WM 2022 Aussagen machen sprachlos: Katar-Chef lobt „tolerante Gesellschaft“

Amanda Davies im TV-Interview mit Nasser Al-Khater.

Amanda Davies am 30. November 2021 im CNN-Interview mit Nasser Al-Khater, CEO der WM-Organisation für Katar 2022.

Korruption, Verletzung der Menschenrechte... die Liste der Vorwürfe gegen das Gastgeberland der kommenden WM ist lang. Doch trotz negativer Berichte und Kritik von allen Seiten herrscht in Katar weiter Unverständnis über die Zweifel rund um die WM 2022. In einem CNN-Interview wurde das jetzt ein weiteres Mal deutlich.

Dieses Interview ist für Katar-Kritiker nur schwer erträglich. In einem Gespräch mit CNN-Reporterin Amanda Davies hat der Organisations-Chef der Katar-WM 2022 die Haltung des Landes und die Wahrnehmung des WM-Gastgebers noch einmal voller Überzeugung untermauert.

Während CEO Nasser Al-Khater das Land nach jahrelangen kritischen Berichten vor allem als Opfer sieht und Katar für seine „sehr tolerante Gesellschaft“ lobte, blieb der Interviewerin vor Erstaunen mehrmals der Mund offen stehen. Immer wieder hakte Davies verwundert nach, weil sich die von Al-Khater verkündete Gastfreundlichkeit kaum mit den Erfahrungen der Vergangenheit deckt.

Katar will alle Menschen bei WM 2022 willkommen heißen

Dass sich der als homosexuell geoutete australische Fußball-Profi Josh Cavallo (22) davor fürchte, im kommenden Jahr zur WM nach Katar zu reisen, könne er nicht nachvollziehen, betonte Al-Khater. „Wir heißen ihn hier in Katar willkommen“, machte er klar: „Niemand hier fühlt sich bedroht oder unsicher.“

Alles zum Thema Homosexualität

Der Eindruck sei wohl vielmehr durch die Lektüre von Medienberichten mit Anschuldigungen entstanden, die Katar in einem negativen Licht erscheinen ließen. Dabei sei das Emirat „wie jedes andere Land auf der Welt“ und zeichne sich durch eine „gastfreundliche und sehr tolerante Gesellschaft aus.“

Davies reagierte überrascht auf die Überzeugung in Al-Khaters Antwort, kurz blieb ihr sogar die Sprache weg. Doch auch ihren folgenden Hinweis, dass es nicht erlaubt sei, seine Homosexualität im Emirat offen auszuleben, bügelte der Katari einfach ab: „Öffentliche Liebesbekundungen überschreiten eine Grenze.“ Abgesehen davon dürfe jeder sein Leben so leben wie er wolle.

Katar: WM-CEO Nasser Al-Khater fordert Respekt für Emirat

Auch die Nachfrage zu Inhaftierungen Homosexueller in der Vergangenheit ließ Al-Khater kalt. „Menschen können auch ins Gefängnis dafür kommen, dass sie heterosexuell sind. Ich verstehe Ihre Frage nicht“, konterte er und wies noch einmal auf das Verbot öffentlicher Liebesbekundungen hin, an das sich alle zu halten hätten.

Die Region sei konservativer als andere Länder auf der Welt, Katar bitte Fans und Besucher, diese Haltung zu respektieren. „Wenn man ein Land besucht, bekommt man ein Gefühl für das Land und lernt, es zu verstehen. Gleichgeschlechtliche Ehen sind hier nicht legal, so wie in den meisten anderen Ländern dieser Erde.“

Katar wehrt sich gegen kritische WM-Berichterstattung

Noch einmal hakte Amanda Davies nach, ob ein homosexuelles Ehepaar etwa aus Großbritannien oder den USA ohne Einschränkungen nach Katar kommen und sich dort aufhalten könne. „Sie werden als Fans eines Fußballturniers nach Katar kommen und machen, was jeder andere Mensch auch machen darf“, schloss Al-Khater ab.

  • Das Eröffnungsspiel der WM in Katar ist für den 214. November 2022 geplant
  • Das Finale soll am 18. Dezember 2022 stattfinden
  • 32 Nationen werden an der Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen
  • Derzeit laufen noch Quali-Spiele. Spannend wird es besonders im Duell Portugal gegen die Türkei

Schon in der Debatte um menschenunwürdige Zustände für die Gastarbeiter auf den WM-Baustellen hatte sich gezeigt, dass die öffentliche Wahrnehmung deutlich von der Haltung des WM-Gastgebers abweicht. „Bei unseren Arbeitsstätten ist alles klar. Es gibt Bauunternehmen, Sozialleistungen für die Arbeiter. Wenn es einen Todesfall gäbe, würde jeder davon erfahren. Es ist nichts, was man verbergen kann“, heißt es aus Katar. Entsprechend groß sei das Unverständnis für die negativen Berichte in den Medien.

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