Ärger in Köln-Brück: Autos brettern durch eine für sie gesperrte Straße. Die Initiative Kidical Mass fordert nun mehr Kontrollen und eine Ausweitung des Pilotprojektes.
Gefahr für KinderRücksichtslose Fahrer ignorieren Sperrung in Kölner Schulstraße

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Zwei Schüler auf Fahrrädern mit Schulranzen.
In Köln-Brück sollte die Diesterwegstraße eigentlich ein Schutzraum für die Kleinsten sein, stattdessen regiert dort häufig pures Durcheinander.
Der Anwohner Alexander Oluski (43) kann es kaum fassen. Obwohl die Straße morgens und nachmittags für den Durchgangsverkehr tabu ist, ignorieren das viele einfach. „Hier fährt Gott und die Welt durch: Taxis, Handwerker, Firmenautos und auch Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen“, schildert der Vater, dessen Tochter die dortige Grundschule besucht, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Situation in Köln-Brück ist besorgniserregend
Die Situation ist wirklich besorgniserregend. Zahlreiche Autofahrer missachten die Sperrungen zwischen 7.45 und 8.15 Uhr sowie zwischen 14.45 und 15.15 Uhr vollständig. Anwohner sind von dieser Regelung ausgenommen.
Oluski schildert haarsträubende Momente: „Manche schlängeln sich mit ihren Autos zwischen den Kindern hindurch, die mit ihren Fahrrädern auf der Fahrbahn stehen.“ Einige würden nicht mal die Geschwindigkeit reduzieren, Kinder würden angehupt oder angepöbelt. Einmal entging ein Kind nur um Haaresbreite einem rangierenden Lieferwagen. Als Oluski einen Fahrer zur Rede stellte, bekam er eine Drohung zu hören: „Ich kann jetzt aussteigen und wir klären das untereinander.“
Auch Hannah Neumann, eine 40-jährige Mutter, kann die untragbare Lage bezeugen. Sie hält das Schulstraßen-Projekt zwar für ein „super“, stellt aber fest: Es „gibt es immer wieder Leute, die sich nicht an die Regeln halten“. Ihre Forderung ist unmissverständlich: häufigere Überprüfungen und Strafzettel für die uneinsichtigen Fahrer.
Die Diesterwegstraße ist ein Bestandteil eines Testlaufs, der insgesamt vier Schulstraßen in Köln umfasst. Die Anregung dazu kam von der Initiative Kidical Mass und wurde 2023 vom Stadtrat abgesegnet. Im März 2024 fiel die Entscheidung, das Projekt dauerhaft zu machen. Die anderen Orte sind die Vincenz-Statz-Grundschule an der Lindenbornstraße, die Maria-Montessori-Schule in Ossendorf und die Rosenmaarschule in Höhenhaus.
Stadt Köln verbucht Maßnahme als Erfolg
Seitens der Stadt wird die Maßnahme als ein Erfolg verbucht. Ein Sprecher nannte die Schulstraßen ein „wertvolles Instrument“, um die Sicherheit für die Schüler zu steigern. Der Durchgangsverkehr wurde reduziert und die Bring- und Abholsituation entspannt. Schulen, Eltern und Kinder empfinden die Maßnahme als eine klare Verbesserung.
Simone Kraus von der Initiative Kidical Mass hat eine differenziertere Meinung. Der Schulweg sei für viele Kinder zwar sicherer geworden im Gegensatz zu den vorherigen „katastrophalen“ Zuständen. Doch während die Regeln an der Lindenbornstraße weitgehend befolgt würden, gäbe es an den drei anderen Standorten, Brück mit eingeschlossen, erhebliche Schwierigkeiten.
Allerdings kommt die Erweiterung des Projekts nur im Schneckentempo voran. Beinahe zwei Jahre nach dem Beschluss ist keine einzige neue Schulstraße dazugekommen. Die Stadtverwaltung verweist auf ein kompliziertes Prüfverfahren für die circa 300 Schulstandorte in Köln. Immerhin sollen im Sommer drei neue Standorte folgen: die Stephan-Lochner-Schule (Neustadt-Süd), die Grundschule Kretzer Straße (Nippes) und die Grundschule Horststraße (Mülheim).
Für Simone Kraus ist die Geschwindigkeit der Stadt ein „Armutszeugnis“. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte sie: „Wenn das so weiter geht, sind wir erst in 100 Jahren fertig.“ Sie verweist auf Vorbilder wie Paris mit schon 180 Schulstraßen oder Wien.
Kraus verlangt mehr Kontrollen, um die gefährlichen Zustände zu beenden. Die Polizei gibt an, dass eine Beamtin aus dem Bezirk die Lage im Auge behält. Es gäbe zwar Verstöße, aber keine Beschwerdeflut, die spezielle Kontrollaktionen rechtfertigen würde. Ein Sprecher warnt jedoch die „Elterntaxis“: Jeder Verstoß berge „mehr Gefahren, als dass es dazu beiträgt, die eigenen Kinder zu schützen“. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

