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Abi machte er in NiehlKölner Milliardär verlässt Unternehmen – kein Auto, kein Fernseher

Die Biontech Gründer Ugur Sahin (l) und Özlem Türeci bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz in der Staatskanzlei in Mainz (Archivfoto)

Copyright: Boris Roessler/dpa

Die Biontech Gründer Ugur Sahin (l) und Özlem Türeci bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz in der Staatskanzlei in Mainz (Archivfoto)

Der gebürtige Kölner Ugur Sahin und Özlem Türeci waren die Gesichter von Biontech – dem Unternehmen, das mit dem Partner Pfizer die erste Zulassung für einen Corona-Impfstoff bekam. Nun wagt das Forscher-Ehepaar noch einmal Neues.

Die Impfstoff-Pioniere und Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das in der Corona-Pandemie weltweit bekannt gewordene Unternehmen verlassen und ein neues gründen. Die Eheleute scheiden spätestens Ende 2026 aus, dann enden ihre aktuellen Dienstverträge, wie Biontech in Mainz mitteilte.

Ihr neues Biotechnologie-Unternehmen soll sich demnach auf die Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen. Anteilseigner von Biontech wollen die Eheleute aber bleiben, derzeit halten sie nach Unternehmensangaben rund 15 Prozent.

Rechte und Technologien gehen an neues Unternehmen

Geplant ist laut Biontech, Rechte und mRNA-Technologien in das neue Unternehmen einzubringen. Im Gegenzug bekomme Biontech eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren. Auch seien Meilensteinzahlungen vereinbart worden, Biontech wird also bei Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte Geld von dem neuen Unternehmen erhalten. Eine bindende Vereinbarung hierzu soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 abschlossen werden, erklärte Biontech.

Sahin und Türeci hatten Biontech 2008 gegründet. Ziel war die Entwicklung von Krebstherapien auf mRNA-Basis. In der Corona-Pandemie wurden kurzerhand dann alle Kapazitäten der Mainzer in die Entwicklung eines mRNA-Vakzins gegen Covid-19 gesteckt - mit Erfolg. Das Unternehmen gewann das Wettrennen gegen eine Reihe von Mitbewerbern und erhielt gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Corona-Impfstoff.

Biontech verdiente in der Folge Milliarden und expandierte kräftig. Sahin und Türeci erhielten zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter 2021 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2022 gemeinsam mit ihrer einstigen Weggefährtin und späteren Nobelpreisträgerin Katalin Karikó den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis, einen der wichtigsten Medizinpreise Deutschlands.

Jahre nach der Pandemie sind Gewinn und Umsätze bei Biontech wieder deutlich geschrumpft, und obwohl das Geschäft mit dem Corona-Vakzin in weiterläuft, steht längst wieder die Forschung an mRNA-Therapien gegen Krebs und andere Krankheiten im Mittelpunkt.

Sowohl Sahin als auch Türeci sind Kinder türkischer Einwanderer

Nach wie vor ist das Vakzin das einzige Biontech-Produkt am Markt, das regelmäßig weiterentwickelt wird. Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf mehreren späten klinischen Studien für Krebspräparate. Biontech peilt bis 2030 mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Therapien an.

Und warum nun der Ausstieg Sahins und Türecis? „Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten“, sagte Sahin in einer Mitteilung. Es sei schon immer ihre Vision gewesen, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen. Nun biete sich die Chance, die nächste Generation an Innovationen zu erschließen.

Sowohl Sahin als auch Türeci sind Kinder türkischer Einwanderer. Sahin zog im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Köln, wo sein Vater bei Ford arbeitete. Sein Abitur machte Sahin am Erich-Kästner-Gymnasium in Niehl.

2024 soll sein Vermögen, laut verschiedenen Schätzungen 3,32 Milliarden Euro, betragen haben. Bestätigt, ist diese Summe offiziell nicht.

Trotz des Erfolgs bleibt Ugur Sahin bodenständig. Er und seine Frau besitzen weder ein Auto noch einen Fernseher.

Türeci wuchs im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg auf, ihr Vater arbeitete als Arzt in einem katholischen Krankenhaus. Die beiden lernten sich während ihrer medizinischen Ausbildung an der Uniklinik im saarländischen Homburg kennen, gemeinsam gingen sie später nach Mainz.

Die Ankündigung dieses Schritts erfolgt einige Monate nach einem großen Deal in der deutschen Biotechnologie-Branche. Biontech hatte den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff, das Tübinger Unternehmen Curevac, übernommen. Zuvor hatten Biontech und Curevac ihren Streit um Corona-Vakzin-Patente beigelegt.

Nach dem angekündigten Abschied von Sahin und Türeci hat der Aufsichtsrat von Biontech nun damit begonnen, Nachfolgerinnen und Nachfolger für die beiden zu suchen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, wie es hieß. Sahin und Türeci hätten im Laufe ihrer Karriere immer wieder ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt, sagte Aufsichtsratschef Helmut Jeggle. Man unterstütze sie bei ihrer Entscheidung, „die Chance zu ergreifen ihre Stärken und volle Aufmerksamkeit einem neuen Unternehmen zu widmen, um das volle Potenzial von mRNA-basierten Technologien auszuschöpfen.“

Wie das neue Unternehmen heißen, wo es sitzen und welche Gesellschaftsform es haben wird, ist noch nicht bekannt. Es soll aber definitiv keine Tochtergesellschaft von Biontech werden. Für Sahin und Türeci ist es nach Biontech (2008) und Ganymed Pharmaceuticals (2001) die dritte Gründung.

Sahin: Biontech sehr gut aufgestellt

Das Impfstoffgeschäft von Biontech und die weitere Entwicklung der Pipeline mit möglichen neuen Produkten bleibe von dem Ausstieg der beiden unberührt, betonte Biontech. Sahin sagte, er und Türeci hätten Biontech in 18 Jahren von einem Start-up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen aufgebaut. Das Unternehmen sei sehr gut aufgestellt, um sich als kommerzielles Biopharma-Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren.

Das werden Sahin und Türeci, die trotz des ganzen wirtschaftlichen Erfolgs im Herzen stets Wissenschaftler geblieben waren, nun ein Stück weit von der Seitenlinie aus begleiten. (dpa)

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