Plötzlich alles abgesagt! Wie aus heiterem Himmel hat die Stadt sämtliche Events an der beliebten Open-Air-Fläche Südbrücke in Poll verboten. Die Veranstalter blicken in eine ungewisse Zukunft.
„Von heute auf Morgen“Stadt untersagt Veranstaltungen auf Kölner Open-Air-Fläche

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Die Südbrücken-Betreiber Boris Witschke und Kira Wolter auf dem Open-Air-Gelände.
Das ist eine bittere Pille für alle Musik- und Kulturliebhaber in Köln: Geplante Konzerte und Veranstaltungen im Juli sowie August an der Südbrücke fallen ins Wasser. Der Verband der Kölner Clubs und Veranstalter, (Klubkomm), informierte jetzt darüber, dass die Stadtverwaltung per Ordnungsverfügung einen umgehenden Riegel vor alle Veranstaltungen an dem populären Ort geschoben hat. Die Begründung der Behörde: eine „plötzlich geänderte rechtliche Bewertung“ der Zulässigkeit.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine Verordnung des Landes NRW von 2024. Diese gestattet normalerweise bis zu 25 Events jährlich mit unter 5.000 Gästen ohne komplizierte Baugenehmigung, wenn alle Expertisen (etwa zum Schallschutz) vorhanden sind. In der Vergangenheit hat die Südbrücke von dieser Vorschrift erfolgreich Gebrauch gemacht. Jetzt aber beruft sich die Stadt auf ein Gerichtsurteil von 2026 und meint, die Regelung sei nur für einzelne Veranstaltungen gedacht, nicht für eine ganze Reihe, die auf einen dauerhaften Betrieb hindeutet. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist die Südbrücke der einzige Veranstaltungsort in der Stadt, den diese neue Interpretation trifft.
Veranstalter schlägt Alarm: „Unsere Existenz ist bedroht“
Einer der Macher der Südbrücke, Boris Witschke, kann es nicht fassen. „Uns wird von heute auf morgen die gesamte Planungsgrundlage entzogen. Das ist ein Schlag ins Gesicht und vernichtet unsere wirtschaftliche Existenz“, äußerte er. Sein Team habe der Verwaltung sogar vorgeschlagen, für jedes Event einen eigenen Bauantrag einzureichen, um weitermachen zu können. Ein Auftritt im Juni war als Testlauf gedacht. „Obwohl uns eine zügige Bearbeitung zugesagt wurde, ist nichts passiert. Die Stadt hat sich als absolut unzuverlässiger Partner erwiesen“, so Witschke.
Die Stornierungen ziehen einen Rattenschwanz nach sich. „Hier hängen Arbeitsplätze und Existenzen dran. Wir haben auch sozial benachteiligte Menschen beschäftigt“, erläutert Witschke. In den vergangenen Jahren wurde die Südbrücke zu einem zentralen Anlaufpunkt für die unabhängige Kulturszene und ist eine der raren, großen Freiluft-Flächen in Köln, die nicht von der Stadt betrieben wird. Das Fehlen solcher Areale ist seit Langem ein heißes Eisen in der Kommunalpolitik.
Auch die Politik ist irritiert
Der Verband Klubkomm übt scharfe Kritik am Handeln der Verwaltung und beschuldigt sie einer „willkürlichen und sprunghaften Auslegung von Vorschriften“. Selbst im Rathaus herrscht Kopfschütteln. Die grüne Bürgermeisterin Brigitta von Bülow nannte die Entscheidung „nicht nachvollziehbar“. Sie unterstrich die Bedeutung der Südbrücke: „Dieser Ort ist aus Eigeninitiative entstanden und bereichert Köln ungemein. Man muss den Betreibern Zeit geben, die neuen Anforderungen zu erfüllen, anstatt alles sofort zu verbieten.“
Auf Nachfrage teilte die Stadtverwaltung mit, das zuständige Bauaufsichtsamt strebe eine „konstruktive Lösung“ an. Den Veranstaltern sei empfohlen worden, zusätzliche Einzelanträge zu stellen. Diese würden dann „prioritär“ behandelt, falls sie alle nötigen Unterlagen enthalten. Für die gestrichenen Sommer-Veranstaltungen ist diese Mitteilung allerdings nur ein schwacher Trost. (red)
