Die „Kleine Glocke“ ist nicht einfach eine Kneipe, sondern ein Kölner Kulturgut. Jetzt wird im Traditionshaus an der Glockengasse eine kleine, aber feine Neuerung eingeläutet.
Es geht losKölner Kult-Kneipe: Sechsstellige Verluste – und eine goldige Idee

Copyright: Ayhan Demirci
Wirtin Stephanie Rommerskirch sitzt am Hochtisch, in den ein Schlitz reingefräst wurde und der jetzt als Spendentisch fungiert.

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Zu den Besonderheiten der Gaststätte „Kleine Glocke“ zählen (mindestens) zwei Dinge. Erstens: die Gemälde an den Wänden (und sogar an der Decke). Darunter sind originale Leihgaben eines Kölner Kunstsammlers, teils von namhaften Kölner Malern wie Anton Räderscheidt (1892-1970) oder Heinrich Hoerle (1895-1936), den „Kölner Progressiven“, wie sie genannt wurden.
Zweitens: Das Kölsch von Früh kommt nicht aus der Leitung, sondern stets aus einem Fässchen, das hinter der Theke steht. Weil es so besser schmeckt, meint die Chefin.
Gute Idee für den guten Zweck
Die Benefizidee, von der Wirtin Stephanie Rommerskirch nun erzählt, entstand dann auch aus einer Bierlaune heraus, als man mit einigen Stammgästen zusammensaß und Gutes im Sinn hatte. Deswegen gibt es jetzt auch eine dritte Besonderheit in der Künstler-Kneipe: den Spendentisch.
Der steht im Zentrum des Lokals und weist in der Mitte einen Schlitz auf, der reingefräst wurde. Es passen Münzen durch und Scheine. Das Geld fällt in einen eigens angebauten Tresor unter dem Tisch, der künftig immer nach Feierabend geleert wird.
Die Idee basiert auf dem Sparkästchenverein der Kneipe, bei dem traditionsgemäß am Ende eines jeden Jahres ein Teil der Sparsumme für den guten Zweck vergeben wird. Stephanie Rommerkirch erzählt: „Wenn wir nach Feierabend hier sitzen, kommen uns schon mal irre Ideen. Dann haben wir in einer Bierlaune gesagt: Eigentlich könnten wir das nicht nur einmal im Jahr machen, sondern eine dauerhafte Aktion ins Leben rufen. Dann ist uns dieser Tisch eingefallen. Warum bohren wir nicht ein Loch rein und machen unten einen Tresor dran?“

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Das Gemälde in der Mitte stammt vom Maler Anton Räderscheidt und zeigt den langjährigen Köbes Christian.
Zuletzt hatte die „Kleine Glocke“ häufig an den Verein „Dat kölsche Hätz“ gespendet, der etwa das Eltern-Kind-Haus der Kinderkrebsstation in der Kölner Uniklinik fördert. Jetzt will man jedes halbe Jahr einen neuen Spendenempfänger ausrufen, diesen auf ein Schild schreiben und über dem Tisch anbringen. Jeder Gast kann künftig jederzeit einen Beitrag beisteuern.
Eingeweiht wird der Spendentisch mit einer kleinen Zeremonie am Freitagabend (3. Juni) um 19.30 Uhr. Die Kölschband „Die Kallendresser“, die traditionell jeden Karnevalsfreitag mit Willi-Ostermann-Klassikern in der Kneipe aufspielt, wird die Eröffnung musikalisch begleiten.
„Kleine Glocke“: Große Einbußen durch die Opernsanierung
An der Adresse Glockengasse 58 existiert das Traditionslokal „Kleine Glocke“ bereits seit 1952. Die Kölner Oper und das Schauspiel befinden sich um die Ecke.
Dass hier der Betrieb für die Sanierung des Kulturquartiers vor nunmehr 14 Jahren eingestellt wurde, hat sich auf den Betrieb eklatant ausgewirkt. Stephanie Rommerkirch, die vor 20 Jahren als Betriebsleiterin begonnen und fünf Jahre später die Gaststätte übernommen hat, spricht von Umsatzeinbußen im sechsstelligen Bereich.

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Ein weiteres Motiv der Plakatkampagne der Oper zeigt demnächst die Wirtin Stephanie.
In Köln ist die Wirtin demnächst auch außerhalb der Kneipe für viele sichtbarn. Im Rahmen der aktuellen Plakatkampagne zur Wiedereröffnung von Oper und Schauspiel im September wird auch Stephanie Rommerskirch zum Motiv.
Neben der Parole „Deine Bühne, Stephanie“ wird sie als „Kleine Glocke“-Wirtin mit einem großen Porträt vorgestellt. Wenn der Kulturbetrieb wieder losgeht, wird die gesamte Gastronomie im Viertel einen Aufschwung bekommen.

