Grünes Dorf mitten in Köln „Hängende Gärten“ als Beispiel für die Zukunft?

Architekt Gabor Schneider steht auf einem Balkon, der sich noch im Rohbau befindet. Im Hintergrund der Dachgarten und das Wohnhaus.

Gabor Schneider ist der Architekt der „hängenden Gärten von Bayenthal“.

Ein ländliches Dorf auf einem Grundstück mitten in Köln ist Gabor Schneiders Vision. Der Architekt hat diesen Plan in Bayenthal verwirklicht. Herausgekommen ist ein durch und durch grünes Haus.

Köln. Bis vor ein paar Jahren stand an der Alteburger Straße in Köln-Bayenthal ein unscheinbares graues Haus, im Erdgeschoss gab es eine Wäscherei. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Denn genau an dieser Stelle steht jetzt ein außergewöhnliches Wohnhaus. Sieben Jahre hat der Umbau gedauert, und die ersten Bewohner sind bereits eingezogen. Schon jetzt sticht das Haus heraus – aber der Architekt hat noch so einiges vor.

Grünes Haus in Köln: Die „hängenden Gärten von Bayenthal“

Gabor Schneider ist der Architekt der „hängenden Gärten von Bayenthal“, wie er und Bauherrin Gabriele Grünebaum ihr Projekt nennen. Warum sie sich diesen Namen ausgesucht haben, wird schnell klar, wenn der Blick auf die noch kleine Pflanze neben der Haustür fällt. Ein Blauregen, der sich in Richtung Balkone hochschlängelt und bald die gesamte Fassade begrünen soll. 

Die Hausfassade aus Sicht der Alteburger Straße.

Die Hausfassade aus Sicht der Alteburger Straße. Noch lässt sich nur erahnen, wie grün sie einmal werden soll.

Mit 17 Jahren habe Schneider das Gleiche an dem Haus seiner Eltern in der Südstadt gemacht. „Da habe ich noch eine Anzeige bekommen“, lacht er. Heute wird die Begrünung von Hausfassaden von der Stadt Köln sogar gefördert.

Begrünte Flächen fördern nicht nur das Stadtklima, sonders kühlen gleichzeitig das Gebäude und sorgen für schnelleres Versickern von Regenwasser. Besonders nach der kürzlichen Unwetterkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz gewinnt das auch noch mal an Bedeutung, betont Schneider. „Durch die Versiegelung der Landschaft kann das Wasser sonst nirgendwo hin.“

Kölner Haus als Beispiel gegen die Baubranche als Klimasünder

Die Begrünung fällt auf dem Grundstück in der Alteburger Straße besonders auf. Im Innenhof, wo sich vorher die Wäscherei befand, steht jetzt ein freistehendes Gebäude mit Loftähnlichen Wohnungen. Oben drauf wächst langsam eine Wiese heran. Auf dem Dach des Haupthauses soll bald Obst gedeihen.

Der Dachgarten der Loftwohnungen ist noch nicht vollständig bewachsen.

Auf dem Dachgarten soll bald eine Wiese wachsen.

Aber nicht nur die Pflanzen sind an diesem Haus besonders nachhaltig, sonders auch die Baustoffe. Und das ist besonders wichtig. Denn die Baubranche ist ein großer Klimasünder. Über 50 Prozent des deutschen Abfallaufkommens komme laut des „Zentrums Ressourceneffizienz“ aus der Bauwirtschaft. Sie ist außerdem für 90 Prozent der Rohstoffentnahme in Deutschland verantwortlich.

Eine Animation des Innenhofes, der vollkommen begrünt ist.

Auf dieser abfotografierten Animation des Architekten ist zu sehen, wie der Innenhof in Zukunft aussehen wird.

Die Organisation „Architects for Future“ fordert deshalb einen Umbruch. Vor allem sollen weniger Häuser abgerissen und neu gebaut werden. Das Haus in Bayenthal geht mit einem Beispiel voran. Denn es wurde nicht neu- sondern umgebaut. Auch die Baumaterialien bestehen hauptsächlich aus recyclebaren und nachhaltigen Rohstoffen.

Architekt wünscht sich ein grünes Dorf mitten in Köln

Schneider wünscht sich für die Bewohner des Hauses, dass sie sich wie in einem kleinen Dorf fühlen. Jede Wohnung sei wie ein eigenes Haus. „Eine grüne Oase auf einem Grundstück mitten in der Stadt.“ Das Konzept war sogar Teil des Tages der Architektur 2021.

Der Weg vorbei an den Loftwohnungen im Innenhof ist bereits voll bewachsen.

Schon jetzt wachsen im Innenhof des Hauses zahlreiche Pflanzen.

Diesen außergewöhnlichen Plan zu verwirklichen hat nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld in Anspruch genommen. Die ursprünglich geplanten Mietwohnungen sind nun teure Eigentumswohnungen. Noch sind nicht alle verkauft.

Aber das bedeutet nicht, dass nachhaltiges Bauen unbedingt ein Luxus bleiben muss. Schneider sieht sein Haus als Kunstwerk, aber auch als Vorbild. „Je mehr Häuser nachhaltig gebaut werden und je mehr Nachfrage es gibt, desto günstiger kann es irgendwann werden.“

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