„Zustände sind unfassbar” Stau, Stress, Ärger, Wut: Willkommen am FLUCHhafen Köln/Bonn

Reisende warten am Flughafen Köln/Bonn.

Am Flughafen Köln/Bonn, hier ein Screenshot aus einem Video vom 8. Juli, müssen sich Reisende aktuell auf große Wartezeiten einstellen.

Frust bei den Reisenden am Flughafen Köln/Bonn: Derzeit müssen sich Passagiere auf große Wartezeiten und Gedränge einstellen. Der Ärger ist groß, der Flughafen arbeitet an Lösungen. EXPRESS kennt die Hintergründe.

Köln/Bonn. Während unablässig „Corona-Sicherheitsabstand einhalten!“-Durchsagen aus Lautsprechern schallen, drängeln sich immer wieder Menschenmassen extrem dicht auf dicht in langen Schlangen durch den Flughafen Köln/Bonn. Vorm Counter beim Check-in, vorm Terminal bei der Sicherheitskontrolle, vorm Gate in die Maschine. Mit langen, nervigen Wartezeiten - und der Angst vor Corona. Vielen Fluggästen geht da die Düse. EXPRESS erklärt, welche kritischen Faktoren derzeit so viel Ärger machen.

Der Mega-Andrang: Nach der Corona-Flaute wurden im Juni wieder mehr als 10.000 Fluggäste an einem Tag gezählt. Im Juli schon 20.000. In den sechs Ferienwochen werden rund 850.000 Passagiere erwartet – 40 Prozent des Vorkrisenniveaus. 20 Airlines steuern 100 Ziele an. Bei vielen Ferienfliegern, etwa in die Türkei, herrscht wie Sonntagnacht (25. Juli) ein regelrechter Massenauflauf.

Neue Corona-Dokumente: Reise-Registrierungen, QR-Codes, negative Tests - das muss nun alles einzeln am Counter gecheckt und notfalls vor Ort noch per Handy eingetippt werden. Kostet viel wertvolle Zeit.

Kurzarbeit: Bei der Sicherheitskontrolle wird mit reduziertem Personal gearbeitet, was zu längeren Warteschlangen führt. Hintergrund: Die Beschäftigten gingen als „Kötter“-Mitarbeiter in Kurzarbeit, wurden von „Securitas“ übernommen – und sind weiter in Kurzarbeit. Ein Sprecher der Bundespolizei: „Bei der Sicherheit machen wir keine Abstriche, selbst wenn die Warteschlangen noch so lang sind. Wir wissen aber um die Probleme. Deshalb wird es ab 1. August keine Kurzarbeit mehr geben. Dann kann dann wieder mit voller Stärke gearbeitet werden.“ Wirklich? Securitas teilt auf Anfrage mit: „Zur Sicherung der Arbeitsplätze muss die Kurzarbeit am Standort bis mindestens 31. Dezember verlängert werden. Dies liegt daran, dass es zwar außerordentliche Spitzenbelastungen mit hohem Personalbedarf gibt, der Gesamtbedarf jedoch noch deutlich unterhalb des Vorkrisenniveaus liegt.“ Auf jeden Fall werde die Personalplanung für August deutlich aufgestockt.

Ausfälle durch Flutopfer: Securitas hat „hohe krankheitsbedingte Ausfälle. Diese sind auch durch die Hochwasser-Katastrophe bedingt“, von denen Mitarbeiter betroffen seien.

Lange Schlange von Reisenden am Flughafen Köln/Bonn.

Auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle: Lange Schlangen von Terminal 2 zu Terminal 1, hier am Sonntag (25. Juli).

Terminal-Reduzierung: Die Sicherheitskontrolle erfolgt nur noch in Terminal 1. Auch wenn man in Terminal 2 eingecheckt hat. Dadurch, so Verdi-Sprecher Özay Tarim, komme es „zu massiven Wartezeiten. Was früher zehn Minuten dauerte, braucht jetzt bis zu eineinhalb Stunden. Die Sicherheitskräfte arbeiten bis zu sechs Stunden ohne Pause und unter höchstem Stress. Für uns ist es nicht erklärlich, warum Terminal 2 dicht bleibt.“

Gepäck-Probleme: Offenbar nehmen Passagiere gerne mehr Handgepäck mit als empfohlen (ein Stück). Und viele haben Getränkeflaschen dabei, obwohl dies untersagt ist. Wohl, um im Terminal keine teuren Erfrischungen zu kaufen. Auch das führe zu längeren Wartezeiten.

Flughafen Köln/Bonn: Zustände sollen bald verbessert werden

Und wie geht es jetzt weiter? Flughafen-Sprecher Alexander Weise zum EXPRESS: „Wir haben immer noch eine besondere Situation. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Abläufe am Flughafen sind deutlich spürbar – egal, ob am Check-in oder in der Flugzeugabfertigung. Auch führt die große Reiselust zu einem steilen Anstieg des Passagierverkehrs, der aufgrund kurzfristiger Flugplanungen vielfach nur schwer kalkulierbar ist und in Spitzenzeiten das Vorkrisenniveau erreicht. Dadurch lassen sich Verzögerungen in den Abläufen während besonders verkehrsreicher Zeiten leider nicht immer vermeiden. Der Flughafen hat bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die operativen Abläufe zu optimieren und auch den Personaleinsatz spürbar zu verbessern.“

Und das ist dringend nötig, meint auch EXPRESS-Redakteur Uwe Hoffmann, der das Chaos am Flughafen selbst erlebt hat. „Beim Check-in standen die Passagiere vor den Countern dicht an dicht, von Corona-Abständen war nichts zu sehen. Wartezeit, trotz bescheidenem Flugverkehr, 90 Minuten. Ich hatte den Eindruck, dass die Airline zu wenig Personal vor Ort hatte.“

Flughafen Köln/Bonn: Großer Andrang besonders wegen Corona unangenehm

Dann ging es zur Sicherheitskontrolle: „Auch hier gab es so einen Massenandrang, der für meine Tochter und mich extrem unangenehm war. Wir standen etwa eine Stunde mittendrin. Mir schien das Sicherheitspersonal ziemlich überfordert. Einen Schreck gab es, als eine Frau in der Warteschlange plötzlich zusammenbrach und behandelt werden musste.“

Bei der Rückkehr nach Köln war das Bild nicht besser: „Als wir durch die Abflughalle zum Parkhaus wollten, mussten wir uns nachts um ein Uhr an einer mehr als 100 Meter langen Schlange mit jeweils drei, vier Leuten nebeneinander vorbeikämpfen, die vor der Sicherheitskontrolle wartete. Die Zustände am Airport waren einfach unfassbar.“

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