Die einfache Gurke wird derzeit in russischen Supermärkten zum Gradmesser für die steigenden Preise und die Inflation im Land. Der Krieg kommt immer mehr im Portemonnaie der Menschen an. Die Wut wächst.
Große Wut in Putins SupermärktenLage spitzt sich zu: „Was sollen die Leute denn tun?“

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Blick in einen russischen Supermarkt in Moskau im Dezember 2025: Die Preise für Gurken haben sich innerhalb weniger Wochen verdoppelt.
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Die Gurke ist in Russland – ähnlich wie auch in Deutschland – unverzichtbar: Sie gehört in russische Salate und Gerichte, von Malossolnyje bis Olivier-Salat, und ist ein Grundnahrungsmittel.
Doch seit Dezember haben sich die Preise für Gurken nahezu verdoppelt. Viele Kundinnen und Kunden sind sauer über die Situation an den Supermarktkassen, das hat bereits einige russische Politiker auf den Plan gerufen. Und auch die russische Kartellbehörde ermittelt bereits.
Gurkenpreis hat sich innerhalb weniger Wochen verdoppelt
Laut offiziellen Statistiken liegt der Preis für Gurken nun im Durchschnitt bei etwas über 300 Rubel (3,91 US-Dollar) pro Kilogramm – etwa doppelt so viel wie noch Ende des vergangenen Jahres. In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Bilder, auf denen Gurken teilweise für mehr als das Doppelte oder sogar das Dreifache verkauft werden.
Auch russische Zeitungen haben bereits das Thema aufgenommen: Die „Moskowski Komsomolez“ berichtete schon Anfang Februar: „Gurken zum Preis von Avocados“.
Preisschock in Putins Reich – der Alltag in Russland wird im Zuge seines Krieges gegen die Ukraine immer teurer. Nach Angaben von „Reuters“ sind die Verbraucherpreise seit Januar noch einmal um 2,1 Prozent gestiegen, nachdem die russische Regierung die Mehrwertsteuer angehoben hatte. Dadurch soll der Staatshaushalt entlastet werden, der massiv unter Druck geraten ist.
Gurken als Symbol für den teuren russischen Alltag
Gurken sind nun – nach Kartoffeln im vergangenen Jahr – zu einem weiteren Symbol für den teuren Alltag in Russland geworden. In einigen Supermärkten in Sibirien soll die Abgabemenge pro Kunde bereits begrenzt worden sein.
Die Wut ist groß, doch es regt sich Widerstand: Ein Abgeordneter der Regierungspartei hat in den Sozialen Medien versucht, das Problem herunterzuspielen, sei jedoch von Nutzern scharf kritisiert worden, so „Reuters“. „Die Preise für Gurken und Tomaten sind unverschämt“, schrieb eine Frau namens Svetlana wwütend. „Früher hieß es, Eier seien ‚golden‘ (weil sie so teuer waren). Jetzt sind es die Gurken, die golden sind.“
Die Kommunistische Partei und die Partei Gerechtes Russland fordern nun, die Aufschläge des Einzelhandels auf Grundnahrungsmittel zu deckeln. Auch die Kartellbehörde hat die Hersteller und Einzelhändler angeschrieben und sie aufgefordert, die Preiserhöhungen zu erklären.
„In diesem Winter ist eine neue Delikatesse aufgetaucht: Gurken“
„In diesem Winter ist eine neue ‚Delikatesse‘ in unseren Läden aufgetaucht – Gurken“, wird Sergei Mironov, Fraktionsvorsitzender der Partei Gerechtes Russland, zitiert. Er merkte an, dass das Landwirtschaftsministerium die starken Preisanstiege bei Gurken mit der „Saisonalität“ begründet habe. „Dieselbe Erklärung gab es schon letztes Jahr für die ‚goldenen‘ Kartoffeln, und jetzt sind es die ‚vergoldeten‘ Gurken“, so Mironov wütend.
Er fragt: „Was sollen die Leute denn tun? Einfach hinnehmen, dass sie sich nicht einmal die einfachsten Lebensmittel leisten können?“
Die russische Zentralbank hat für dieses Jahr eine jährliche Inflation von bis zu 5,5 Prozent prognostiziert. Die Menschen in Russland beklagen sich längst nicht nur über steigende Lebensmittelpreise, sondern auch über teure Strom-, Wasser- und Heizkosten, Benzinpreise, oder Restaurantrechnungen.



