Eine Kölner Mutter sucht für ihren zehnjährigen Sohn einen Fußballverein – und scheitert. Jetzt hat sie einen Brief an OB Torsten Burmester geschrieben. Der Fußball-Verband bestätigt: Das Problem betrifft viele Familien.
Kölner Fußball-FrustMutter verzweifelt: „Mein Sohn will einfach nur kicken“

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Er möchte einfach nur kicken – die Mutter des Zehnjährigen sucht verzweifelt einen Fußballverein.

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„Er träumt nicht davon, mal beim 1. FC Köln zu spielen. Er will kein Leistungstraining, keine Sonderbehandlung. Mein Sohn will einfach nur kicken – mit Freunden, nach der Schule, in einem Verein“, so klingt eine verzweifelte Mutter. Sie sucht für ihren zehnjährigen Jungen einen Fußballverein in Dünnwald oder der Umgebung. Bisher erfolglos.
Inzwischen hat sie die Geduld verloren. In einem Brief, der auch EXPRESS.de vorliegt, wendet sie sich direkt an Oberbürgermeister Torsten Burmester – und stellt eine Frage, die viele Kölner Familien beschäftigt: Warum findet mein Kind keinen Platz im Verein?
Volle Mannschaften, lange Wartelisten – Suche nach Fußballverein in Köln
Die Suche der Familie aus Dünnwald liest sich wie ein Protokoll der Frustration. Mehrere Vereine hätten abgesagt, weil die Teams voll seien. „Teilweise werden Kinder zu Probetrainings eingeladen, obwohl nur sehr wenige Plätze zur Verfügung stehen“, schreibt die Mutter in ihrem Brief.
Der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) bestätigt: Im gesamten Jugendspielbetrieb im Kreis Köln ist die Zahl der aktiven Juniorinnen und Junioren in nur vier Jahren von rund 10.900 (2022) auf über 17.600 (2026) gestiegen – ein Plus von 62 Prozent.
„Die Jahrgänge 2015 bis 2019 waren im Vergleich zu den Vorjahren und den Jahren nach 2021 überdurchschnittlich geburtenstark in Köln, das zeigt sich direkt auch in dem Bedarf an Fußballangeboten in der Stadt“, erklärt eine Sprecherin des FVM auf EXPRESS.de-Nachfrage und ergänzt: „Grundsätzlich bestehen weiterhin Kapazitäten fürs Fußballspielen im System. Entscheidend ist jedoch, dass im Kinderfußball der Fokus auf Teilhabe liegt und nicht auf einem frühzeitigen Leistungsgedanken.“
Die Fußball-Nachfrage ist also groß, allerdings hapert es oft an der Infrastruktur. Zu wenig Sportplätze und fehlende Trainer und Betreuer im Ehrenamt.

