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Kölner erinnert sich an Schreck-Moment„Plötzlich sah ich die Bombe im Kinderbett“

Der Kölner Paul Brandt erinnert sich an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges.

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Der Kölner Paul Brandt erinnert sich an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges.

Aktualisiert

Paul Brandt erlebte den letzten verheerenden Bombenangriff auf Köln vor 81 Jahren als 14-Jähriger. Kurz bevor 800 britische Flieger Kurs auf die Stadt nahmen, war er im Dom. 

Paul Brandt war gerade 14 Jahre alt, als seine Heimat schon in großen Teilen in Schutt und Asche lag. In Köln ragte nur noch der Dom aus den Trümmern, die der Zweite Weltkrieg im Frühjahr 1945 hinterlassen hatte. Über 260-mal wurde die Stadt damals bombardiert. Am 2. März, heute vor 81 Jahren, fielen die letzten Bomben.

Als 800 britische Kampfflieger Köln damals anflogen, befand sich Paul Brandt gerade im Dom. „Ich habe mit meiner Mutter den Dompfaffen besucht“, erinnert sich der 95-Jährige heute im Gespräch mit EXPRESS.de. „Danach gingen wir über die damals noch begehbare Hohenzollernbrücke nach Deutz und fuhren mit der Linie B nach Bensberg.“ Als sie dort ankamen, sahen sie dann die feindlichen Bomber, die Kurs auf Köln nahmen. Und ihre tödliche Fracht ein letztes Mal abwarfen. Es war der verheerendste Angriff auf die Stadt, der letzte Widerstand sollte gebrochen werden. Die amerikanischen Truppen standen bereits kurz vor Köln.

„Es war kein schönes Leben“

Wie so viele deutsche Lebensläufe zur damaligen Zeit war auch jener von Paul Brandt geprägt von Krieg und Zerstörung. Sein Vater war bereits als Soldat gefallen, er hatte ein Geschäft für Automobilzubehör an der Mariengartengasse unweit des Doms. Seine Mutter musste sich allein um ihn und seine jüngere Schwester kümmern. „Es war kein schönes Leben“, erinnert sich Paul Brandt, auch wenn sich seine Mutter alle Mühe gab.

Der Bombenkrieg dominierte das Leben damals in Köln. Der Alltag fand vor allem unterirdisch statt, in den Luftschutzkellern. „Jeden Tag gab es Luftalarm, wir gingen mit Kleidung ins Bett, der Koffer war immer griffbereit“, erklärt Paul Brandt. „Und dann bangten wir, wenn wir die Flugzeuge hörten. Und die Bomben.“ Man habe sich längst an dieses Leben gewöhnt. „Wir kannten gar nichts anderes mehr.“

Das Foto zeigt Paul Brandt (rechts) neben seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester (circa 1938).

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Das Foto zeigt Paul Brandt (rechts) neben seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester (circa 1938).

Schon am 29. Juni 1943, beim sogenannten Peter-Paul-Angriff, wurde das elterliche Haus von Paul Brandt in Nippes zerstört. „Als wir aus dem Luftschutzkeller herauskamen, brannten alle Häuser drumherum“, erinnert sich Paul Brandt. „Ich bin dann aufs Dach unseres Hauses geklettert und stand in der Regenrinne, um die Dachpappe mit Wasser nasszuspritzen. Damit der Funkenflug sie nicht anzündet.“ 

Ein Kinderbett rettete der Familie vermutlich das Leben

Als er zum Nebenhaus blickte, stockte ihm dann der Atem, erinnert sich der Kölner. Er sah, wie eine Stabbrandbombe durchs Dach fiel – direkt in ein Kinderbett. „Wir hatten Glück, denn vermutlich ist die Bombe dadurch nicht explodiert. Wäre sie explodiert, wäre von uns vermutlich nicht mehr viel übrig geblieben.“ 

Denn Luftschutzkeller schützten nicht vor jedem Einschlag, erklärt Paul Brandt. „Einmal ist eine Bombe in direkter Nähe heruntergegangen, als wir im Bunker saßen. Ich bin gegen die Betonmauer gekracht und auf den Boden gefallen, bis heute wackelt mein Arm deswegen.“

Blick auf das zerstörte Köln am 6. März 1945. Amerikanische Soldaten marschierten ins linksrheinische Köln ein und befreiten die Stadt.

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Blick auf das zerstörte Köln am 6. März 1945. Amerikanische Soldaten marschierten ins linksrheinische Köln ein und befreiten die Stadt.

Einige Tage nach dem letzten Bombenangriff auf Köln, am 6. März, marschierten die Amerikaner über die Venloer Straße ins linksrheinische Köln ein, eine Woche später wurde auch das Rechtsrheinische befreit. Die Kölner schwankten zwischen Vorfreude auf das ersehnte Ende der Bombenangriffe – und Angst vor der unsicheren Zukunft. 

Paul Brandt erinnert sich: „Danach folgte eine Hungerzeit, es gab keine funktionierenden Lebensmittelgeschäfte, es gab überhaupt keine Geschäfte mehr. Es gab nur Lebensmittelmarken.“ Nicht nur der Mangel an Nahrungsmitteln begleitete die Menschen in der Nachkriegszeit. Auch Kohle war knapp. Die Ruinen, in denen die Menschen lebten, waren schwer zu heizen.

Rund 85.000 Kölner waren nach dem letzten großen Angriff im März geflüchtet. Die, die geblieben waren, halfen anschließend beim Wiederaufbau, auch Paul Brandt. Immerhin: Seine Familie hatte Glück. Sie bekam eine Wohnung, die der Kirche gehörte, unweit des Doms. Der stand noch immer kerzengerade und unversehrt inmitten der zerstörten Stadt.

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