TV-Beben: Millionen Deutschen droht der schwarze Bildschirm
Angriff aufs FernsehenTelekom & Co. wollen Antennen-TV für ihre Handynetze abschalten

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa
Eine Fernsehantenne auf dem Dach eines Wohnhauses: Diese Übertragungsform kommt aus der Mode.
TV-Beben in Deutschland: Millionen könnten bald schwarzsehen Ein Schock für Millionen TV-Fans: Die großen Mobilfunk-Anbieter wollen dem Fernsehen über Antenne den Garaus machen. Doch im Kampf um die Frequenzen gibt es noch einen weiteren mächtigen Interessenten.
Deutschlands führende Mobilfunk-Konzerne – die Deutsche Telekom, Vodafone und O2 Telefónica – haben es auf die Frequenzen des Antennenfernsehens abgesehen. In Berlin präsentierten sie eine von ihnen bezahlte Analyse des Beratungsunternehmens WIK Consult, die eine klare Forderung enthält: Ab 2031 sollen diese Frequenzbereiche für den Mobilfunk freigegeben werden.
Diese Bereiche werden aktuell noch für die TV-Übertragung via Antenne genutzt. Sollten die Mobilfunkanbieter darauf Zugriff bekommen, wäre dies das endgültige Aus für diese Empfangsart. Wirtschaftlich betrachtet wäre eine Zuweisung der Frequenzen für Handynetze vorteilhaft, so das Ergebnis der Untersuchung. Bei der Vorstellung bekräftigten Firmenvertreter der drei Netzbetreiber ihren Wunsch, besagte Frequenzen ab 2031 nutzen zu können.
Millionen Haushalte betroffen: Was passiert mit eurem TV?
Der Studie zufolge sind in Deutschland schätzungsweise noch 2,3 Millionen Haushalte vom Antennenfernsehen abhängig, auch wenn die Zahl sinkt. Die meisten Menschen hierzulande nutzen Satellit oder Kabel. Immer beliebter wird auch das Fernsehen über das Internet, wo die Nachfrage zunimmt.
Doch was würde eine Abschaltung für euren Geldbeutel bedeuten? WIK-Studienautor Bernd Sörries betont, dass es für Verbraucher nicht teurer werden müsse. Die öffentlich-rechtlichen Sender könnten auch nach einem Ende von DVB-T2 kostenlos im Internet gestreamt werden. „Es gibt keine Kostensteigerung aus Sicht der Endkunden, wenn man dieses Netz abschaltet“, so Sörries.
Der Experte argumentiert weiter, dass das klassische, lineare Fernsehen ohnehin ein Auslaufmodell sei. Die Nachfrage nach flexibel abrufbaren Inhalten im Netz steige stetig. Für die öffentlich-rechtlichen Anstalten könnte die Abschaltung sogar eine Ersparnis von bis zu 369 Millionen Euro über zehn Jahre bedeuten.
Polizei und Bundeswehr funken dazwischen
Ob der Wunsch der Mobilfunk-Anbieter am Ende erfüllt wird, ist noch völlig offen. Die künftige Nutzung der Frequenzen wird auf der Weltfunkkonferenz im kommenden Jahr diskutiert. Danach ist die Bundespolitik am Zug, eine Entscheidung zu treffen. Im Digitalzeitalter steigt die Datenmenge rasant, daher müssen die Telekommunikationsanbieter ihre Netze immer weiter optimieren.
Die Mobilfunker sind aber nicht die Einzigen, die ein Auge auf die wertvollen Frequenzen geworfen haben. Auch Deutschlands Sicherheitsbehörden wollen sie nutzen, um einen neuen, eigenen Behördenfunk aufzubauen. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) teilte mit, man strebe eine Zuteilung für die künftige breitbandige mobile Sprach- und Datenkommunikation an.
Im Fokus steht dabei ein Band im 600-Megahertz-Bereich, das die Behörde gemeinsam mit der Bundeswehr nutzen möchte. Spektrum in anderen Frequenzbereichen komme für die Realisierung der BOS-Breitbandkommunikation nach derzeitigem Stand nicht infrage. BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, gemeint ist etwa die Polizei.
Milliarden-Streit um das neue Funknetz
Die von den Mobilfunkern beauftragte Studie sieht diese Pläne kritisch. Ein eigenes Netz für die Behörden würde den Aufbau von rund 23.000 Basisstationen erfordern, erklärt Studienautor Sörries. Die Kosten: mehr als neun Milliarden Euro. Der Aufbau würde über zehn Jahre dauern. Der Gegenvorschlag der Telekommunikations-Firmen: Die Behörden sollen einfach ihre bestehenden Handynetze gegen eine Gebühr mitnutzen. Das wäre laut Studie mit 1,8 Milliarden Euro deutlich günstiger. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
