Wieder stehen Bahnen und Busse still. Seit 3 Uhr wird bei den KVB gestreikt.
Warnstreik in Köln und NRWAlles steht still – zeitweise über 250 Kilometer Stau

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Eine mit Streik-Plakaten beklebte Straßenbahn der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) steht vor dem Bahndepot.
Aktualisiert
Warnstreik in Köln – schon wieder! Keine Stadtbahnen nur wenige Busse privater Subunternehmer, dafür volle Straßen, viele Radfahrer und Radfahrerinnen – aber vor allem gestresste und genervte Menschen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Das Verständnis für den erneuten Warnstreik – es sinkt.
Nicht nur in Köln, auch in Bonn und Monheim ist am heutigen Freitag (6. März) der kommunale Nahverkehr weitgehend lahmgelegt. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der KVB, der Stadtwerke Bonn sowie der Bahnen der Stadt Monheim zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Verdi geht davon aus, dass in den betroffenen Unternehmen am Freitag von der frühesten bis zur spätesten Schicht keine Busse und Bahnen fahren.
Zeitweise über 250 Kilometer Stau in NRW am Nachmittag
Am frühen Nachmittag füllten sich die Straßen in und um Köln, der Feierabendverkehr sorgte für einige Wartezeit bei den Pendlern. Insgesamt kam es in NRW zeitweise zu über 260 Kilometern Stau (Stand: 15:30 Uhr). Am frühen Abend ließ der Stau wieder nach.
Laut Verkehrslage vom WDR stockte es vor allem im Osten auf der A59 Richtung Bonn zwischen Dreieck Heumar und Köln-Wahn zeitweise auf sechs Kilometern. Auch auf der A3 Köln Richtung Oberhausen stockte es immer wieder auf mehreren Kilometern zwischen Köln-Dellbrück und dem Kreuz Leverkusen.
Im Westen gab es auf der A1 zwischen Euskirchen Richtung Dortmund dicken Verkehr, da stockte es zwischen Köln-Lövenich und dem Kreuz Leverkusen-West auf rund zehn Kilometern. Hier mussten etwa 20 Minuten mehr eingeplant werden. Im Norden kam es auf der A1 Dortmund Richtung Euskirchen zwischen Köln-Niehl und Lövenich auf etwa vier Kilometern zu stockendem Verkehr.
Einige Busse fahren – das sagen betroffene Kunden und Kundinnen
Die KVB und das Bonner Nahverkehrsunternehmen SWB Bus und Bahn erklärten, dass einige Busse von Subunternehmern fahren. Die eigenen Busse und Bahnen der KVB würden erst zum Betriebsbeginn am Samstag (7. März) wieder unterwegs sein. SWB Bus und Bahn wies darüber hinaus darauf hin, dass bei einem Streik die Mobilitätsgarantie nicht gelte.
Wie schlagen sich die Kölner und Kölnerinnen? „Immer neue Forderungen immer auf Kosten der Kunden. In letzter Zeit fällt ewig die Bahnen immer wieder aus, aber man stellt sich hin, erhöht Fahrkartenpreise, will mehr Geld und an die Kunden wird nicht gedacht. Vor allem, wenn man sich ewig ein Taxi zur Arbeit nehmen muss“, ärgert sich EXPRESS-Leserreporter Tommy.
Auch Weissenburg ist mächtig sauer: „Ich finde kaum noch Worte für das, was sich die KVB ständig und Verdi alle anderthalb bis zwei Jahre leisten. Mangelhafte Leistung und Gewerkschaftsmachtspiele auf dem Rücken derer, die die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen - eine bodenlose Unverschämtheit und dumm dazu, denn so motiviert man Menschen nicht zu einer Verkehrswende, sondern bringt Bahnfahrende dazu, wieder auf das Auto umzusteigen!“
Ein ehemaliger Gewerkschftler schrieb EXPRESS: „Ich war zwölf Jahre Gewerkschaftssekretär und bin aus einem einzigen Grund damals ausgeschieden: Auch der Arbeitgeber hat mal recht, was von der Leitung nicht akzeptiert wurde. Warnstreiks sind ungesetzlich. Lass’ nicht immer der Bürger ‚’bluten‘’.“
Ähnlich sieht es Karl-Heinz W., der schreibt: „Es ist echt unglaublich, dass die KVB schon wieder streikt. Gerade jetzt, wo die Spritpreise explodieren. Da würde sicher der ein oder andere auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Da könnte man so einen Streik auch mal ausfallen lassen. Aber so flexibel ist die Gewerkschaft wohl nicht. Ist der Streik dann vorbei, kommen wieder täglich die Nachrichten über Ausfälle und Verspätungen.“
Ein anderer schreibt uns: „Ich fahre seit Jahren nur noch Rad, kein Auto, keine KVB. Komme überall durch, keine endlosen Wartezeiten an KVB Haltestellen, komme überall pünktlich an, tue etwas für meine Gesundheit, kein im Stau stehen, bekomme immer einen Parkplatz, und vor allem keine Kosten.....Perfekt !!!“
Hier weitere Reaktionen zum Streik:
- Stefan E.: „Dies ist nun der 4. Streik-Tag seit dem 2.Februar 2026, d.h. für Februar und März habe ich bei einem Deutschlandticket-Preis von 63 Euro pro Monat schon 8,55 € für 4 Tage ohne Beförderung bezahlt, und wenn ich mit der KVB fahre, sehe ich auf jeder Anzeigetafel immer Fahrten, die ausfallen, also auch wieder Einnahmen für die KVB, ohne dass sie eine Leistung erbringt. Wenn dann noch Durchsagen von den Fahrern kommen wie: ‚’Ich weiß, dass die Bahn zu spät ist, aber hier gibt es eine Baustelle, wenn sie pünktlich ankommen wollen, müssen sie früher losfahren‘’ dann weiß ich nicht, was die KVB-Verantwortlichen den ganzen Tag machen...“
