Wurde bei der Online-Plattform Temu in den USA etwa Menschenfleisch angeboten?
„Hätte nicht passieren dürfen“Bizarre Anzeige: Menschenfleisch bei Temu?

Copyright: EXPRESS (KI-generiert)
Eine Anzeige in den USA sorgte für einigen Wirbel. Das Symbolbild wurde maschinell erstellt.
Was zunächst wie eine absurde Legende klingt, hat tatsächlich stattgefunden: Bei einer Google-Suche nach „Temu food“ erschien in den USA eine Anzeige des chinesischen Discounters, in der ein Produkt als „human meat“ – also Menschenfleisch – beworben wurde. Die verstörende Anzeige enthielt ein Bild von etwas, das wie Dosenfleisch aussah. Der Tech-Kolumnist John Herrman vom „New York Magazine“ ist der Sache nachgegangen.
Temu selbst erklärte gegenüber Herrman, die Anzeige „hätte nicht erscheinen dürfen“ und sei das Ergebnis eines „Fehlers im automatisierten Anzeigensystem“, der schnell behoben worden sei.
Was hat es mit dem Menschenfleisch auf sich?
Die wahrscheinlichste Erklärung: Ein Verkäufer hatte Produktinformationen hinterlegt, die sein Angebot in Suchanfragen von Tierfutter abgrenzen sollten – und ein KI-gestütztes SEO-Tool interpretierte diese Angaben so unglücklich, dass am Ende die Phrase „human meat“ in einer öffentlich ausgespielten Anzeige landete. Immerhin: In der eigentlichen Produktliste auf Temus Website tauchte der Begriff nie auf – nur im Link, der dorthin führte.
Der eigentliche Kern dieses bizarren Fehlers ist allerdings ein anderer: Temu, laut einigen Statistiken die meistgenutzte E-Commerce-App der Welt, verkauft inzwischen auch frische Lebensmittel – und das ist für sich genommen schon eine merkwürdige Entwicklung.
Das 2022 in den USA gestartete Tochterunternehmen des Shanghaier Konzerns Pinduoduo wurde groß mit ultrabilligen Produkten, die direkt aus chinesischen Fabriken verschifft wurden, und mit aggressiven Marketingkampagnen. In Deutschland ist Temu seit 2023 aktiv.
Temu setzt vermehrt auf Lebensmittel – auch auf frische Ware
Das Modell in den USA funktionierte, solange die Zollschlupflöcher offen waren – doch die Biden-Regierung begann, sie zu schließen. Die Trump-Regierung vollendete diesen Schritt dann – und legte noch Zölle auf chinesische Waren obendrauf. Für Temu brach damit das Fundament des Geschäftsmodells in den USA weg.
Als Reaktion stellte das Unternehmen auf Lager um, die es in den USA selbst betreibt, warb mehr US-amerikanische Händler an und erweiterte sein Sortiment massiv – auf inzwischen über 700 Kategorien, von Schuhen über Möbel bis eben zu Lebensmitteln.
Das Ergebnis ist ein wirres Angebot, das weniger nach einem handfesten Konzept aussieht als nach einer zufälligen Ansammlung von Tausenden unabhängigen Verkäufern. Hühnchen zu überteuerten Preisen, internationale Snacks aus anonymen Lagerhallen, Honig aus Texas. Am meisten Aufsehen erregt bislang das rohe Fleisch – Ribeye-Steaks aus Brooklyn, die auf TikTok als Temu-Sensation gefeiert werden.
Temu steht in der Kritik
Auch in Europa will Temu groß ins Lebensmittelgeschäft einsteigen und suchte bereits letztes Jahr nach Lieferanten hierzulande. Bei Temu wurde extra ein Team zum Bereich Konsumgüter aufgebaut.
Herrman sieht die Temu-Steaks als Symbol für einen tiefgreifenden Wandel: Das Unternehmen, das sich jahrelang als Paradies für billige Kuriositäten aus Fernost vermarktet hat, versucht nun, sich als vollwertiger Marktplatz für den amerikanischen Alltag neu zu erfinden – ähnlich wie Amazon es vor Jahren vorgemacht hat.
Ob das gelingt, ist offen. Und ob dabei noch weitere algorithmische Ausrutscher passieren, die „Menschenfleisch“ ins digitale Schaufenster stellen, ebenfalls. Verbraucherschützer kritisieren Temu auch in Deutschland schon länger. Die Kritik bezieht sich zum Beispiel auf giftige Stoffe in Produkten bis hin zu mangelnden Sicherheitsstandards. (mg)
