Wilder Finalkrimi Deutschlands Hockey-Herren entthronen WM-Titelverteidiger Belgien

„Kann keiner gebrauchen“ Ralf Schumacher rechnet mit hartem WM-Finale der Formel 1

Ralf Schumacher hält bei seinem Einsatz als TV-Experte das Sky-Mikrofon.

Ralf Schumacher (l.), hier am 18. April im TV-Einsatz für Sky beim Rennen der Formel 1 am 18. April in Imola, legt sich auf einen Weltmeister-Tipp fest.

Ralf Schumacher legt sich im WM-Kampf zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton auf den neuen Weltmeister fest. Der Sky-Experte spricht außerdem über Mick Schumacher und dessen Fehler im ersten F1-Jahr.

Das WM-Finale der Formel 1 verfolgt Ralf Schumacher (46) in Abu Dhabi als TV-Experte für Sky aus nächster Nähe. Vor dem Rennen am Sonntag (12. Dezember 2021, 14 Uhr/Sky) spricht der Ex-Pilot über den Zweikampf zwischen Lewis Hamilton (36) und Max Verstappen (24) sowie die Debüt-Saison von Neffe Mick (22).

Für Ralf Schumacher ist klar: Auf dem umgebauten Yas Marina Circuit dürfen sich Fans der Formel 1 auf ein spannendes und dramatisches, womöglich sogar unsportliches Finale gefasst machen. Einen erneuten Crash zwischen den beiden Titel-Aspiranten schließt er jedenfalls nicht aus.

Ralf Schumacher über Verstappen-Manöver: „Das gehört bestraft“

Ralf Schumacher, das Chaosrennen von Dschidda wirkt auch vor dem Saisonfinale noch nach. Wie bewerten Sie die Ereignisse in Saudi-Arabien mit ein paar Tagen Abstand?

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Ralf Schumacher: Eine Strafe ist ja ausgesprochen worden, auch wenn sie keine Auswirkungen auf das Ergebnis hatte. Generell: Der Bremstest von Max Verstappen war gefährlich, das gehört bestraft. Nicht nur, dass sich jemand ein Auto kaputt fährt - es können auch mal Teile fliegen und Streckenposten treffen.

Am Sonntag waren Lewis Hamilton und Max Verstappen aufgewühlt, wenn nicht gar wütend. In der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag traten sie fast handzahm auf. Trauen Sie dem Braten?

Schumacher: Die PK ist kein Forum für solche Dinge. Es kann sein, dass intern jeder etwas anderes denkt. Fairerweise muss ich sagen, dass Max sich an anderer Stelle deutlich geäußert hat, dass er sich ungerecht behandelt gefühlt hat. Ich mag Max' Fahrstil, aber das war einfach too much an dem Wochenende.

Es gibt seit Tagen Diskussionen um einen möglichen Crash zwischen Verstappen und Hamilton. War es richtig oder notwendig von der Rennleitung, in den sogenannten Event Notes vorsorglich auf Sanktionen hinzuweisen? Oder ist Michael Masi und seinem Team die Angelegenheit etwas entglitten?

Schumacher: Die FIA (Automobil-Weltverband; d.Red.) und Michael Masi waren ein bisschen die Verlierer des letzten Rennens. Auch dieser Basar und diese Verhandlungen waren ein bisschen ungewöhnlich. Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass die FIA versucht, die WM nicht am Grünen Tisch zu entscheiden. Und ich finde gut, dass Masi die Fahrer ermahnt hat: Wir können bestrafen – auch im Nachhinein. Ich glaube allerdings, dass Max von Red Bull zur Vorsicht gemahnt wurde, weil man so bestimmt nicht die WM gewinnen will. Davon abgesehen glaube ich, dass Max im Dschidda-Rennen dem Red-Bull-Kommandostand ein bisschen entglitten ist, dass da der Funkverkehr nicht ganz glücklich war. Die Gesichter an der Boxenmauer haben Bände gesprochen.

Formel 1: Ralf Schumacher legt sich auf Weltmeister-Tipp fest

Alle loben die tolle Show in der Formel 1 diesem Jahr, zurecht. Wie sehr würde ein Crash im Finale den Gesamteindruck trüben? Vor allem, wenn man am Ende des Rennens vielleicht nicht wüsste, wer Weltmeister ist?