- R.Marc: „Kauft Euch ein Rad. Fahrt ohne Verspätung zu euren Zielen und kehrt den KVB den Rücken. Am Ende des Jahres sehen die ja was sie an minus eingefahren haben.“
- „Ich verstehe gar nicht, warum sich alle über den Streik bei der KVB aufregen?! Ich betreibe in Köln seit vielen Jahren einen Weinhandel, in dem an vielen Wochenenden Veranstaltungen rund um das Thema Wein stattfinden. Am vergangenen Streik-Wochenende war es, soweit ich mich zurückerinnere, dass alle Veranstaltungsgäste pünktlich eintrafen! Der Grund dafür war der Streik bei der KVB, da alle Gäste ohne Nutzung dieses Verkehrsbetriebes anreisten und nicht von Verspätungen oder Bus- und Bahnausfällen betroffen waren. Fand ich gut!“
- Christine E.: „Dadurch, dass ich keinen Führerschein habe, bin ich durch den Streik natürlich betroffen. Andererseits, da ich viele Fahrer kenne, weiß ich, dass vieles neu geregelt werden muss. Was ‚’hämische' Fahrer angeht, die bei Rot jemanden vor der Nase wegfahren... die KVB richtet sich nicht nach den Verkehrsampeln wie die Autos und der sonstige Verkehr, sondern nach ihren eigenen Zeichen. Und pünktlich zu bleiben in Köln ist größtenteils unmöglich. Ich sag' nur ‚Türaufreisser‘ und die lange Schlange, die unbedingt in der Tür 1 stehen muss, sowie dass das Schienennetz nicht unabhängig vom Restverkehr ist... Ich hoffe, dass sich alles bald regelt, sehe aber eher schwarz.“
- Daniel G.: „Ich stimme jeder negativen Kritik zu. Unpünktlichkeit, rasantes und rücksichtsloses Fahren... Die Forderungen mit den verbundenen Streiks sind unverschämt und aus meiner Sicht nicht mehr gerechtfertigt.“
- Peter R.: „Wie schon viele richtig erwähnt haben, steht der Streik in keinem Verhältnis. Nicht erst seit den letzten Jahren fährt die KVB mit wenig Service, man schaue sich nur mal in den Bahnen um, dreckig und muffig, immer überfüllt, da viel zu kleine Fahrzeuge fahren etc. Ich bin nach 40 Jahren wieder in meine Geburtsstadt zurückgezogen, vieles hat sich verändert, die KVB aber nicht zum Besten. Die Fahrten sind teuer und teils zuckelt die Bahn vor sich hin wie in den 70er Jahre. Ein Streik ist nicht gerechtfertigt, sondern ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die auf diese maroden Verkehrsmittel angewiesen ist.“
Trifft euch der erneute Warnstreik auch hart? Wie kommt ihr heute von A nach B? Habt ihr Verständnis für die Aktion? Meldet euch bei uns!
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Hier gibt's aktuelle Infos der KVB zu den Fahrten
Sind weitere Warnstreiks bekannt?
In mehreren Städten des Ruhrgebiets müssen Fahrgäste an diesem Samstag (7. März) mit massiven Einschränkungen im Nahverkehr rechnen. Verdi ruft die Beschäftigten der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra), der Straßenbahn Herne – Castrop-Rauxel GmbH (HCR) und der Vestischen in Herten für diesen Tag zu einem ganztägigen Warnstreik auf.
Auch auf der EXPRESS-Facebookseite wird über den Streik kontrovers und emotional diskutiert.
Auch Veranstaltung in der Lanxess Arena und Fußball-Spiel betroffen
In der Kölner Lanxess-Arena tritt am Freitagabend Komiker Ralf Schmitz mit seinem Programm „Spitzfindigkeiten“ auf. Die Straßen im Kölner Stadtgebiet dürften dann voller sein, weil viele Menschen auf das Auto umsteigen müssen. Die Lanxess-Arena hat bereits darauf hingewiesen, das Auto besser stehenzulassen, um nicht im Stau steckenzubleiben. Die KVB empfiehlt an Streiktagen, das KVB-Rad zu nutzen.
Am Samstag von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht keine Busse und Bahnen fahren. Die Streikmaßnahmen werden laut der Gewerkschaft damit auch das Zweitliga-Heimspiel des VfL Bochum betreffen, der am Samstagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern antritt.
Welche Verkehrsalternativen gibt es?
S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht von dem Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr von NRW betroffen und können etwa innerhalb der Großstädte genutzt werden, um ein großes Stück voranzukommen. Die Bahnen der Stadt Monheim wiesen auch auf Stadträder als eine Alternative hin.
Der ADAC rät zu Fahrgemeinschaften und für kurze Strecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten, etwa Leihräder oder Elektroscooter. Vor allem am Freitagnachmittag sei mit Staus und zähflüssigem Verkehr zu rechnen, wenn Berufsverkehr und Freizeitverkehr aufeinandertreffen.
Müssen Schulkinder trotzdem zur Schule?
Das NRW-Schulministerium hatte bei vorangegangenen Warnstreiks im Nahverkehr darauf hingewiesen, dass Schulpflicht besteht: „Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin.“
Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt?
Der Tarifkonflikt für die etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW besteht nach zwei ergebnislosen Treffen weiter.
Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.
Wie viel Geld verdient eigentlich ein Fahrer bzw. eine Fahrerin - wir haben nachgefragt.
Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen
Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze. (dpa)


