Prinzenessen 2023„Es fehlt das Bekenntnis“ – Kölner Karneval zieht erste Bilanz

Das Kölner Dreigestirn steht auf einer Bühne.

Das Kölner Dreigestirn hielt beim traditionellen Prinzenessen am 17. Februar 2023 eine Rede. 

Beim traditionellen Prinzenessen kamen die Spitzen der Kölner Stadtgesellschaft zusammen.

von Bastian Ebel (bas)

Offiziell heißt es „Festmahl des Kölner Dreigestirns“, aber eigentlich ist es so etwas wie das große jecke Kölner Stadtparlament. Immer am Karnevalsfreitag kommen die Spitzen der Kölner Gesellschaft zusammen, um am Tag nach Weiberfastnacht auf Kosten des Trifoliums zu speisen.

„Jeckes Stadtparlament“ deshalb, weil bei Crevettencocktail, Roastbeef und Dessert auch karnevalspolitische Töne angeschlagen werden. So eröffnete Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn die Veranstaltung mit einem Rückblick auf Weiberfastnacht.  

Karneval in Köln: Traditionelles Prinzenessen im Gürzenich

„Die Leute haben Nachholbedarf, sie wollen wieder feiern“, so Kuckelkorn. Er lobte die Stimmung an Wieverfastelovend und das Zusammenarbeiten der verschiedenen Institutionen. Er selbst sei am Grüngürtel gewesen und habe sich informiert. „Ich habe mit keinem gesprochen, der aus Köln kommt“, so Kuckelkorn. „Aber sie haben Bock auf Kölner Karneval. Wir müssen den jungen Leuten auch was bieten. Was mir fehlt, ist ein Bekenntnis zur Jugend.“

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Bevor die Hellige Knäächte un Mägde tanzten, gab es bereits stehende Ovationen und die Tränen kullerten. Denn Kölnkongress-Chef und „Herr des Gürzenich“, Bernhard Conin, feierte sein letztes Prinzenessen. „Es hat mir immer viel Freude bereitet“, so Conin. Für ihn erhoben sich die Menschen mit minutenlangem stehendem Applaus. Und er wurde mit dem Verdienstorden in Gold mit Brillanten vom Festkomitee geehrt.  

Viel Applaus gab es auch als Prinz Boris, Bauer Marco und Jungfrau Agrippina auf die Bühne kamen, um zur Rede des Dreigestirns anzusetzen.

Prinz Boris blickte auf die Amtszeit zurück. „Die Kirche und der Karneval sind untrennbar miteinander verbunden“, so Boris. „Auch wenn wir klare Kante dieses Jahr gezogen haben – zu einigen Treffen ist es schon gekommen und das war wunderschön“, so sein Statement.

Die Begegnungen mit den Menschen, unterschiedliche Auftritte wie Zoo, Polizei, Lachende Arena oder beim FC, dazu ein Plädoyer für mehr Tanzgruppen auf der Bühne: Boris reiste mit dem Publikum durch die Höhepunkte einer sympathischen und begeisternden Amtszeit.

Bauer Marco: „Es wird immer nur über den 11.11. und die Auswüchse gesprochen. Man sollte klarer herausstellen, dass der Kölner Karneval Herz und Seele dieser Stadt ist.“ Der Kinderkarneval und die karitativen Dinge kämen in der öffentlichen Betrachtung viel zu kurz.

Mit angeschlagener Stimme erzählte Jungfrau Agrippina über einen Besuch beim blau-gelben Kreuz. „Die Menschen gehen trotzdem mit einer Zuversicht und einer Hoffnung daran. Das ist, was den Kölner Karneval auch ausmacht: Hoffnung geben in scheinbar ausweglosen Situationen.“

Wie bei der Halbzeit-Bilanz ließ Prinz Boris seine Pritsche sprechen (damals ließ er die Prinzenspange sprechen). „Ich wünsche mir für das kommende Dreigestirn mehr Respekt“, so die Pritsche. „Es kann nicht sein, dass ein Kölner Dreigestirn angegangen und beleidigt werden, nur weil sie ein Fotowunsch nicht erfüllen können.“

Minutenlanger Applaus, stehende Ovationen und Jubel-Rufe für die drei Kumpels der Roten Funken. Sie haben Wärme, Liebe, Toleranz und Frohsinn verbreitet, gepaart mit einer unvergleichbaren Bodenständigkeit.

Berührend danach der Auftritt der Tanzgruppe ukrainischer Kinder und Jugendlicher – der Saal schwankte zwischen Freude und dem Bewusstsein, dass auch die Familien durch schlimme Zeiten gehen.

Ebenfalls emotional: Das Dreigestirn von 2021 und 2022 wurde mit dem Sonderorden des Festkomitees bedacht – Prinz Sven Oleff, Bauer Gereon Glasemacher und Jungfrau Gerdemie (Björn Braun) wurden frenetisch gefeiert für ihre Verdienste in dunklen Fastelovend-Zeiten.