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OB-Besuch an Kölner Brennpunkt„Die Frau, die vorher Chefin war, war nie hier“

OB Torsten Burmester beim Rundgang am Kölnberg.

Copyright: Uli Kreikebaum

OB Torsten Burmester beim Rundgang am Kölnberg.

Hoher Besuch am Kölnberg! Kölns OB Torsten Burmester und Polizeipräsident Johannes Herrmanns mitten im ärmsten Viertel der Stadt. 

Torsten Burmester und Polizeipräsident Johannes Herrmanns möchten sich am Samstagabend (11. Juni) die Situation an den Problemstellen der Stadt ansehen. Eines ihrer Ziele: der Kölnberg. Zuvor statteten sie dem Friesenplatz und dem Rudolfplatz einen Besuch ab, und später steht noch eine Fahrt zu den Ringen an.

Jan Hahne, der den Bezirksschwerpunktdienst leitet, erläutert dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor der Tour in der Wache an der Brühler Landstraße: „Wir wollen hier ein bisschen den Mythos Kölnberg aufbrechen, deswegen hospitieren viele Kolleginnen und Kollegen bei uns auf der Polizeiwache.“

„Normale, nette Menschen, die ein normales Leben leben – in besonderen Umständen“

Ein Beamter, der seit einem Jahrzehnt hier tätig ist, fügt hinzu: „Jeder verbindet mit dem Kölnberg neben Armut und Müll vor allem Kriminalität“.

Er betont jedoch, es existiere auch „eine andere Realität: von normalen, netten Menschen, die ein normales Leben leben – in besonderen Umständen.“

Kölns OB Torsten Burmester sprach in Meschenich mit vielen Anwohnern vom Kölnberg. Er kündigte an, in dem Stadtteil nicht sparen zu wollen.

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Kölns OB Torsten Burmester sprach in Meschenich mit vielen Anwohnern vom Kölnberg. Er kündigte an, in dem Stadtteil nicht sparen zu wollen.

Teil dieser besonderen Umstände sind an diesem warmen Sommerabend die Ratten und der Unrat. Ein Bewohner, der sich Versace112 nennt, erklärt die Lage so: „Es sind einfach zu viele Menschen hier. Und einige halten sich nicht an die Regeln.“

Burmester fragt ihn nach seinem Beruf. Die Antwort: „Amazon, Lager“. Auf die Frage, ob der Verdienst ausreiche, meint der Mann: „Ja, alles ok.“ Der OB verabschiedet sich mit den Worten: „Mach’s gut, wir sehen uns, ich bin jetzt öfter hier.“

Burmester als Kümmerer – Versprechen und ein Kick mit „Ronaldinho“

Der Oberbürgermeister agiert an diesem Abend als der Mann für die Offensive. Er sucht das Gespräch mit den Anwohnern, kickt mit Kindern, die ihn fröhlich „Ronaldinho“ taufen, nachdem er den Ball dreimal jongliert. Er sichert zu, sich um „Angsträume“ wie das verlassene Parkhaus zu kümmern, und macht sich Notizen zu Wünschen wie neuen Sitzbänken oder einem Basketballkorb. Ein Mann aus Mazedonien zeigt sich erfreut: „Ich wollte sie schon kennenlernen und mit Ihnen sprechen, als ich vor 14 Jahren hierhingezogen bin.“

Manche Gesichter sind Burmester aus dem Wahlkampf vertraut. „Wieder da, mein Freund?“, heißt ihn ein Mann willkommen und stellt ihn seiner Tochter vor: „Das ist der Boss von Köln.“ Ein anderer Anwohner kommentiert: „Die Frau, die vorher Chefin war, war nie hier.“ Burmester wird sogar spontan nach Hause eingeladen, doch die Ehefrau des Mannes wartet bereits auf ihrem Rollator vor dem Eingang. Es folgen Händedruck und das Verteilen von Visitenkarten.

„Anonymität der Häuser macht  Kölnberg zu fast idealem Rückzugsort“

Polizeipräsident Herrmanns kennt den Kölnberg bereits aus den 1990er-Jahren. Die Probleme hätten sich verlagert, erklärt er. Weniger Delikte auf der Straße, stattdessen mehr Verstöße wie das Müllproblem und Betrugsfälle. „Die Anonymität der Häuser macht den Kölnberg zu einem fast idealen Rückzugsort.“

Dagegen will die Polizei mit sichtbarer Anwesenheit und enger Zusammenarbeit vorgehen. Ventislav, der aus Bulgarien stammt und seit fünf Jahren hier wohnt, befürwortet das: „Die Polizei ist immer da – gut. Ohne Polizei noch mehr Mafia.“

„Der Kölnberg ist nicht Deutschland, das ist ein anderes Land hier“

Vor der Pizzeria „Mafiosi“ wird die Stimmung emotional. Chibaia aus Rumänien, der nach eigenen Angaben mit seiner Frau und drei Kindern auf 46 qm wohnt, ist aufgebracht. Er beklagt sich über Ratten, Ungeziefer, Schimmel und einen Vermieter, der nichts unternimmt. „Der Kölnberg ist nicht Deutschland, das ist ein anderes Land hier“, sagt er.

„Wenn Demokratie heißt, dass jeder gleich ist, ist am Kölnberg keine Demokratie. Wir haben hier nichts. Nichts!“ Nach seiner langen Rede schließt er den OB fest in die Arme.

Noch vor Kurzem hatte Burmester bei einer Diskussionsrunde in Mülheim mögliche Kürzungen bei freiwilligen Ausgaben angedeutet. Am Kölnberg gibt er nun ein klares Bekenntnis ab: „Dass wir nicht in den Vierteln mit hohem Sozialindex wie dem Kölnberg oder Chorweiler sparen dürfen – hier brauchen die Menschen jede Hilfe“.

Auch die Vision, Wohnblöcke wie den Kölnberg eines Tages abzureißen, hatte er thematisiert. Ob seine Amtszeit dafür ausreicht, sei ungewiss. „Das ist natürlich sehr schwierig, weil die Häuser hier im Streubesitz sind und es sehr viele Eigentümer gibt, in Chorweiler ist das einfacher“, erläutert Burmester. Ein weiteres Vorhaben ist eine bessere Verkehrsanbindung: Bis 2035 soll die Stadtbahn Süd nach Meschenich ausgebaut werden. Ein Anwohner zeigt sich davon unbeeindruckt: „Bahn? Hier braucht man ein Auto. Immer.“

An diesem Abend sammelt Burmester mit seiner Bürgernähe viele Pluspunkte. Ob sich für die Bewohner am Kölnberg, in Chorweiler oder Finkenberg in fünf Jahren tatsächlich etwas verbessert hat, wird sich aber erst noch zeigen müssen. (red)

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