Nach der Eskalation auf dem Straßenfest in Sülz kam es jetzt zu einem Anwohnertreffen – es wurde heiß diskutiert.
Heftige Szenen auf StraßenfestKölner Wirt bringt es auf den Punkt: „Das war Driss“

Die Stimmung war aufgeladen. Das Straßenfest „Bunt im Carrée“ Ende April hatte rund 50.000 Besucher angelockt – doch die Nachwehen sind heftig.
Beim Anwohnertreffen im Restaurant Stukmans kochten die Emotionen hoch: zu viel Müll, Wildpinkler, zu laute Musik. Mitveranstalter Dylan Stuka stellte sich den Fragen – und erntete scharfe Kritik. Rund 40 Menschen nahmen an der Diskussionsrunde teil.
Straßenfest eskaliert: Müll, Wildpinkler, zu laute Musik
Auch Gastronom Alexander Manek, Wirt vom Unkelbach in Sülz, ließ keinen Zweifel daran, was er von der Organisation hielt – und sprach Stuka dabei direkt an: „Das war Driss, viel zu wenig Toiletten.“
Zum Vergleich zog er sein eigenes Geschäft heran: Bei 1000 Gästen beim Karneval habe er die gleiche Menge Toiletten wie Stuka für das gesamte Straßenfest aufgestellt. Und er stellte die entscheidende Frage: „Wie soll das nächstes Jahr funktionieren? Wie willst du diese Massen steuern?“
Dabei machte Manek auch deutlich, dass er dem Veranstalter den Erfolg gönne – er habe schließlich selbst vom Fest profitiert. „Ich hatte einen riesigen Vorteil: Mein Biergarten war komplett voll.“ Vor allem die älteren Festbesucher seien zu ihm gekommen. Denen sei das auf der Straße wohl zu voll gewesen.
Eine Anwohnerin, die nach eigenen Angaben seit 40 Jahren am Nikolausplatz wohnt, ließ kein gutes Haar am Veranstalter: Sie berichtete von Wildpinklern rund um die Uhr. „Unser Sandkasten wurde letztes Jahr nicht nur durchgepinkelt, sondern auch zerstört. Dieses Jahr wurde er wieder durchgepinkelt“, sagte sie.

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Anwohnertreffen nach dem Straßenfest in Sülz – es wurde heftig diskutiert.
Eine andere Anwohnerin berichtete, sie habe am Samstag und Sonntag mindestens zehn bis 20 Mal das Ordnungsamt angerufen. Sie habe die Wildpinkler aus dem Fenster beobachten können.
Zu wenig Toiletten – das war das Hauptproblem
Immer wieder drehte sich die Diskussion ums Thema Toiletten. Stuka gestand ein: „Wir brauchen deutlich mehr mobile Toiletten.“ Für die Zukunft sei das bereits geplant.
Andere Anwohner berichten von einem katastrophalen Sicherheitskonzept. So hätten Autos in die Straßen reinfahren können – teilweise hätte es keine richtigen Absperrungen gegeben.
Ein Anwohner erhob zudem grundsätzliche Einwände: Er habe mit Geschäftsleuten gesprochen, die sagten, sie hätten „super verdient“ – es sei aber abends eskaliert. Er forderte deshalb: „Die Geschäftsleute müssten mehr bezahlen für die Beseitigung des Mülls und für die Gestaltung des Festes. Das kann auf keinen Fall von den Steuergeldern der Bürger bezahlt werden.“
Lob gab's auch – aber nur für die ruhigen Momente
Nicht alle Stimmen waren ausschließlich negativ. Eine Anwohnerin, die nach eigenen Angaben seit fast 50 Jahren in der Gegend lebt, berichtete, sie habe am Samstag und Sonntag vor der Nikolauskirche gesessen und das Fest „unglaublich schön und entspannend“ gefunden. An ihrem Tisch sei niemand unter 60 Jahren gesessen – und alle hätten sich amüsiert. Sie plädierte für mehr Verständnis gegenüber der Jugend: „Das hat sich geändert – mit Internet, mit der Verfügbarkeit von Getränken, von Alkohol.“
Auch eine Anwohnerin direkt an der Bühne räumte ein: „Ich mag Straßenfeste in Sülz und ich finde den Ansatz für dieses Straßenfest auch super.“ Allerdings seien es am Ende zehn Stunden Rave vor der Haustür gewesen – und das Fest sei auf Instagram und TikTok massiv gehypt worden. Sie beobachtete zudem, dass sich Besucher lieber beim nahegelegenen Supermarkt günstig mit Flaschen eindeckten, als die Angebote auf dem Fest zu nutzen.
„Bunt im Carrée“ soll auch im kommenden Jahr stattfinden
Trotz aller Kritik: Laut Stuka lief auch einiges richtig gut. Als Pluspunkte nannte er die kulturelle Vielfalt. Zudem kamen viele Standbetreiber aus dem Veedel. Auch das große ehrenamtliche Engagement sei enorm gewesen – ebenso wie die Tatsache, dass es keinerlei Auseinandersetzungen oder Schlägereien gegeben habe.
Stuka und sein Team wollen das Fest auch im kommenden Jahr ausrichten. Einige Änderungen wurden bereits angekündigt.
Mehr Toilettenwagen, mehr mobile Toiletten – auch in den Seitenstraßen. Die Toiletten sollen zudem länger geöffnet bleiben und kostenlos sein. Auch die Kommunikation im Vorfeld mit den Anwohnern soll verbessert werden.
