Anwohner und Anwohnerinnen in Raderthal klagen über das Park-Chaos in ihrer Straße. Die Antwort der Stadt Köln ist ernüchternd.
Park-Frust in RaderthalStadt Köln schockt Anwohner mit 1,5-Kilometer-Ansage

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Autos stehen Stoßstange an Stoßstange. In Großstädten wie Köln ist die Parkplatznot in den Veedeln groß. (Symbolfoto)
In Köln-Raderthal kochen die Emotionen hoch: Die Menschen dort wehren sich gegen das tägliche Park-Chaos in ihrer Straße. Die Antwort der Stadt Köln ist allerdings mehr als ernüchternd – und für viele ein Schock.
Schon lange sorgt die Parkplatznot in der Swisttalstraße bei den Anwohnern und Anwohnerinnen für massiven Ärger.
Stadt Köln sieht keine Rechtfertigung für Bewohnerparken
In einer Bürgereingabe, die den Stadtteilpolitikern Ende Juni vorgelegt wurde, schildern sie die unhaltbare Lage: Abends und an Wochenenden ist die Suche nach einem Stellplatz meist vergeblich. Das stellt besonders für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen eine erhebliche Belastung dar. Der ständige Parksuchverkehr verschärft die Situation und mindert die Lebensqualität erheblich.
Die Verfasser des Schreibens heben hervor, dass die Swisttalstraße eine reine Wohn- und Anliegerstraße ist. Dennoch, so die Kritik, werden dort massenhaft Fahrzeuge geparkt, die keinen erkennbaren Bezug zum Viertel haben. Zudem bemängeln sie, dass die erlaubte Geschwindigkeit von 30 km/h ständig missachtet wird. Die Forderung der Bürger ist daher eindeutig: Anwohnerparken und eine schärfere Überwachung der geltenden Regeln.
Die Stadtverwaltung erteilt diesem Wunsch jedoch eine klare Absage, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Bewohnerparken könne man nicht für einzelne Straßenabschnitte einführen, weil dies die Probleme nur in die Nachbarstraßen verlagern würde, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Überdies sei der Mangel an Parkraum nicht nur auf auswärtige Autofahrer zurückzuführen, sondern auch auf die steigende Zahl der zugelassenen Pkw und immer wuchtigere Automodelle.
Für die Swisttalstraße selbst lägen momentan keine Daten vor, die ein solches Vorgehen rechtfertigen würden, so die Verwaltung. Auf Nachfrage dieser Zeitung wurde klargestellt, dass für die Straße bisher keine Parkraumuntersuchung stattfand. Die Stellungnahme zu der Bürgereingabe basiert demnach lediglich auf einer fachlichen Einschätzung.
Über einen Kilometer Fußweg zum Auto zumutbar
Als zusätzliches Argument bringt die Stadt vor, dass in Metropolen wie Köln ein Fußmarsch von bis zu 1,5 Kilometern zwischen dem Parkplatz und der eigenen Wohnung als zumutbar gilt. Diese Bewertung wird aus einer Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung abgeleitet, wie auf Anfrage erklärt wurde.
Dort ist festgelegt, dass Zonen für Bewohnerparken eine Ausdehnung von 1500 Metern nicht überschreiten sollten. Hinsichtlich der Anliegerstraße verweist die Verwaltung darauf, dass schon die Absicht eines Besuchs bei Anwohnern oder Eigentümern für eine legale Nutzung ausreicht. Verstöße seien daher kaum zu beweisen.
„Die Kontrolle und Ahndung entsprechender Verstöße ist nur schwer möglich und selten zielführend. Maßgeblicher Grund hierfür ist, dass ein belastbarer Nachweis, dass ein bestimmtes Fahrzeug tatsächlich zum berechtigten Anliegerverkehr gehört, kaum erbracht werden kann“, erläutert die Stadt. Der Nutzen von entsprechenden Schildern liege hauptsächlich in der abschreckenden Wirkung und darin, dass viele Navigations-Apps solche Routen meiden.
Die Verwaltung verweist obendrein auf den Masterplan Parken. Dieser Plan sieht vor, im gesamten Stadtgebiet Untersuchungen zum Parkraum durchzuführen, um Zonen mit hohem Parkdruck zu ermitteln und dort bei Bedarf Bewohnerparken einzurichten. Auch Raderthal soll dabei analysiert werden. Einen Zeitplan hierfür kann die Stadtverwaltung allerdings bislang nicht vorlegen. Die Stellungnahme der Verwaltung blieb jedoch nicht ohne Widerspruch.
Karl Wolters von der FDP/KSG-Fraktion äußerte seine Zweifel an der 1500-Meter-Marke. Diese Grenze der Zumutbarkeit sei in der Straßenverkehrsordnung nicht zu finden. In der Stellplatzverordnung für Nordrhein-Westfalen sei hingegen von 300 Metern die Rede, führt er aus.
Die CDU meldete Bedenken bezüglich des Verweises auf den Masterplan Parken an. Fraktionschef Christoph Schykowski erklärte: „Bisher wurde dieser Masterplan final nicht erstellt, den politischen Gremien zur Beratung und/oder Entscheidung vorgelegt und ist somit nicht beschlossen.“ Die Stadt widerspricht dieser Darstellung.
Auf Nachfrage betonte sie, dass die im Masterplan definierten fachlichen Vorgaben und Ziele schon jetzt prinzipiell gelten – unabhängig davon, ob sie bereits in einem finalen Gesamtdokument zusammengefasst sind. (red)

