Joachim von Loeben: im Veedel daheim, in der Welt zu Hause. Der Kölner aus Nippes hat alle 193 Länder rund um den Globus bereist – und Spannendes sowie Skurriles zu erzählen.
Joachim aus Nippes193! Kölner war in jedem Land dieser Welt

Copyright: Joachim von Loeben
Auf Komodo, das ist eine der Kleinen Sundainseln (Indonesien), posiert Joachim von Loeben mit einem riesigen Waran. Alle 193 offiziell anerkannten Länder dieser Welt hat der „Nippeser Jung'“ bereist. Ganze fünf Reisepässe hat er mit den Stempeln der verschiedenen Länder gefüllt.
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Er hat 193 Länder gesehen, zuhause fühlt er sich aber trotzdem in Köln. Wenn Joachim von Loeben durch Nippes läuft, wirkt er wie ein ganz normaler Kölner. Jeans, Jacke, ein freundlicher Blick. Auf dem Rücken trägt er oft seinen bunten Rucksack. Es ist derselbe, mit dem er alle 193 derzeit offiziell anerkannten Länder der Welt bereist hat.
Viel Wirbel macht er darum nicht. Dabei hat er etwas erlebt, wovon die meisten Menschen nur träumen können. „Eigentlich habe ich das nie so geplant“, sagt er. „Aber irgendwann war ich einfach schon in sehr vielen Ländern und schließlich hat mich doch der Ehrgeiz gepackt, es zu Ende zu bringen und alle Länder dieser Welt zu bereisen.“
Joachims erste große Reise wird zum Wendepunkt
Joachim wuchs auf einem Bauernhof in Niedersachsen auf. „Urlaub hieß bei uns früher immer Nordsee oder Österreich“, erzählt er. Das Fernweh kam erst viel später. Auch, weil er viele Jahre in einer Beziehung lebte, in der Reisen keine große Rolle spielte. Einige Städte in Europa, ja, aber weit weg ging es selten. „Richtig angefangen habe ich mit dem Backpacken erst 2001. Da war ich Anfang 30“, sagt Joachim.
Der entscheidende Moment kam, während er seinen berufsbegleitenden Master of Business Administration machte. In der stressigen Abschlussphase steckt Joachim in einem Motivationsloch. „Ich habe mir damals selbst ein Versprechen gegeben: Wenn du diese Abschlussarbeit schaffst, dann nimmst du dir ein Jahr Auszeit und reist.“

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Auch verschiedenen tierischen Begleitern begegnete Joachim auf seiner Reise, wie einem Orang-Utan in Bukit Lawang in Indonesien.
Gesagt. Getan. Am 13. Dezember 2003 hält er seine Abschlussurkunde in der Hand. Und schon am 1. Januar 2004 sitzt er auf seinem Motorrad mit dem Ziel: Kapstadt in Südafrika. „Ich war kein Motorrad-Profi“, sagt er. „Ich hatte meinen Führerschein, ein Motorrad und den Willen das jetzt zu machen.“ Diese erste große Reise wird zum Wendepunkt. Sie zeigt ihm, wie viel möglich ist – aber auch, wie schnell man an Grenzen kommen kann.
In Nordkenia bleibt sein Motorrad liegen. Es ist heiß und er hat zu wenig Wasser dabei. „Irgendwann habe ich gemerkt: Jetzt wird es gerade wirklich kritisch.“ Kein Handyempfang, dadurch auch keine schnelle Hilfe. Nur Staub, Sonne und die Frage, ob er es rechtzeitig zurück schaffen wird. Am Tag zuvor hat er einem Polizisten noch beiläufig gesagt: „Wenn ich bis 16 Uhr nicht zurück bin, dann sucht mich.“ So wirklich dran glauben kann Joachim aber nicht, dass der Polizist sich das auch gemerkt hat. Doch er hatte. „Als er plötzlich vor mir stand, war das wie ein kleines Wunder“, sagt Joachim. „Da habe ich zum ersten Mal wirklich verstanden, dass man nicht alles planen und kontrollieren kann.“

