alles wird der Ukraine fehlen. Weil es nirgends außer in den USA zu beschaffen ist.“
Die Waffenlieferung in die Ukraine gerate ins Stocken. „Dann wird es noch schwieriger, ukrainische Städte wie Kjiw oder andere gegen russische Angriffe zu schützen“, so der Experte. „Der Krieg, den wir jetzt gerade beobachten, hat für die Ukraine und für uns Europäer negative Konsequenzen.“
Ähnlich beschrieb es Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit der BBC: „Für Putin ist ein langer Krieg im Iran ein Gewinn“, sagte er. „Neben den Energiepreisen bedeutet das die Erschöpfung der US-Reserven und der Luftverteidigungshersteller. Wir erleben also eine Ressourcenknappheit.“ Zudem sind auch die Friedensgespräche zum Stillstand gekommen.




