Abo

Hürther Sammler verzweifeltHilfe, ich ersticke in meinen Bildern

Thomas B. Schumann aus Hürth steht inmitten seiner Kunstsammlung.

Copyright: Alexander Schwaiger

Der Sammler und Verleger Thomas B. Schumann sehnt einen Ausstellungsort für seine Bilder und Bücher herbei.

Aktualisiert:

Die Sammlung Schumann ist den Kennern in der Kunstszene ein Begriff. Für den aus Köln stammenden Sammler Thomas B. Schumann ist sie Traum und Alptraum zugleich.

Die Leute vom Fach waren schon da. Sie haben jedes Gemälde vermessen, Fotos gemacht und alles katalogisiert. Im Bungalow des Kölner Literaturexperten, Kunstsammlers und Verlegers Thomas B. Schumann (73) sind Bilder und Bücher allgegenwärtig. Eine sagenhafte Sammlung, auf die Schumann stolz ist – aber sie bringt ihn an den Rand der Verzweiflung.

Denn: Wohin mit den 1000 Gemälden und den 50000 Büchern? „Das ist schon ein Schatz, ein Pfund, mit dem eine Stadt und ein Museum wuchern könnten“, sagt der Sammler. In seinem Haus, einem Flachbau in Hürth-Efferen, stapeln sich neben den Regalen noch Tausende Bücher auf Tischen, Hunderte sehenswerte Gemälde hängen eng an eng an den Wänden, sie stehen in Reihen auf dem Teppichboden oder sind auch auf dem Wohnzimmersofa abgelegt. Im Bungalow ist fast kein Durchkommen mehr.

Das Sammeln als Lebenselixier

Das Sammeln von sogenannter Exilliteratur und -kunst, also von Büchern und Bildern von unter der Nazi-Herrschaft emigrierten Schriftstellern und Malern aus dem deutschsprachigen Raum, ist seit seiner frühen Jugend das Lebenselixier des aus Köln-Lindenthal stammenden Schumann.

Thomas B. Schumann aus Hürth inmitten seiner Bücher.

Copyright: Alexander Schwaiger

Literatur ist sein Leben: Thomas B. Schumann hat 50000 Bücher in seinem Haus - er hat selbst einen kleinen Verlag.

1968 war dieses ewige Feuer in dem damals 15-Jährigen entbrannt, als er mit seinen Eltern in die Schweiz fuhr und sie nach Kilchberg kamen, den Ort, in dem Thomas Manns Witwe Katia lebte. Thomas B. Schumann, ein literaturbegeisterter Gymnasiast, folgte einem Impuls, klingelte und bat das Hausmädchen um ein Autogramm der Witwe. Was dann folgte, war für den Schüler umwerfend: Er erhielt von Katia Mann eine Buddenbrooks-Ausgabe mit einer persönlichen Widmung. Er schrieb später einen Dankesbrief, so dass sogar ein persönlicher Kontakt entstand und man sich zum Gespräch über Thomas Mann traf.

In den bald 60 Jahren, die seit Kilchberg vergangen sind, hat Schumann Hunderte Autoren angeschrieben und aufgesucht, er ist Größen wie Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“), dem Dichter Paul Celan und der Kölner Autorin Irmgard Keun begegnet. Er hat Tausende Bücher mit Widmungen und verlegt auch selbst Werke von Exil-Autoren („Edition Memoria“), so hat er mehrere Bücher des erst kürzlich im Alter von 103 Jahren verstorbenen jüdischen TV-Journalisten und Autors Georg Stefan Troller herausgegeben – Troller, der in Paris lebte, hat Schumann auch in Hürth besucht.

Aber es ist vor allem seine Bildersammlung, für die Thomas B. Schumann eine Lösung herbeisehnt. „Ich habe Kunstwerke, die die Künstler vor, im und nach dem Exil gefertigt haben. In kleineren Ausstellungen werden sie immer wieder gezeigt. Viele Museen und Besucher sind davon begeistert.“

Schumann hat für seine Kollektion in internationalen Auktionshäusern nach Schnäppchen Ausschau gehalten, er hat Angehörige von Künstlern aufgesucht und Werke abgekauft, manchmal hat er auch ein Bild geschenkt bekommen.

Ein Bild aus der Sammlung Schumann.

Copyright: Alexander Schwaiger

Die Malerin Edith Kramer (1916-2014) stammte aus Wien – das Bild entstand in New York, wo sie gelebt hat. Sie war 1938 emigriert. Kramer wurde bekannt als Begründerin der Kunsttherapie für Kinder. Sie starb im Alter von 97 Jahren.

Schumanns Traum ist es, sein Lebenswerk für die Nachwelt zu erhalten und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Er habe keine Kinder und keine direkten Erben. Schumann schildert, er habe beispielsweise der damaligen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei einer Gelegenheit persönlich ein Schreiben übergeben, in dem er das Wesen seiner Sammlung und sein Vorhaben skizziert. Doch habe er später keinerlei Reaktion erhalten.

Anders in Bonn – mit der Stadt hat Schumann vor einigen Jahren einen Vorvertrag „bezüglich der Absicht einer Schenkung“ unterzeichnet. Das Projekt wird „Forum Exilkultur“ bezeichnet. „Doch es zieht sich leider in die Länge. Dabei reden wir hier von einer Schenkung. Ich kriege da keinen Cent für!“, klagt Schumann. Die Stadt Bonn stellt für das Projekt den Umbau eines ehemaligen Bunkers als Ausstellungsort für die Schumann-Sammlung in Aussicht. 

Ein Bild aus der Sammlung Schumann.

Copyright: Alexander Schwaiger

Das Aquarell „Liebespaar“ stammt von Heinz Lohmar. Der gebürtige Troisdorfer lebte später in Köln. Als Kommunist emigrierte er nach Paris und wurde nach dem Krieg Kunstprofessor in der DDR – und Gerhard Richters Lehrer.

Über einen ganzen Sommer lang waren zwei Experten aus Bonn in Schumanns Bungalow, um alle Bilder zu fotografieren und zu vermessen. Anschließend wurde die Sammlung von einer Kunsthistorikerin aus dem Auktionshaus Lempertz bewertet. „Alles schön und gut. Aber es muss auch weitergehen“, stöhnt Schumann: „Die Zeit verrinnt.“

Auf EXPRESS.de-Anfrage verweist Bonns Sport- und Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger darauf, dass das Projekt „Forum Exilkultur“ ein „Bestandteil der noch laufenden Verhandlungen zur Zusatzvereinbarung zum Berlin/Bonn-Gesetz“ sei. Die Zusatzvereinbarung dient unter anderem dazu, die „Region Bundesstadt Bonn“ als ein kulturelles Zentrum und als „Ort der Demokratievermittlung“ zu stärken.

Es existieren demnach bereits eine bauliche Machbarkeitsstudie und eine Konzeptstudie. Der „Zukunftsort für Exilkunst und Demokratie“ soll mitten in Bonn im sogenannten Windeckbunker entstehen, einem mehrgeschossigen historischen Zeugnis und Mahnmal des Nationalsozialismus. Ziel sei ein Dokumentations-, Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum zu historischen und aktuellen Exilerfahrungen, „das Erinnerungskultur und Demokratiebildung stärkt“. „Herzstück“ sei dabei Thomas B. Schumanns Sammlung.

Ein Polizeiauto in der Nacht bei einem Einsatz. (Symbolfoto)

Einbruch in Hürth

Alarm im Bürgerhaus: Wer waren die Täter?