Zoff in Köln eskaliert Wer ist schuld am Flughafen-Chaos? Airport reagiert nach Verdi-Attacke

Reisende warten am Flughafen Köln/Bonn.

Am Flughafen Köln/Bonn, hier ein Foto vom 8. Juli, müssen sich Reisende aktuell auf große Wartezeiten einstellen.

Die Zustände am Flughafen Köln/Bonn sind derzeit chaotisch (EXPRESS.de berichtete). Laut der Gewerkschaft Verdi liegt das am schlechten Management der Flughafen-Chefs – jetzt fallen deutliche Worte.

Köln. Das Chaos am Flughafen Köln/Bonn – es ist neben dem schrecklichen Todesfall von der Zülpicher Straße das bewegende Thema der vergangenen Wochen. Wie EXPRESS.de bereits berichtete, kommen auf Reisende am Airport derzeit teilweise extreme Wartezeiten zu, viele Urlauber und Geschäftsreisende sind genervt und verlieren die Geduld.

Vorm Counter beim Check-in, vorm Terminal bei der Sicherheitskontrolle, vorm Gate in die Maschine – regelmäßig drängen sich Menschenmassen am Flughafen dicht an dicht durch die Hallen. Und das mit der Angst vor Corona im Gepäck. Eine explosive Mischung, die nun auch im Hintergrund einen Streit zwischen Verdi und der Flughafen-Geschäftsführung zunehmend eskalieren lässt.

Flughafen Köln/Bonn: Verdi attackiert Airport-Chefs

Am Dienstag (3. August) hat die Gewerkschaft eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie harte Worte findet. Besonders in der Kritik: der Sparkurs des Flughafens, der laut Verdi verantwortlich sein soll für die chaotischen Zustände. Auf das erhöhte Reiseaufkommen nach der Corona-Auszeit habe man sich nicht entsprechend vorbereitet.

„Die Geschäftsführung hat ihre Aufgaben nicht im Griff und sich über Monate verweigert, Personal einzustellen, um für die absehbare Situation gewappnet zu sein”, sagt Frank Michael Munkler, zuständiger Verdi-Gewerkschaftssekretär am Flughafen.

Arbeitsbelastung am Flughafen Köln/Bonn unzumutbar?

Die Arbeitsbelastung der vorhandenen Mitarbeiter bezeichnet Verdi in dem Schreiben als „unzumutbar”. Aber weil Arbeiten zu spät erledigt werden können, leiden natürlich auch die Fluggäste: Laut Verdi sei es dazu gekommen, dass Reisende bei der Ankunft am Urlaubsort feststellen mussten, dass das Flugzeug ohne ihr Gepäck abgeflogen ist.

Auch die Wartezeit auf das eigene Gepäck am Flughafen Köln/Bonn werde zur Qual. „Es geht so weit, dass Passagiere versuchen, wieder an das Flugzeug zu kommen, um ihr Gepäck selber auszuladen und abzuholen“, heißt es im Schreiben.

Wird am Flughafen Köln/Bonn Geld verschwendet?

Ein weiterer Vorwurf: Geldverschwendung im Frachtbereich! Verdi spricht von 25.000 Euro Verlust pro Nacht in Köln/Bonn. Eine Quelle für die Zahl gibt es aber nicht. Auf EXPRESS.de-Nachfrage will sich der Flughafen zu dieser Zahl nicht äußern.

Laut Verdi stehen Frachtflugzeuge über Stunden nicht abgefertigt am Airport oder die Entladung wird an andere Firmen übergeben. Oft sei das Material im Frachtbereich oft veraltet oder defekt, was durch Leih-Aktionen bei anderen Firmen neue Kosten aufwerfe.

Warteschlange am Flughafen Köln/Bonn.

Warteschlangen am Flughafen Köln/Bonn sind für Reisende aktuell ein gewohntes Bild. Das Symbolfoto wurde Anfang Juli aufgenommen.

„In den Tarifverhandlungen der vergangenen Jahre wurde immer argumentiert, es sei kein Geld da. Jetzt wird das Geld zum Fenster rausgeworfen“, so Frank Michael Munkler. Etwa 100 neue Arbeitskräfte seien in dem Bereich nötig.

Klare Verdi-Forderung: Schluss mit dem Sparkurs am Flughafen

Jetzt stellt die Gewerkschaft klare Forderungen: „Verdi fordert die Geschäftsführung des Flughafens auf, sich sofort von ihrem Sparkurs auf dem Rücken der Beschäftigten zu verabschieden und ausreichend Vollzeit-Personal mit auskömmlichen Arbeitsbedingungen einzustellen“, so Munkler. Auch im Aufsichtsrat und im Betriebsrat habe man die Lage dargestellt, fordert nun eine Sondersitzung des Aufsichtsrats.

Wie reagiert der Flughafen Köln/Bonn auf die Vorwürfe? Auf Nachfrage von EXPRESS.de teilte der Airport mit, die Luftfahrt befinde sich nach wie vor in einer besonderen Situation. Zwar sei das Flug-Aufkommen noch immer generell unter Vor-Corona-Niveau (im Juli etwa 50 Prozent weniger), allerdings gebe es „Verkehrsspitzen”, die deutlich über dem Niveau von 2019 lägen. Zum Beispiel, wenn Airlines bei Corona-Lockerungen kurzfristig neue Flüge anmelden. Das mache eine verlässliche Personalplanung schwer und stelle den Flughafen vor enorme Herausforderungen.

Dennoch sei man sich bewusst, dass sich die Situation verbessern müsse. „Der Flughafen Köln/Bonn arbeitet mit Hochdruck daran, insbesondere die personelle Situation in den operativen Bereichen, etwa der Flugzeugabfertigung, dem stark gestiegenen Bedarf weiter anzupassen und den Personaleinsatz spürbar zu verbessern“, so Sprecher Alexander Weise. Deshalb suche man aktuell zahlreiche neue Beschäftigte, die Gespräche laufen.

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