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Trainer-Ikone erntet KritikJürgen Klopp: Das Strahlen ist weg

Jürgen Klopp legt die Stirn in Falten.

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Jürgen Klopp ist nicht mehr der unumstrittene Strahlemann des Fußballs.

Jürgen Klopp gibt gerade nicht das beste Bild ab. Der einstige Strahlemann der Nation erntet viel Kritik. Für seine Sprüche bei der WM und für seinen Umgang mit dem bisherigen Leipzig-Coach Ole Werner.

2006 war Jürgen Klopp DIE Entdeckung der WM. Der damals 39 Jahre alte Trainer von Mainz 05 analysierte für das ZDF die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Und er erklärte den über 80 Millionen deutschen Bundestrainern auf der Couch oder der Fan-Meile die taktischen Kniffe auf dem Platz so locker und so leicht, dass ihm nahezu die ganze Nation zu Füßen lag.

Und nicht nur die, auch Brasiliens Superstar Ronaldinho war hin und weg, sagte während der WM mit dem breitesten Grinsen: „Ich mag das deutsche Fernsehen. Da ist immer ein Typ, der lustige Bilder auf dem Spielfeld malt.“ Dieser Typ, das war natürlich Jürgen Klopp.

Jürgen Klopp: Das Problem heißt Red Bull

20 Jahre später ist Klopp wieder WM-Experte, diesmal für Magenta TV. Wieder an der Seite des Moderators Johannes B. Kerner, beide sind privat eng befreundet. Doch jetzt ist vieles anders. Eine Analyse.

Menschen verändern sich in 20 Jahren. Doch nur wenige Menschen veränderten sich so sehr wie Jürgen Klopp seit dem Sommermärchen in Deutschland. Optisch ist „Kloppo“, wie ihn längst kaum noch einer nennt, ein völlig neuer Mensch. Man könnte auch sagen, dass Klopp ein Spiegel der Zeit ist. Klopp ist optimiert, das sind heute mehr Leute als noch 2006. Die strahlend weißen Zähne, der durchtrainierte Körper, die perfekt frisierten Haare – der heute 59-Jährige sieht beinahe jünger aus als vor 20 Jahren.

Doch das Äußere ist nicht das Problem. Es ist nur sinnbildlich für Klopps generellen Wandel. Der Hamburger SV nahm einmal Abstand von einer Verpflichtung Klopps, weil dieser Löcher in der Jeans hatte. Die Zeiten sind vorbei. Hier der noch unerfahrene Bundesliga-Trainer mit den etwas wilden Haaren, der markanten Brille, den luftigen T-Shirts und Hemden unter dem Sakko und den bunten Stiften, da der souveräne Welt-Trainer, komplett durchgestylt und ausgestattet von der Red-Bull-Marke Alpha Tauri.

Und da nähern wir uns dem Problem. Es heißt Red Bull. Bei dem Getränkehersteller ist Klopp seit Januar 2025 als Global Head of Soccer angestellt. Für viele Fußball-Fans in Deutschland war das Klopps Sündenfall. Gerade er, der in Dortmund mit der kultigen Pöhler-Kappe und Heavy-Metal-Fußball die Sympathien weltweit im Sturm eroberte. Kloppo, einer von uns! Und jetzt? Angestellt bei den Feinden der Fußball-Traditionalisten. 

Und in dieser Funktion soll er, so berichten es alle Journalisten, die sich täglich mit RB Leipzig, dem Tabellendritten der abgelaufenen Bundesliga-Saison, beschäftigen, aktiv an der Trennung von Ole Werner beteiligt gewesen sein. Dabei war es Klopp, der den Ex-Werder-Coach erst vor einem Jahr in Leipzig für den Posten empfahl. Der Vorwurf: Werner habe Klopps Vorgaben (gnadenloses Gegenpressing, Viererkette und Aufstellung) nicht so konsequent umgesetzt wie vom Boss gewünscht. Das Verhältnis sei extrem abgekühlt, schon während der Saison soll Werners Rauswurf mehrfach zur Diskussion gestanden haben.

Als Klopp seinen Dienst beim Brausehersteller antrat, sprach er davon, dass er nicht als „Damoklesschwert“ über den RB-Trainern schweben wolle. Er wolle den Cheftrainern nicht die eigene Philosophie aufzwingen oder als ständige Ablösung im Hintergrund lauern. Nicht nur in Leipzig, sondern auch in den anderen Red-Bull-Filialen in Salzburg, New York, bei Omiya Ardija in Japan und im brasilianischen Bragantino. Eineinhalb Jahre später lässt sich nüchtern feststellen, dass kein Trainer mehr im Amt ist, der bei Klopps Eintritt ins Unternehmen angestellt war.

Vor dem WM-Spiel zwischen England und Kroatien (4:2) gab sich Klopp schmallippig bezüglich der Werner-Entlassung. Er sei beratend tätig gewesen, habe die Saison analysiert, Ole habe einen guten Job gemacht, sei jetzt aber freigestellt. Die Gründe für die Trennung von Werner wurden auch nicht weiter thematisiert. Zum designierten Nachfolger Martin Demichelis wollte er sich auch nicht äußern. Das böse Wort „Trainer-Killer“ geistert umher. 

Der Fall Julian Nagelsmann und das Wörtchen „noch“

Und da ist das nächste Problem: Klopp wird seit Jahren als künftiger Bundestrainer gehandelt. Der Funktionärsposten bei RB sei nur ein Übergangsjob, heißt es immer wieder hinter vorgehaltener Hand in der Branche. Und dann rutschte Klopp, dem Medienprofi, vor dem ersten deutschen WM-Spiel auch noch das Wörtchen „noch“ in Bezug auf Bundestrainer Julian Nagelsmann heraus. Die Aufregung war sofort groß, nicht nur bei Mario Basler: Sägt da etwa jemand öffentlich am Stuhl des Bundestrainers? Klopp entschuldigte sich bei Nagelsmann live im TV, der nahm die Hand an, die Klopp ihm reichte.

Der flapsige Spruch, eigentlich eine Nebensächlichkeit. Und eigentlich etwas, das zu Klopp passt. 2006 waren seine Sprüche teilweise sogar frecher, die Intention aber unschuldiger. Heute werden seine Worte auf die Goldwaage gelegt. Weil sein Wort mehr Gewicht hat als früher – und das weiß der ehemalige Liverpooler Erfolgstrainer ganz genau.

Sympathisch finden ihn trotzdem noch viele TV-Zuschauer und -Zuschauerinnen. Und seine Analysen sind unbestritten weiter grandios. Und dennoch ist da ein kleiner Schatten über seinem Denkmal. Und daran ist er selbst nicht unschuldig. Der einstige Strahlemann des Fußballs ist jetzt offiziell Teil des Fußball-Geschäfts.

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