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Größte ZoodramenAls Petermann starb, weinte Köln: „Das Andenken ist groß – bis heute“

Petermann

Petermann (1947-1985)

von Ayhan Demirci (ade)

Köln – Ein neues, unterhaltsames Buch aus dem Emons-Verlag erzählt aus der bekannten Reihe „111... , die man kennen muss" (231 Seiten, 16,95 Euro) in 111 Kapiteln Wissenswertes über den Kölner Tiergarten.

Ein Kapitel widmet sich auch den Zoodramen. Manche haben sich ins kollektive Kölner Gedächtnis eingegraben, manche Geschichten erstaunen sogar Kenner des Zoos. 

Die wenigsten werden zum Beispiel wissen, dass der Zoo mehrfach von Hochwassern heimgesucht wurde. EXPRESS erzählt einige der bewegenden Geschichten aus der fast 160jährigen Geschichte.

Alles zum Thema Kölner Zoo

Die Flut: Wie Köln-Riehl überschwemmt wurde 

Beim ersten Hochwasser, das den Zoo traf, so schreiben die Autoren – Direktor Theo Pagel und Pressesprecher Christoph Schütt – „verloren eine Reihe von Tieren ihr Leben“. Es war das Jahr 1876, der Rhein hatte einen Pegel von 9,76 Meter erreicht.

Der Zoo von oben

Der Zoo und der benachbarte Rhein von oben (das Foto entstand bei einer Heißluftballonfahrt 2017). 

Die Verluste im Adlergehäuse waren besonders groß, fast alle Raubvögel „waren jämmerlich ersoffen“. Zum gefluteten Elefantenhaus musste eine Brücke gebaut werden, dort randalierte ein Afrikanischer Elefant.

Zoo (1)

Hochwasser im Kölner Zoo: Es brachte die Tiere wie die Elefanten in Lebensgefahr, wie diese historische Zeichnung aus dem Zooarchiv zeigt.

Nur sechs Jahre später flutete der Rhein den Zoo abermals und stärker (Pegel: 10,52). Der Zoo war jetzt zwar besser vorbereitet, es gab weniger Opfer, die Schadenssumme war aber mit 20.000 Mark höher als bei der ersten Katastrophe (6.000 Mark).

Elefantenhaus

1863 wurde das damalige Giraffen- und Antilopen-, später Elefantenhaus eröffnet, im maurischen Stil.

Heute verfüge der Zoo über einen Hochwasseralarmplan, „den wir hoffentlich nie in Anspruch nehmen müssen.“

Es steht in den Annalen: Der Kampf der Kölner Eisbären 

Es war das Jahr 1875. Ein Tier hatte das andere gepackt. Ein Holzschnitt des Künstlers Ludwig Beckmann zeigt, wie der Eisbär seinem Rivalen in die Kehle beißt.

Der dramatische Kampf der Eisbären

Der dramatische Kampf der Eisbären

Ein tödliches Drama: Wärter versuchten von außen mit Wurfgeschossen (Bretter und Steine), die Tiere zu treffen und zu vertreiben. Ein Haken wurde besorgt, um die Tiere zu lösen. „Das gelang aber nicht.“ 

Die Zeit der Weltkriege: Nur wenige Tiere überlebten

Erster Weltkrieg und Zweiter Weltkrieg, dazwischen die Weltwirtschaftskrise: Die Periode zwischen den Jahren 1914 bis 1945 ist eine der dunkelsten in der Geschichte des Kölner Zoos.

In der Zeit des Ersten Weltkrieges, wo in Köln besonders im Jahr 1917 die Menschen unter Hunger litten, war auch das Überleben im Zoo nicht selbstverständlich. „Nach Ausbruch des Krieges waren selbst die Futterkosten kaum noch zu stemmen“, schreiben die Autoren.

Weitere Rheinhochwasser in den Jahren 1920 und 1923 führten zu großen Bauschäden und wieder hohen Verlusten bei den Tieren.

In der Weltwirtschaftskrise 1932/33 sei es dem Zoo so schlecht gegangen, dass der Direktor Dr. Friedrich Hauchecorne seinen Vorgänger fragte, ob der auf einen Teil seiner Pension verzichten könne. Der stimmte zu.

Angriffe auf Köln: Bomben zerstören den Kölner Zoo

Sechs Jahre später begann der Zweite Weltkrieg, der auch für den Kölner Zoo die schlimmste Katastrophe bedeutete. 1944 wurde die Anlage angesichts des immer stärker werdenden Bombenkrieges und der Zerstörung geschlossen. Bei Kriegsende 1945 wurden auf dem Gelände 133 Bombentrichter gezählt.

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Eines der zwei überlebenden Zebras des Kölner Zoos nach Kriegsende 1945.

Am Ende hatten nur 23 Tiere überlebt. Darunter waren ein Flusspferd, ein Wasserbüffel, ein Yak, ein Storch, ein Waschbär, zwei Zebras und zwei Jaguare.

Petermanns Tod: Kölns unvergessener Schimpanse

Natürlich darf diese aufregende und traurige Geschichte nicht fehlen. „Wohl kein anderer Bewohner des Zoos hat die Herzen so bewegt“, heißt es in der Hommage an den Affen, der seit den späten 1940er Jahren im Kölner Zoo lebte und zu einer Berühmtheit wurde. 

Petermann spielte mit Kindern, hatte TV-Auftritte, wurde zum Showtier: Doch die lange geglaubte Harmonie zwischen Tier und Mensch war ein Trugschluss, wie sich zeigen sollte. Petermann hatte Verhaltensstörungen, er wurde eine Gefahr für sich selbst und andere.

Petermann

Petermann (1947-1985)

Die Buchautoren schreiben: „In den Genuss, im neuen Urwaldhaus, dem Aushängeschild der Menschenaffenhaltung, das neue Maßstäbe setzte, zu leben, kam er nicht mehr.“ 

Es war der 10. Oktober 1985. Als eine Gehegetür kurz offen stand, entkam Petermann seiner Käfiganlage. Gemeinsam mit der Schimpansin „Susi“ haute er ab - das macht ihn bis heute legendär. Ein anarchischer Affe, der die Freiheit erkämpft. Jedenfalls fast.

Petermann und Susi hauen den Pfleger um und greifen den Direktor an

Die Affen schlugen zunächst einen Tierpfleger zu Boden. In Nähe der Futterküche attackierten sie dann den Zoodirektor Gunther Nogge. Der wurde durch Bisse in Kopf und Gesicht lebensgefährlich verletzt. Er stellte sich tot, damit die Tiere von ihm ablassen.

Zoodirektor Gunther Nogge schwebte nach dem Angriff in Lebensgefahr. Wegen seiner schweren Verletzungen musste er mehrere Wochen in der Klinik bleiben.

Zoodirektor Gunther Nogge schwebte nach dem Angriff in Lebensgefahr. Wegen seiner schweren Verletzungen musste er mehrere Wochen in der Klinik bleiben.

Petermann und Susi setzten ihre Flucht fort. Doch die Polizei war alarmiert und handelte. Petermann wurde noch auf dem Zoogelände von einem Beamten erschossen. Susi wurde später von einer Zoo-Nachbarin in deren Garten entdeckt, auch für sie endete die Flucht durch eine tödliche Kugel.

„Es gab keine andere Lösung“ bedauerte Gunther Nogge die Todesschüsse (Nogges Erklärung – hier lesen sie mehr). „Die Anteilnahme war groß – das Andenken ist es bis heute“, so würdigen die Buchautoren die Toten.