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Zu viel Kopf, zu wenig GefühlWarum Dating heute so anstrengend geworden ist

Ein Mann und ein Frau sitzen im Café und ignorieren sich und schauen voneinander weg.

Copyright: Louisa Noack / image Generator pro

Nähe zuzulassen fällt vielen schwer. Aber nicht nur die Gen Z ist davon betroffen.

Aktualisiert

Hier wird es heiß! Dating war zwar selten so reflektiert, aber selten so anstrengend. Ein exklusives Interview mit der Psychologin, Paartherapeutin und Dating-Expertin bei Hinge Anouk Algermissen zeigt: Nähe scheitert heute oft nicht an fehlendem Interesse, sondern an einem inneren Dauer-Bewertungsmodus.

Dating im Selbstkontroll-Modus

Viele Datende erleben Begegnungen nicht mehr als spontanen Austausch, sondern als Situation, in der sie sich ständig selbst beobachten. Algermissen beschreibt dieses Muster klar: „Wenn man sich dabei jedoch ständig von außen betrachtet und einordnet, kann das schnell überwältigend werden. Statt im Kontakt zu sein, ist man damit beschäftigt, sich selbst zu beobachten. Das macht es schwer, sich auf einem Date wirklich fallen zu lassen.“

Wenn Perfektion Nähe ersetzt

Ein zentrales Problem sei der Versuch, alles richtig zu machen. Algermissen sagt im Interview: "Erwartungen wie 'Ich muss mich perfekt präsentieren' oder 'Die Chemie zwischen uns muss sofort stimmen' bauen Druck auf und hindern uns daran, die subtilen Nuancen einer Begegnung wahrzunehmen. Sie verengen unseren Blickwinkel so stark, dass wir gar nicht mehr sehen, wer da wirklich vor uns sitzt." Der Wunsch nach Kontrolle führe dazu, dass Gespräche zwar korrekt, aber wenig verbindend bleiben. Nähe gehe verloren, wenn Menschen sich selbst optimieren, statt sich zu zeigen.

Zu streng mit sich selbst

Besonders belastend sei, wie hart viele Datende mit sich selbst umgehen. Algermissen beschreibt das so: „Viele Menschen hören sich selbst mit einer Strenge zu, die sie anderen niemals entgegenbringen würden.“ Diese innere Härte verstärke den Eindruck, ständig funktionieren zu müssen – und nehme Dating seine Leichtigkeit.


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Nähe entsteht im Moment

"Es gibt aber auch hilfreiche Erwartungen, die uns Orientierung geben und unsere Bedürfnisse schützen. Der Wunsch, dass wir uns sicher fühlen, unsere Grenzen respektiert werden und wir uns authentisch zeigen können, ist wie ein innerer Kompass: Er zeigt uns, ob sich eine Verbindung lohnt", sagt die Expertin. Wer diese Unterscheidung treffe, erlebe Dating nicht länger als starren Leistungstest, sondern als ehrlichen Prozess: "Fühle ich mich gesehen, respektiert und frei genug, so zu sein, wie ich wirklich bin? Wenn ja, ist das ein starkes Fundament für eine glückliche Beziehung."

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Und wie daten Millennials?

Diese Überforderung ist kein reines Gen-Z-Phänomen. Studien zeigen, dass auch Millennials Dating stark reflektieren – allerdings mit anderen Schwerpunkten. Laut Erhebungen streben rund 64 Prozent der Millennials eine dauerhafte, verbindliche Beziehung an und orientieren sich häufiger an klassischen Partnerschaftsmodellen. Gleichzeitig nutzen sie Online-Dating intensiv, gelten dabei jedoch als vergleichsweise pragmatisch und weniger experimentell als Gen Z. Während jüngere Datende Nähe oft vorsichtig und schrittweise zulassen, setzen Millennials stärker auf Klarheit, Verbindlichkeit und langfristige Perspektiven. Der Unterschied liegt weniger im Wunsch nach Nähe – sondern darin, wie viel Unsicherheit man dabei aushält.

(Quellen: Pew Research Center; Forbes Health; ResearchGate-Studien zu Generationsunterschieden im Dating) und hier geht es zum gesamten Report von Hinge.

Nähe entsteht durch Unperfektion

Dating scheitert heute selten an fehlendem Interesse. Es scheitert an zu viel Denken, zu viel Kontrolle und zu wenig Gefühl. Wer ständig bewertet, optimiert und absichert, verliert den Moment. Nähe entsteht nicht im Kopf – sondern dort, wo Menschen sich erlauben, nicht perfekt zu sein.

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