Watschn wegen Katar-Ärger Bayern-Bosse flehen um Investoren-Spielraum

Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern München wurde zur erwartet hitzigen Veranstaltung. Die Debatte über Katar stand im Mittelpunkt. Am Ende gab es eine Watschn für den Vorstand.

Der Abend hatte Sprengstoff-Potenzial und auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern München herrschte von Beginn an auch explosive Stimmung. Auf dem Podium saßen neben Präsident Herbert Hainer (67) auch Vorstandschef Oliver Kahn (52), der seine erste Rede vor einer Mitgliederversammlung hielt. Neben den standardmäßigen Punkten wie Geschäfts- und Vorstandsberichte sorgtenvor allem das brisante Thema Katar für einigen Gesprächsstoff.

Ein Antrag gegen das Katar-Sponsoring des Vereins kam auf der Jahreshauptversammlung nicht zur Abstimmung. Die 13. Zivilkammer des Landgerichts München I hatte am Donnerstag „die sofortige Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgerichts München“ für „eine Ergänzung der Tagesordnung hinsichtlich des Sponsorings durch Qatar-Airlines“ zurückgewiesen.

„Für Geld wachen wir alles rein“ steht auf einem Fan-Plakat mit den Köpfen von Oliver Kahn und Herbert Hainer.

Die Fans des FC Bayern hatten das umstrittene Katar-Sponsoring bereits beim Spiel gegen Freiburg am 6. November 2021 kritisiert und damit Oliver Kahn und Herbert Hainer angegriffen

FC Bayern: Landgericht wies Beschwerde eines Mitglieds zurück

Der FC Bayern sei damit nicht verpflichtet, auf der anstehenden Mitgliederversammlung „über das weitere Sponsoring durch Qatar Airlines zu beraten“, wie das Gericht auf Anfrage mitteilte.

Herbert Hainer und Oliver Kahn bei einer Kino-Premiere.

Präsident Herbert Hainer und Bayerns Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn (hier am 25. Oktober 2021) leiten die Versammlung.

Bayern-Mitglied und Initiator Michael Ott wollte die Behandlung des Streitthemas bei der Versammlung durchsetzen. Ott hat trotz der gerichtlichen Absage noch nicht aufgegeben. „Wir werden dennoch heute Abend einen Spontanantrag probieren. Es ist noch nicht alles verloren“, schrieb er bei Twitter. Ein Spontanantrag braucht eine 75-prozentige Mehrheit der Mitglieder, um zugelassen zu werden.

Zum Vergleich: Auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln war ein entsprechender Antrag für eine klare Position gegen Katar mit 85 Prozent der Mitglieder-Stimmen angenommen. Spürbare Konsequenzen hatte das aber bislang nicht.

Thema Katar schon Thema bei Hainer-Rede

Und das Thema Katar kam war zentraler Streitpunkt des Abends. Zahlreiche Bayern-Fans stören sich wegen der umstrittenen Menschenrechtsfrage im Gastgeberland der nächsten Fußball-WM an der hoch dotierten Partnerschaft mit der katarischen Fluglinie. Der Verein soll Druck auf die FC Bayern AG ausüben, dass der bis 2023 laufende Millionenvertrag beendet und nicht verlängert wird.

Mitglieder lehnen Vorstands-Antrag ab

Bayern-Boss Hainer sprach das Thema schon in seiner Eingangsrede an: „Ich möchte das Thema Katar nicht ausklammern. Wir als Verein stellen uns jedem Diskurs und natürlich darf Kritik sein“, sagte Präsident Herbert Hainer auf seiner Rede – doch da kamen schon wütende Zwischenrufe auf. „Die Kritik soll sachlich und auf nüchterner Basis erfolgen. Eine Wortwahl wie ‚niederträchtig‘ und ‚feige‘ passt sicher nicht zum Tonfall beim FC Bayern. Wir als Verein halten jeden Diskurs sicher aus.“

Doch der Diskurs wurde hitzig und schmerzhaft. Otts Antrag wurde zwar nicht zur Abstimmung gelassen, doch die aufgebrachten Mitgliedern verteilten gleich im Gegenzug eine heftige Watschn an den Vorstand und lehnte um kurz nach 23 Uhr die minutiös ausgearbeitete Neufassung der Satzung mit breiter Mehrheit ab.

Bayern-Bosse flehen um Handlungsspielraum

Und Ott hatte noch einen Pfeil im Köcher: Seinen Antrag, die Verkäufe von Anteilen des FC Bayern auf 70 Prozent zu deckeln. Fast flehentlich versuchten daraufhin Präsident Hainer und Vorstandsboss Kahn, nicht den Weg für weitere Investoren zu verbauen. Kahn: „Wir wissen nicht, was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommt. In der Zweiten Liga spielen große, große Klubs. Wir sollten uns nicht selbst Schaden zufügen.“ Die Bosse kamen mit einem blauen Auge davon: Zwar bekam der Antrag fast doppelt soviele Ja- wie Nein-Stimmen, die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit aber wurde verfehlt und der Antrag gilt als abgelehnt.

Geschäftszahlen von Corona gezeichnet

Vor der Versammlung hatte der FC Bayern seine Geschäftszahlen bekannt gemacht – und die waren gezeichnet von Corona: Der FC Bayern musste empfindliche Umsatzeinbußen vermelden. Wie aus einer Pressemitteilung hervorging, belief sich der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 643,9 Millionen Euro, der Gewinn nach Steuern beläuft sich 1,9 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2019/20 hatte man noch 698 Millionen Euro umgesetzt und 9,8 Millionen Euro.

Oliver Kahn: FC Bayern steht kerngesund da

„Die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie gelten insbesondere für den FC Bayern“, sagt der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn, der seine erste Rede bei einer Bayern-Hauptversammlung hielt. „Seit dem 8. März 2020 hatten wir nur sehr wenige Spiele mit Zuschauern in der Allianz Arena. Trotz dieser Umstände sind Umsatz und Gewinn in meinen Augen gut ausgefallen.“ Auch für die nun laufende Saison 2021/22 erwartet der FC Bayern ein reduziertes Umsatz-Niveau. Kahn: „Wir stehen aber weiter stark und kerngesund da.“

Trotzdem weiß Kahn  um die Herausforderung im Kampf mit den superreichen Klubs gerade aus der Premier League. Sie verändern den Fußball zu ihrem Vorteil, mahnte der Vorstandsvorsitzende, erteilte der Super League eine klare Absage und forderte eine Begrenzung der eingesetzten finanziellen Mittel. (ach/msw)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.