Schumacher: Das ist nicht auszuschließen. Speziell Max muss vorsichtig sein, dass keine Absicht zu erkennen ist, wenn es zu einer Kollision kommen sollte. Dann hätte eine wunderbare Saison irgendwie einen bitteren Beigeschmack. Dann könnten wir uns auch darauf einstellen, dass die Angelegenheit nach Paris zur FIA geht, wo sicherlich nicht am Sonntag entschieden wird. Das kann keiner gebrauchen.

Haben Sie sich die umgebaute Strecke schon angeschaut? Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sagt, Mercedes sei nun im Vorteil...

Schumacher: Die Strecke ist generell schneller geworden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Problem für Red Bull ist. Die Haken, die vorher in der Strecke waren, haben Red Bull in der Vergangenheit auch nicht geholfen. Red Bull muss jetzt Fehleranalyse vom letzten Wochenende betreiben. Sie haben vielleicht die falsche Reifenwahl getroffen.

Lewis Hamilton jubelt nach einem Sieg in der Formel 1 mit Pokal, Max Verstappen steht zerknirscht dahinter.

Max Verstappen hatte am 5. Dezember 2021 hinter Lewis Hamilton das Nachsehen beim Grand Prix von Saudi Arabien. Sein riskantes Manöver würde er jederzeit wiederholen.

Wer wird es denn schaffen, wer wird Weltmeister – und wie?

Schumacher: Ich glaube nach wie vor, dass Max es schafft. Ich würde es ihm auch gönnen. Erstens, damit man mal einen anderen Weltmeister sieht. Zum Zweiten, weil sich Mercedes mit den weichen Reifenmischungen eher schwer getan hat, und die werden in Abu Dhabi gefahren. Das könnte Red Bull entgegenkommen. Für Lewis Hamilton wäre es schon ein Drama, wenn er hier wieder eine WM verlieren würde. Das hat er ja schon mal gegen einen Fahrer, der vermeintlich schwächer ist (2016 gegen Nico Rosberg; d.Red.).

Ralf Schumacher lobt Formel-1-Neuling: „Mick hat alles richtig gemacht“

Haas-Teamchef Günther Steiner und auch Sebastian Vettel haben sich am Donnerstag sehr lobend über die Saison Ihres Neffens Mick geäußert. Welche Note geben Sie ihm für das Debütjahr? Und was erwartet ihn 2022?

Schumacher: Mick hat alles richtig gemacht. Alle jungen Fahrer machen natürlich Fehler, weil es keine Tests mehr gibt. Die Tests sind mittlerweile die freien Trainings und die Rennen. Was soll ein junger Fahrer da machen, vor allem mit dem Paket, das er zur Verfügung hat? Er hat seinen Teamkollegen dominiert. Bei allen Streckenbedingungen, bei denen er einen Unterschied machen konnte, hat er ihn gemacht. Das war schon insgesamt beeindruckend. Jetzt ist auch das Team an der Reihe, nächstes Jahr ein Auto für Achtungserfolge und eventuell Punkte zu haben. Das wäre wichtig, weil auch Mick sich präsentieren muss. Im internationalen TV-Signal ist er kaum im Bild.

Mick Schumacher spricht im Fahrerlager der Formel 1 mit Kimi Räikkönen.

Mick Schumacher (r.), hier am 4. November beim Großen Preis von Mexiko mit Kimi Raikkönen, fügte sich gut in der Formel 1 ein.

Es geht am Sonntag auch darum, ob Ihr Bruder Michael gemeinsam mit Lewis Hamilton Rekordweltmeister bleibt. Wie bedauerlich wäre es aus Familiensicht, wenn Hamilton sich den achten Titel holt?

Schumacher: Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden. Michael hat die Rekorde anderer gebrochen. Wenn Lewis das schaffen sollte, dann nicht von ungefähr. Jeder war in seiner Zeit außerordentlich gut, Lewis ist es immer noch. Deswegen gönne ich es ihm.

Schauen wir voraus. Was können wir von der Saison 2022 erwarten mit dem neuen Reglement? Ist es realistisch, dass alles durcheinandergewürfelt werden kann?

Schumacher: Das kann schon sein. Ich habe gehört, dass zwei, drei kleinere Teams gute Lösungen für das neue Konzept gefunden haben. Das ist ja auch der Grund solcher Regeländerungen, dass Teams nochmal neu anfangen können. Das 18-Zoll-Rad wird auch ein großer Vorteil werden, weil es in der Aerodynamik einfacher zu berechnen ist. Auch das nahe Auffahren wird sich verbessern. Wir müssen näher zum Motorradsport kommen, wo es bis zur letzten Kurve spannend ist. (sid)

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