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Prozess in KölnTürsteher fast totgetreten – Haupttäter packt aus

Der Angeklagte links (mit Verteidiger Frank Hatlé) gilt als Initiator, der Beschuldigte rechts (mit Verteidiger Michael Diwo) soll den Angriff gestartet haben.

Copyright: Hendrik Pusch

Der Angeklagte links (mit Verteidiger Frank Hatlé) gilt als Initiator, der Beschuldigte rechts (mit Verteidiger Michael Diwo) soll den Angriff gestartet haben.

Weil ein Kumpel nicht in die Kneipe durfte, nahmen junge Männer blutige Rache. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Vor dem Landgericht in Köln stehen fünf junge Männer. Die Anklage ist erschütternd: versuchter Mord. Ihnen wird vorgeworfen, in Nippes den Türsteher (56) einer Gaststätte auf der Florastraße nach Dienstende überfallen und beinahe umgebracht zu haben.

Der Auslöser, den die Hauptbeschuldigten einräumten, ist schockierend banal: Der Sicherheitsmann hatte eine Woche davor einem Freund der Täter den Einlass verweigert. Die Staatsanwältin nannte es einen Angriff „aus nichtigem Anlass“.

Der heimtückische Plan nach Schichtende

Die Staatsanwaltschaft sieht das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an. Demnach lauerte die Gruppe im vergangenen September in der Nähe des Lokals. Sie warteten, bis die Kneipe am frühen Samstagmorgen zusperrte. Als der Türsteher zu seinem geparkten Fahrzeug ging, wurde er überfallen. Ein 19-Jähriger soll den Angriff gestartet haben. In der Anklageschrift heißt es dazu: „Der Angeklagte packte den vollkommen überraschten Geschädigten und stieß ihn zu Boden“.

Sofort trafen zwei Tritte den Kopf, dann stießen die Komplizen aus einer Gasse hinzu. Obwohl das Opfer um Hilfe schrie, traten die jungen Männer unaufhörlich auf seinen Oberkörper und Kopf ein.

Die Staatsanwältin betonte: „Er war der Situation völlig ausgeliefert“. Auch als der Türsteher sich nicht mehr rührte, ließ die Gruppe nicht von ihm ab. Ein Angeklagter soll dem am Boden liegenden Mann noch mindestens sechs weitere Male in den Rücken getreten haben.

Einer der Beschuldigten soll dabei „Wach auf, du Hurensohn“ gebrüllt und mit einem Flaschenhals zugestochen haben. Anschließend habe er noch zweimal mit voller Wucht gegen den Kopf des Opfers getreten. Daraufhin ergriff die Gruppe die Flucht und ließ den Mann zurück. Sie sollen von seinem Tod ausgegangen sein oder ihn zumindest in Kauf genommen haben. Das Opfer überlebte schwer verletzt mit gebrochenen Rippen und einem gebrochenen Lendenwirbel.

Die fünf Angeklagten mit ihren Verteidigerinnen beim Prozessauftakt in Saal 112 des Kölner Landgerichts

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Die fünf Angeklagten mit ihren Verteidigerinnen beim Prozessauftakt in Saal 112 des Kölner Landgerichts

Nach der brutalen Tat suchte die Kölner Polizei nach den geflohenen Angreifern. Am Ort des Geschehens wurde eine Lachgasflasche sichergestellt. Die Ermittler schrieben dazu: „Der Gegenstand wird nun auf Spuren untersucht“. Eine eingerichtete Mordkommission analysierte zügig Videomaterial von Überwachungskameras aus der Nachbarschaft. So konnte die Gruppe identifiziert werden – einige der Verdächtigen stellten sich anschließend freiwillig den Behörden.

Haupttäter packt vor Gericht aus

Anwalt Frank Hatlé kündigte an, dass sein Mandant als erster sprechen werde. Der Hauptangeklagte sagte: „Ich denke, ich muss am meisten Verantwortung übernehmen“, und ergänzte: „ich will alles erzählen“. Er berichtete, wie er eine Woche vor der Tat mit Kumpels in dem Lokal feierte und ein Freund nicht reingelassen wurde. „Meine Laune war nicht gut, ich wollte etwas geraderücken“, erklärte der junge Mann. Aus diesem Grund habe er den Autospiegel des Türstehers abgetreten.

Auf die Reaktion des 56-Jährigen sei er nicht vorbereitet gewesen. Dieser soll einen Schlagstock gezückt und fünf weitere Männer zur Verstärkung geholt haben. Der junge Mann schilderte: „Ich bin dann abgehauen und bei der Musikschule über den Zaun gesprungen“, und weiter: „ich wusste gar nicht, was ich dann machen sollte.“ Erst nach rund zehn Minuten sei „die Luft rein“ gewesen, woraufhin er den Heimweg antrat. Diese Erfahrung wollte der 19-Jährige anscheinend nicht einfach so hinnehmen.

Angeklagte hoffen auf mildere Strafe

Als sein Freund den Türsteher eine Woche später umstieß, sei er dazugerannt und habe auf den Mann eingeprügelt und eingetreten. „Ich war in einem Wahnzustand, mein Bauch war voller Wut“, so die Erklärung des Angeklagten. Im Anschluss an die Tat sei er ziellos umhergelaufen und habe randaliert. Eine Zigarette habe ihn schließlich wieder zur Ruhe gebracht. Ein Video der Tat, das ihm Freunde am Folgetag vorführten, habe ihn entsetzt: „da war ich echt schockiert von mir, da habe ich Bauchschmerzen bekommen“.

Zum Einsatz des Flaschenhalses oder zu seinen Komplizen machte der Angeklagte keine Angaben. „Die Bilder sind so verschwommen“, sagte er auf eine Frage des Vorsitzenden Richters Ansgar Meimberg. Ein Mitangeklagter äußerte sich ebenfalls: „Ich wollte nur den Anfang machen und dann weg.“ Das Opfer leidet Berichten zufolge bis heute unter schweren Folgen der Tat. Allen fünf Beschuldigten droht eine Verurteilung für versuchten Mord. Wegen ihres jugendlichen Alters könnte jedoch das mildere Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen. Der Prozess geht weiter (red).

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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