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In St. Lucia konnte Joachim neben den atemberaubenden Stränden auch die traumhafte Natur und die Ausblicke genießen.
Diese Erfahrung blieb nicht die einzige, die ihn prägte. Auch seine Familiengeschichte spielt eine große Rolle. „Mein Vater ist mit 62 gestorben, hat die Rente nicht erlebt. Meine Mutter bekam mit 54 Parkinson.“ Dazu Arbeitskollegen, die früh erkrankten. „Da habe ich mir gesagt: Ich will die Welt sehen, solange ich es noch kann, und nicht erst im hohen Alter.“ Jahrelang spart er für seine Reisen, finanziert sie selbst und das sogar auf Kosten seiner Altersvorsorge: „Mir war das wichtiger.“ Bei Start seiner jüngsten Reise fehlen ihm noch ganze 53 Länder.
Er nimmt sich ein Sabbatjahr. Fast jede Woche ist er dann in einem neuen Land. Westafrika, Karibik, Zentralasien, Pazifik. Er fährt in Bussen, Taxen, fliegt mit kleinen und großen Flugzeugen. In Papua-Neuguinea gerät er mit seiner Frau in die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes. „Wir haben durch Zufall die Frau des Assistenten des Premierministers kennengelernt und durch sie Karten für die Feierlichkeiten geschenkt bekommen“, erinnert er sich.
Joachim lernte seine Frau auf Goa kennen – vor 18 Jahren
Gleichzeitig erzählt er auch, dass nicht jede Begegnung so „leicht“ ist. In Äquatorialguinea macht Joachim ein Foto von einer Kathedrale. In der Nähe befindet sich der Präsidentenpalast, den man nicht fotografieren darf. Ein Soldat glaubt, er habe diesen fotografiert. „Er wollte mein Handy sehen, aber ich wollte es nicht hergeben.“ Es kommt zu einer kurzen Rangelei. Joachim trägt einen kleinen Kratzer davon. „Nichts Dramatisches“, sagt er rückblickend. „Aber unangenehm.“ Ein Offizier klärt schlussendlich die Situation und Joachim darf weiterreisen.
Zu den emotionalsten Momenten auf seiner Reise zählt für Joachim ein Besuch in den USA. Dort besucht er seine Gastmutter, bei der er kurz nach dem Abitur gelebt hatte. Es ist das erste Wiedersehen nach über 35 Jahren. „Sie ist 80“, sagt er. „Wir wussten beide nicht, ob wir uns noch einmal sehen werden.“ Auch seine Frau lernt Joachim auf Reisen kennen, im indischen Goa. Heute sind sie seit 18 Jahren zusammen. Sie begleitet ihn auf vielen Reisen, oft sogar monatelang auf dem Motorrad.

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Auf Island hat Joachim nicht nur Silvester gefeiert, sondern auch seinen Meilenstein, denn Island war das letzte der bereisten 193 Länder.
Wenn Joachim von seinen schönsten Reiseerlebnissen spricht, kommt er schnell auf das Meer zu sprechen. „Ich bin süchtig nach dem Schwimmen mit Walen“, sagt er. Buckelwale in Französisch-Polynesien, Blauwale in Osttimor. „Man schwimmt im Wasser, und plötzlich taucht dieses riesige Tier neben dir auf. Auge in Auge. Das vergisst du nie.“ Französisch-Polynesien ist außerdem das Land, in das er am liebsten noch einmal zurückkehren würde.
Trotz der ganzen Reisen bleibt Köln für Joachim von Loeben sein Zuhause. „Immer, wenn ich vom Reisen zurückkomme, merke ich, wie cool Köln ist“, sagt er. Seit 25 Jahren lebe er in derselben Wohnung in Nippes. „Hier habe ich den FC, Karneval, Konzerte, Kneipen, Kultur“, sagt er. „Und fast alles erreiche ich mit dem Fahrrad.“ Bora Bora sei zwar wunderschön, aber da fehle ihm das Leben.
Ganz abgeschlossen hat Joachim mit dem Reisen noch nicht. Als Nächstes stehen unter anderem an: ein Trip zur Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada, einer zur Sonnenfinsternis in Nordspanien und ein Besuch in Taiwan. „Ich habe zwar alle Länder gesehen“, sagt er. „Aber noch lange nicht alles erlebt.“ Mehr über seine Reisen berichtet Joachim von Loeben übrigens auf seiner Homepage.

