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Nach Benzin-AttackeWie gefährlich ist der Bahnhof Ehrenfeld?

Zwischen Partypublikum, Gentrifizierung und Obdachlosigkeit: Wie ist die Sicherheitslage in Ehrenfeld?

Copyright: Martina Goyert

Zwischen Partypublikum, Gentrifizierung und Obdachlosigkeit: Wie ist die Sicherheitslage in Ehrenfeld?

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Nach dem Angriff auf einen Ordnungsamtsmitarbeiter steht der Bahnhof Ehrenfeld im Blickpunkt. Wie gefährlich ist es dort wirklich?

Schmutzig, beängstigend, kriminell? Nach einem brutalen Angriff auf einen Ordnungsamt-Mitarbeiter steht der Bahnhof Ehrenfeld im Fokus.

Die Stadt arbeitet seit Langem an dem Problem, doch bei den Anwohnern kommt davon nichts an.

Bahnhof Ehrenfeld für viele Kölner und Kölnerinnen ein Schandfleck

Wenn Petra Manzini über ihr Veedel redet, wird ihr Blick ernst. Sie deutet auf den Spielplatz bei der Bartholomäus-Schink-Straße. „Da würde ich meine Kinder jedenfalls nicht spielen lassen.“ Seit über 20 Jahren ist sie hier daheim, hat in Ehrenfeld ihre eigenen Kinder großgezogen.

An diesem Frühlingsnachmittag ist auf dem Spielplatz kein Kinderlachen zu hören. Stattdessen schläft ein Mann auf einer Bank, während zwei andere sich Wein aus einem Karton teilen. Manzini berichtet von Partygästen, die in ihrem Hauseingang urinieren und Drogen konsumieren. Den Bahnhof selbst meidet sie, wann immer es geht. „Da fühle ich mich definitiv nicht wohl.“

Ehrenfeld hat sich stark verändert, vom Arbeiterviertel zum pulsierenden Szene-Hotspot. Doch während Clubs, Bars und hippe Läden das Bild prägen, bleibt der Bahnhof für viele ein Schandfleck. Im Stationsbericht 2025 des Verbands go.Rheinland landet die Haltestelle in Ehrenfeld auf einem der vier letzten Plätze von insgesamt 195 Bahnhöfen.

Anfang April eskalierte die Situation, als eine mutmaßlich psychisch verwirrte Frau einem Mitarbeiter vom Ordnungsamt Benzin überschüttete. Diese schockierende Tat rückte die Sicherheitsdebatte wieder in den Vordergrund.

Masterplan der Stadt – doch was kommt bei den Leuten an?

Die Kriminalität ist hier schon lange ein Thema. Bereits Ende 2024 präsentierte das Büro „Sozial-Raum-Management“ im Auftrag der Stadt den „Masterplan Sicherheit“. Die Analyse zeigte: Das Bahnhofsumfeld ist ein Kriminalitätsschwerpunkt, wenn auch nicht so gravierend wie Brennpunkte am Neumarkt.

Viele Delikte hängen laut dem Papier mit dem Partygeschehen zusammen. Der Plan enthielt zahlreiche Empfehlungen: bessere Beleuchtung, mehr Sauberkeit, zusätzliches Sicherheitspersonal.

Rund eineinhalb Jahre später fragt man sich: Was ist daraus geworden? Die Stadtverwaltung sagt, einiges sei umgesetzt worden. Baumkronen seien gestutzt, Grünflächen würden häufiger gereinigt, Ordnungsamt und Polizei zeigten mehr Präsenz. Viele weitere Maßnahmen stecken aber noch in der Planung. Eine Sprecherin der Stadt erklärt, dass die Umsetzung schrittweise erfolge, betont aber: Sicherheit habe „weiterhin hohe Priorität“.

Bei den Menschen vor Ort kommt davon aber anscheinend wenig an. Spricht man Anwohner auf den Masterplan an, erntet man meist nur Schulterzucken. „Nie gehört“, sagt Petra Manzini. „Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass sich hier irgendetwas verändert hat.“ Auch Kashin Bibo, die einen Kiosk nahe dem Bahnhof betreibt, ist beunruhigt. „Das mit dem Klauen ist schlimm geworden“, berichtet sie. Immer wieder würden wohnungslose oder betrunkene Personen Flaschen nehmen und einfach gehen. „Da hat man schon mal Angst.“

Anwohner uneins – Polizei-Zahlen sorgen für Überraschung

Doch es gibt auch eine andere Seite. Junge Angestellte eines Cafés sagen, sie hätten keine Sicherheitsprobleme. „Klar, ab und zu fragen hier obdachlose Menschen nach Geld. Aber mit denen kann man reden, die sind meistens sehr verständnisvoll.“ Eine Kellnerin findet den Bahnhof zwar „dreckig“, „aber Angst habe ich nicht“, sagt sie. Eine andere Anwohnerin meint, es gebe „deutlich gefährlichere Ecken in Köln“.

Und dann der „Wie bitte?!“-Moment: Die offiziellen Zahlen der Polizei zeigen einen Abwärtstrend. Seit Anfang des Jahres wurden circa 60 Straftaten registriert – hauptsächlich Körperverletzungen, Diebstähle und Drogendelikte. Im selben Zeitraum 2023 waren es noch deutlich über 100.

Die Bundespolizei, die für den Bahnhof selbst zuständig ist, stuft ihn ebenfalls nicht als besonders gefährdet ein. Eine Sprecherin sagt: „Eine Auswertung der Deliktsbereiche Eigentums- und Gewaltdelikte zeigt für die Jahre 2024 und 2025 ein gleichbleibendes niedriges Niveau.“ Ob die sinkenden Zahlen eine Folge des Masterplans sind, ist unklar. Die Stadt will bald einen Sachstandsbericht veröffentlichen. Der Erfolg der Maßnahmen soll dann mit der nächsten Version des Masterplans, die für 2028 geplant ist, messbar werden. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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