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Blick auf den Fußballplatz in Höhenhaus
„Städte und Kommunen müssen Sportinfrastruktur bei der städtebaulichen Entwicklung konsequent mitdenken. Sportstätten sind weit mehr als Orte für Bewegung: Sie sind Bildungs- und Wertevermittlungsräume, soziale Treffpunkte und Orte der Integration“, mahnt FVM-Präsident Dr. Christos Katzidis.
Katzidis weiter: „Deshalb dürfen sich Städte und Kommunen nicht fragen, ob sie sich Investitionen in Sportstätten leisten können. Vielmehr müssen sie sich die Frage stellen, ob sie es sich leisten können, nicht in Sportstätten zu investieren.“
Genau das ist der Kern des Problems, den die Mutter in ihrem Brief schonungslos benennt: Köln baut immer mehr Wohngebiete für Familien. Aber die Sport- und Bewegungsflächen wachsen nicht mit.
In Dünnwald, schreibt sie, gebe es mehrere Grundschulen, zahlreiche Familien, viele Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren – und zu wenig Platz zum Spielen. Nach Angaben der Mutter sei ein beliebter Ritter-Spielplatz, der von Kindern und Kitas intensiv genutzt wurde, trotz vorheriger Sanierung vollständig abgerissen worden. Ersatz? Frühestens 2030. Bestehende Plätze wie der des TuS Höhenhaus in der Straße „Im Weidenbruch“ verwahrlosten. „Es ist ein Trauerspiel“, schreibt die Mutter.
In diesem Zusammenhang hat die Mutter auch eine Petition ins Leben gerufen. Ihr geht es dabei konkret um eine Sanierung der Sportanlage des TuS.
Appell an den OB: Wo bleibt die Familienfreundlichkeit?
Im Wahlkampf hatte Burmester versprochen, Köln lebenswerter, familienfreundlicher und zukunftsfähiger zu machen. Die Mutter aus Dünnwald nimmt ihn beim Wort – und fragt konkret: Welche Maßnahmen plant die Stadt, um in wachsenden Stadtteilen ausreichend Sport- und Bewegungsflächen für Kinder bereitzustellen?
Der FVM hat derweil bereits reagiert: Der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses Köln steht nach Verbandsangaben in direktem Kontakt mit der Familie und hilft bei der Suche nach einem Verein in Wohnortnähe.
Auch die Stadt Köln nimmt das Thema ernst. Verantwortlich sind das Sportamt, das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen sowie das Amt für Kinder, Jugend und Familie.
Die Verwaltung betont, wie wichtig ihr vereinsorganisierter Sport sei: Sportvereine seien „wichtige Begegnungsstätten“ und erfüllten „auch über die direkten Sportangebote hinaus soziale Funktionen“. Bei der Planung neuer Schulen solle daher künftig „grundsätzlich eine möglichst multifunktionale Nutzung“ von Sporthallen und -plätzen angestrebt werden, damit diese nach Schulschluss auch Vereinen und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
Bundesweiter Sanierungsbedarf von Sportstätten: 31 Milliarden Euro
Konkret wird die Stadt dann bei der Frage nach dem Geld: Demnach beträgt der bundesweite Sanierungsbedarf von Sportstätten nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) rund 31 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund müssten „schwierige Entscheidungen und unvermeidbare Abwägungen getroffen werden“ – auch in Köln.
Für den konkreten Fall der Familie aus Dünnwald bedeutet das: Der Ritter-Spielplatz am Gerbirgis-Weg musste laut Stadt „zur Wahrung der Verkehrssicherungspflicht“ fast vollständig zurückgebaut werden, nachdem bei einer Inspektion „erhebliche Verfallsschäden an den Holzbalken (Pilzbefall im Kern der Balken)“ festgestellt worden waren – Reparaturen seien nicht mehr möglich gewesen.
Eigentlich sollte die Neugestaltung bereits Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025 starten, entsprechende Vorbereitungen liefen bereits. Dann wurden jedoch alle Spielplatz-Baumaßnahmen der Stadt im Rahmen der neuen „Kommunalen Spielraumplanung 2025–2030“ bezirksübergreifend neu priorisiert – beschlossen von Bezirksvertretungen, Fachausschüssen und dem Stadtrat.
Spielplatz in Köln-Dünnwald – Sanierung erst 2028
Das Ergebnis für Dünnwald: Die Neugestaltung des Spielplatzes steht laut städtischer Ranking-Liste erst für das zweite Halbjahr 2028 auf dem Plan. Eine Beschleunigung sei „nicht möglich“ – Ausnahmen gebe es nur bei akuten Schadstoffbelastungen im Boden, die aus Gründen der Gefahrenabwehr vorrangig saniert würden. Aktuell laufen laut Stadt im Bezirk Mülheim, zu dem Dünnwald gehört, fünf solcher Schadstoffsanierungen.
Zur von der Mutter angestoßenen Petition für die Sportanlage „Im Weidenbruch“ äußert sich die Stadt in ihrem Schreiben nicht konkret, verweist aber allgemein auf eine „Prioritätenliste“, nach der notwendige Sanierungen und Baumaßnahmen für den Vereinssport ermöglicht werden sollen, sowie auf die laufende städtische Sportentwicklungsplanung, die sich am „tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung“ orientieren solle.
Als möglichen Lichtblick nennt die Verwaltung Fördertöpfe von Bund und Land NRW zur Sanierung kommunaler Sportstätten, um die sich Köln „mit zahlreichen Projekten“ bewerbe – auch im Zusammenhang mit der Bewerbung „KölnRheinRuhr“ um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 und 2044, für die zusätzliche Fördermittel für den Breitensport erwartet würden.
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