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Teurer Zukunfts-TraumStudie zeigt, wo der Einsatz sinnvoll ist – und wo nicht

Wasserstoff-Leitungen

Copyright: Jan Woitas/dpa

Wasserstoff hat viele mögliche Anwendungsbereiche - nicht überall wird er sich durchsetzen.

Ist der Traum vom Wasserstoff ausgeträumt? Eine Analyse deckt die harten Fakten auf.

Für die Energiewende, auch in Köln und Umgebung, wird Wasserstoff oft als großer Heilsbringer gefeiert. Aber kann er dieses Versprechen halten? Eine brandneue, tiefgehende Analyse von mehr als 100 Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) liefert ein ernüchterndes Bild, so meldet die dpa. Die Quintessenz: Wasserstoff hat seine Berechtigung, ist aber keineswegs ein Allheilmittel.

Dieses Fazit könnte für zahlreiche Menschen eine herbe Enttäuschung darstellen. Die Untersuchung, welche der dpa vorab zur Verfügung stand, verdeutlicht nämlich: In einigen Sektoren ist der Einsatz von Wasserstoff alternativlos, während er in anderen schlichtweg unwirtschaftlich und ineffektiv ist.

In diesen Bereichen ist Wasserstoff ein echter Gewinn

Wo also kann der gehypte Stoff punkten? Hauptsächlich in der Industrie, zum Beispiel bei der Produktion von Stahl oder in Raffinerieanlagen. Ein großes Potenzial erkennen die Wissenschaftler ebenfalls im Verkehrswesen – jedoch nicht für das private Auto. Die Verfasser der Studie schreiben: «Besonders hohe Relevanz besitzt Wasserstoff dort, wo direkte Elektrifizierung an physikalische oder wirtschaftliche Grenzen stößt». Dies gilt insbesondere für den Gütertransport auf der Straße, die globale Seefahrt und den Flugverkehr.

Abschluss der Befüllung der ersten Wasserstoff-Pipeline

Copyright: Stefan Sauer/dpa

Für größere Entfernungen sind Leitungen die sinnvollste Art, Wasserstoff zu transportieren. (Archivbild)

Heizung und Auto: Besser die Finger davon lassen?

Für Hausbesitzer, die mit einer Wasserstoff-Heizung geliebäugelt haben, gibt es eine Hiobsbotschaft. Hauptautor Nils Bittner macht unmissverständlich deutlich: «Wasserstoffheizungen sind zwar technisch machbar, für den Einsatz in privaten Haushalten jedoch nicht kosteneffizient.» Die Begründung dafür: «Auf absehbare Zeit wird nicht ausreichend kostengünstiger Wasserstoff für einen flächendeckenden Einsatz verfügbar sein.»

Die Situation beim Pkw ist ebenfalls kontrovers. Es existieren zwar Fahrzeuge mit Brennstoffzelle, aber zahlreiche Studien bewerten batterieelektrische Modelle als wesentlich effizienter. Die Vision eines Wasserstoff-Fahrzeugs in jeder Garage rückt damit in weite Ferne.

Kosten und Umwelt: Die ungeschminkte Wahrheit

Ein echter Schockmoment ist die Betrachtung von Preis und Herstellung. Aktuell wird Wasserstoff dem Report zufolge «nahezu vollständig» aus fossilen Energieträgern wie Erdgas und Kohle gewonnen – und ist damit keineswegs umweltfreundlich. Für diesen sogenannten „grauen“ Wasserstoff zahlt man 1 bis 2 US-Dollar je Kilogramm.

Echter „grüner“ Wasserstoff, der mit Elektrizität aus Solar- oder Windkraft produziert wird, ist mit einem Preis von 7 bis 19 Dollar je Kilo um ein Vielfaches kostspieliger. Die Voraussage ist ernüchternd: Selbst im Jahr 2030 dürfte er immer noch wenigstens das Doppelte der umweltschädlichen Alternative kosten. Laut den Verfassern wird nachhaltiger Wasserstoff «voraussichtlich erst in den 2030er Jahren in größerem Umfang verfügbar sein».

Wasserstoff-Lkw

Copyright: Hendrik Schmidt/dpa

Der Schwerlastverkehr gilt als wichtiger Einsatzbereich für Wasserstoff. (Archivbild)

Was das für die Energiewende in Deutschland heißt

Um den deutschen Bedarf vollständig mit grünem Wasserstoff zu befriedigen, wären bis zum Jahr 2030 etwa 160 Terawattstunden zusätzlicher Strom aus erneuerbaren Quellen nötig. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag die gesamte Erzeugung aus Erneuerbaren in Deutschland bei circa 250 Terawattstunden. Die Bundesrepublik bleibt also auf lange Sicht von Einfuhren abhängig. Überdies wird die Errichtung eines Pipelinenetzes Milliardenbeträge verschlingen.

Obgleich Europa und die Bundesrepublik einst eine Spitzenposition bei der entscheidenden Elektrolyse-Technik für die Wasserstoffproduktion innehatten, hat sich die Lage komplett gedreht. In der Analyse steht: «Insbesondere China hat seine Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut und nimmt inzwischen eine zentrale Rolle in der globalen Elektrolyseurfertigung ein». (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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